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Diskriminierung in MexikoDer Schiedsrichter, der den Rassismus besiegt

Er wurde wegen seiner Hautfarbe diskriminiert und von Funktionären gemobbt. Jetzt pfeift Adalid Maganda wieder Fussballspiele.

Akzeptiert keine Diskriminierung: Der Mexikaner Adalid Maganda.
Akzeptiert keine Diskriminierung: Der Mexikaner Adalid Maganda.
Foto: imago-images

Die Geste dauerte nur für einen kurzen Augenblick, doch für Adalid Maganda war sie ein persönlicher Triumph. Der Schiedsrichter kniete sich vor dem Beginn eines Spiels im mexikanischen Cup hin. Es ging dem 36-Jährigen dabei nicht nur darum, sich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung zu solidarisieren. Er protestierte auch gegen das Unrecht, das ihm selber widerfahren war.

Seit fast 20 Jahren ist der Mexikaner Fussballschiedsrichter. Wegen seiner dunklen Hautfarbe wurde er von Anfang an diskriminiert. Es gibt Videos auf Youtube, in denen Fans sich über ihn lustig machen. Es sind die harmlosen. In einem anderen wird er von einem Anhänger als «Hurensohn» und «Neger» beschimpft, dem man mal den Mund mit Benzin auswaschen solle. Der Fan auf dem Platz daneben lacht laut über die rassistische Brandrede.

Die Spieler machten Affengeräusche

Lange hat der Schiedsrichter versucht, den Hass an sich abprallen zu lassen. Die Beleidigungen ignorierte er. Dabei kamen sie nicht nur von den Tribünen, sondern auch von den Fussballprofis. Als er vor fünf Jahren die Trikots in der Kabine kontrollieren wollte, hörte er, wie die Spieler Affengeräusche nachmachten, als er sich näherte.

Rassismus gegen Schwarze ist in Mexiko, wo ungefähr ein Prozent der Menschen afrikanische Wurzeln hat, kein besonders bekanntes Phänomen. Dies im Gegensatz zur Fremdenfeindlichkeit gegen die Indigenen, die im Land teilweise als Menschen zweiter Klasse gelten.

Er musste sich gegen Hassprediger auf den Tribünen wehren – und gegen Funktionäre.

Trotz der Widerstände schaffte es Maganda in den Profifussball. In der Saison 2016/2017 pfiff er erstmals Spiele in der höchsten mexikanischen Liga. Er hoffte, dass offener Rassismus nur bei den Amateuren ein Problem sei. Doch in Wahrheit wurde alles noch schlimmer: Er musste sich nicht mehr nur gegen die Hassprediger auf den Tribünen wehren, sondern auch gegen Funktionäre.

In einer Saison wurde er mehrere Monate lang für kein Spiel nominiert. Er fragte den Vorsitzenden der Schiedsrichterkommission nach einer Begründung dafür. «Was willst du, verdammter Schwarzer?», sagte ihm dieser. Er solle zurückgehen, wo er herkomme. So erzählte es Maganda der spanischen Zeitung «El País».

«Wir sind alles verdammte Schwarze»

Wenige Monate nach dem Treffen wurde Maganda aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen. Angeblich waren die Leistungen schlecht. Das sagte zumindest der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission öffentlich. Maganda selber konterte, er habe Videoaufnahmen eingefordert, auf denen man allfällige Fehlentscheidungen belegen könne. Doch seien ihm solche nie gezeigt worden.

Im Protestzelt vor dem Gebäude der Schiedsrichterkommission: Adalid Maganda im Hungerstreik.
Im Protestzelt vor dem Gebäude der Schiedsrichterkommission: Adalid Maganda im Hungerstreik.
Foto: imago-images

Der Unparteiische akzeptierte den Entscheid nicht und wehrte sich auf eine extreme Art. Vor dem Gebäude der Schiedsrichterkommission stellte er ein Zelt auf und trat in den Hungerstreik. Seine Anhänger protestierten mit Schildern wie «Gerechtigkeit für Adalid» und «Wir sind alles verdammte Schwarze». Der Druck auf den Verband wurde zu gross. Maganda ist auf das Spielfeld zurückgekehrt.

Ein Schwarzer kann doch kein Mexikaner sein

Der Mexikaner kennt Rassismus auch abseits des Fussballfeldes. Einmal nahm Maganda am Stadtrand von Mexiko-Stadt ein Taxi. Ein anderes Auto schnitt ihm den Weg ab, zwei bewaffnete Männer stiegen aus. Ob es Polizisten waren oder nicht, weiss der Unparteiische nicht.

Nachdem er seine Identitätskarte zeigte, behaupteten die beiden, er, ein Mann mit dunkler Hautfarbe, könne unmöglich ein Mexikaner sein. Sie warfen ihm vor, die Dokumente gefälscht zu haben, schlugen ihn und legten ihm Handschellen an. Erst als er die Nationalhymne sang, glaubten sie ihm. «In meinem eigenen Land», sagt der Schiedsrichter, «fühle ich ich mich wie ein Fremder.»