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Nike-Turnschuh GO FlyEaseDer Traum eines Jungen inspirierte diesen Handsfree-Sneaker

Der Turnschuh lässt sich ohne Gebrauch der Hände anziehen. Ein junger Mann mit Zerebralparese hat den Sportartikelhersteller Nike dazu inspiriert.

Der erste Schuh, den man ohne Hilfe der Hände anziehen kann: der «GO FlyEase» von Nike.
Video: Tamedia

Vor acht Jahren schrieb Matthew Walzer dem amerikanischen Sportartikelhersteller Nike einen Brief. Der damals 16-Jährige äusserte darin seine Enttäuschung darüber, dass keine Sportmarke daran dachte, Schuhe für Menschen mit Beeinträchtigungen zu entwickeln. Walzer selbst leidet an Zerebralparese.

«Von all den Herausforderungen, die ich in meinem Leben bewältigt habe, gibt es eine, die ich immer noch zu meistern versuche: das Binden meiner Schuhe», schrieb der 16-Jährige in seinem Brief. «Durch die Zerebralparese sind die Muskeln im Körper steif. Deshalb habe ich nur in einer meiner Hände Beweglichkeit, was es mir unmöglich macht, meine Schuhe zu binden. Mein Traum ist es, auf ein College meiner Wahl zu gehen, ohne dass ich mir Sorgen machen muss, dass jemand kommt, um mir jeden Tag die Schuhe zu binden.»

Weiter schrieb Walzer: «Ich bin 16 Jahre alt, ich kann mir selbständig Kleider anziehen, aber meine Eltern müssen mir immer noch meine Schuhe binden. Als Teenager, der danach strebt, völlig selbstständig zu werden, finde ich das extrem frustrierend und manchmal auch peinlich.»

Teenager arbeitet an Entwicklung mit

Walzers Vision wurde von Nike zum Leben erweckt – in Form des neuen Sneakers namens «GO FlyEase». Es ist Nikes erster Schuh, der freihändig an- und wieder ausgezogen werden kann. Der Schuh hat weder Schnürsenkel noch Klett- oder Reissverschlüsse. Doch wie funktioniert dieser einzigartige Sneaker? Reinschlüpfen kann man laut Nike, indem man mit den Fersen den flexiblen Schuhabsatz runterdrückt. Ein Scharnier sorgt dafür, dass der Schuh sowohl beim Anziehen als als auch beim Ausziehen stabil bleibt.

Möglich gemacht hat dies der Nike-Designer Tobie Hatfield, der bereits zusammen mit Paralympioniken an ähnlichen Herausforderungen gearbeitet hatte. Als Hatfield auf Walzers Brief aufmerksam geworden war, nahm er mit dem Teenager Kontakt auf. Sie begannen mit der Entwicklung von Prototypen, die auf Walzers spezielle Bedürfnisse zugeschnitten waren. «Ich habe mit Matthew genauso gearbeitet, wie ich es mit jedem anderen Sportler tun würde. Es war eine absolute Freude mit ihm zu arbeiten», sagt Hatfield.

Der Teenager hatte nicht mit einer solchen Reaktion gerechnet. «Ich erwartete einen höflichen Brief», sagt Walzer. «Es gibt nicht genug ‹Dankeschön› auf der Welt, um meine unendliche Dankbarkeit auszudrücken.»

Walzer musste übrigens nicht neun Jahre warten, um einen seinen Bedürfnissen angepassten Schuh zu bekommen. Bereits 2012 erhielt er den ersten Prototypen, um ihn zu testen. Geboren war das Vorgängermodell «FlyEase», in den man mittels eines Klett- und Reissverschlusssystems, der um den Knöchel geht, rein- und rausschlüpfen kann. Trotzdem musste man immer noch seine Hände benutzen, um den Schuh anzuziehen. Mit dem weiterentwickelten Modell «GO FlyEase» hat Nike Walzers Vision vollendet. Nun muss man sich nicht einmal mehr bücken, um seine Sneakers anzuziehen.

Nike lanciert den Schuh am 15. Februar. Er soll 120 Dollar kosten. Vorerst ist er lediglich für Teilnehmer des Mitgliederprogramms von Nike erhältlich, später im Jahr dann auch im regulären Handel.

4 Kommentare
    Marcus Ballmer

    So sehr ich mich über Innovationen freue, die benachteiligten Menschen ihren Alltag erleichtern, verstehe ich diese Schuh-Geschichte nicht ganz: ich trage schon seit Jahrzehnten Halbschuhe, in die ich nur reinschlüpfen kann und weder Schnürsenkel noch Klettverschluss oder etwas ähnliches haben. Es sind ganz normale Schuhe, die in jedem Laden erhältlich sind. Bei mir ist es zwar keine Behinderung, warum ich solche Schuhe trage, sondern nur Bequemlichkeit, aber am Vorgang ändert sich dadurch ja nichts. Oder verstehe ich das falsch?