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Bäumige BeweggründeDer Wald ruft!

Im dichten Grün wandern, über seltene Pflanzen staunen und sich energetisch aufladen: Ausflüge in sieben der speziellsten Wälder der Welt.

Kerzengerade: Die Fichten im Bödmeren-Wald.
Kerzengerade: Die Fichten im Bödmeren-Wald.
Foto: ZVG

Nach monatelangem Homeoffice ist die Sehnsucht nach Natur riesengross. Körper, Kopf und Seele brauchen jetzt grüne Oasen der Ruhe und Inspiration. Aber nicht der von Menschenhand gepflanzte Wald ist unser Ziel, sondern die (weitgehend) unberührten Urwälder dieser Welt. Die uns überraschen und berühren, in denen wir auftanken und staunen können. Wie sagte Hermann Hesse einst: «Bäume sind Heiligtümer» und Wälder grüne Kathedralen der Natur.

Fichtenurwald Bödmeren (Schweiz)

Die Fichten im Bödmerental stehen teilweise seit Jahrhunderten.
Die Fichten im Bödmerental stehen teilweise seit Jahrhunderten.
Foto: ZVG

Kerzengerade stehen sie da, fast wie Säulen: Die Bäume des Fichtenwaldes Bödmeren am Ende des Muotatals im Kanton Schwyz. Sie wachsen auf einer weiten, von Gräben und Brüchen durchfurchten Karstlandschaft. Viel Nahrung finden sie auf dem felsigen Untergrund nicht. Flechten wachsen auf ihnen. Mit der auffälligen Kronenform passen sie sich an die grossen Schneemengen an, die hier im Winter oft fallen.

Der grösste Fichtenurwald der Alpen blieb unberührt von Menschenhand: Forstwirtschaft war wegen der Steil- und Abgelegenheit des Tals beschwerlich. Das Totholz bleibt liegen und schafft so neuen Lebensraum für Pilze, Käfer oder Moose, die es wie ein grüner Teppich überziehen. Ein faszinierender Kosmos in einer dramatischen Landschaft.

Urwald auf der Insel Vilm (Deutschland)

Eine der wildesten Wälder Deutschlands wächst auf der Miniinsel Vilm. Seit 1538 wurde hier kein Baum mehr gefällt. Im uralten Wald auf dem Eiland in der Ostsee wachsen Buchen, Eichen und Ulmen zu mächtigen, manchmal bizarr geformten, in sich verschlungenem Naturriesen.

Entdecken kann man der Urwald nur auf geführten Exkursionen des Biosphärenreservats Südost-Rügen, zu der die Insel gehört. Ein exklusives Vergnügen, denn täglich dürfen nicht mehr als 60 Besucher das nur 2,5 Kilometer lange Naturparadies im Süden Rügens betreten. Das war schon zu DDR-Zeiten so: Hier verbrachte die Politprominenz rund um Honecker und Co. die Ferien. Für alle anderen war die Insel gesperrt.

Biogradska Gora-Urwald (Montenegro)

Einer der letzten urzeitlichen Wälder Europas wächst im Nationalpark Biogradska Gora mitten im Zentrum der montenegrinischen Bjelascia-Bergkette. Hier werden die Bäumen 500 Jahre alt und bis zu 45 Meter hoch. Denn: Man überlässt die Natur sich selbst. Das 1600 Hektar grosse Grün rund um den See Biogradsko Jezero ernannte König Nikola I. schon 1878 zum schützenswerten Terrain. Neben 150 Arten von Vögeln und vielen verschiedenen Reptilien leben hier auch Bären, Fledermäuse und Rothirsche zwischen den uralten Rotbuchen, Bergahornen, Eschen und Weisstannen.

Vallée de Mai auf der Insel Praslin (Seychellen)

Ein Samen der Seychellenpalme.
Ein Samen der Seychellenpalme.
Foto: Pixabay

Es ist alt, ziemlich alt sogar: Das Vallée de Mai (Maital) auf der Insel Praslin auf den Seychellen ist ein Überbleibsel des prähistorischen Waldes, der hier existierte, als die Inselgruppe noch zum Urkontinent Gondwana gehörte. Bis 1930 blieb das Tal völlig unberührt. Und so sieht die Vegetation auch aus: Palmen mit gigantischen Wedeln bilden ein grünes Dach über den Köpfen der Waldbesucher. Durch die Millionen Jahre lange Insolation der Seychellen konnte sich hier eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entwickeln.

Die meisten der Besucher kommen aber nur ihretwegen in das Vallee de Mai: der Coco-de-Mer. An der bis zu 24 Meter hohen Seychellenpalme hängen Kokosnüsse in Form eines Frauenschosses und sie wiegen bis zu 25 Kilo. Ihr Samen ist der grösste der Pflanzenwelt.

Krummer Wald (Polen)

Woher der Krumme Wald seinen Namen hat, wird bei diesem Bild klar.
Woher der Krumme Wald seinen Namen hat, wird bei diesem Bild klar.
Foto: Pixabay

Seltsame Gestalten bevölkern den Krzywy Las (Krummer Wald) im Nordwesten Polens, nahe der deutschen Grenze: Kiefern, die kurz über dem Boden einen Knick machen und eine Kurve nach oben nehmen. Wie umgedrehte Fragezeichen stehen sie Seite an Seite, alle nach Norden ausgerichtet.

Warum das so ist? So genau weiss das niemand. Eine der Theorien: die etwa 80 Jahre alten Bäume wurden von Menschenhand zu diesem speziellen Wuchs gebracht, um sie im Möbel- oder Schiffsbau besser einsetzen zu können. Eine andere: dass besondere Magnetfelder die Bäume zu diesem speziellen Aussehen bringen. Jedenfalls sind die tanzenden Kiefern – etwa 100 stehen noch – eine echte Attraktion. PS: In dem Wald soll es übrigens auch spuken!

Lorbeerwald Laurisilva (Madeira, Portugal)

Mystische alte Loorberbäume auf der Insel Madeira.
Mystische alte Loorberbäume auf der Insel Madeira.
Foto: Pixabay

Bis heute konnte hier die Natur in ihren ganzen Eigenheiten nicht erfasst werden: So vielschichtig und artenreich ist der Lorbeer- oder Laurazeenwald auf der Insel Madeira. Seit 1999 gehört er zum Weltnaturerbe der Unesco. Lorbeerwälder waren in der Vorzeit weit verbreitet in Europa. Dann kam die Eiszeit und liess die meisten dieser Biotope von der Karte verschwinden. Es gibt den «Laurisilva» nur noch auf den Azoren, den kanarischen Inseln und eben auf Madeira.

Der immergrüne und immerfeuchte Wald lässt zwischen 300 und 1300 Metern Höhe ganz besondere Bäume wachsen: den Azoren-Lorbeer, die Kanaren-Stechpalme, die Baumheide, den Gagelbaum und viele weitere. Moos überwuchert das Gehölz, meist schliesst sich das Grün zu einem Dach, unter dem der Nebel wabert und sich in den knorrigen Bäumen verfängt – einfach mystisch, märchenhaft, eine Traumlandschaft.

Dundo-Eichenwald auf der Insel Rab (Kroatien)

Einer der letzten Steineichen-Wälder im Mittelmeerraum ist auf der Halbinsel Kalifront im Süden der Insel Rab in Kroatien zu finden: Er ist etwas ganz Besonderes. Schaut man sich den Rest der eher sonnenverbrannten Badeinsel an, fühlt man sich im dort wie im Dschungel. Über 1000 Jahr alt können die immergrünen Bäume werden. Es duftet wie im Regenwald: Nach feuchter Erde, Moos und Moder. Der Wald reicht direkt bis an die Strände und Buchten heran. Früher gab es viele seiner Art rund ums Mittelmeer. Wer mehr zur speziellen Flora und Fauna erfahren will, wandert auf verschiedenen Waldlehrpfaden.