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Analyse zu Anti-Lockdown DemosDie Alternative zwischen Freiheit und Tod

US-Befürworter einer Öffnung der Wirtschaft verstehen sich als Freiheitskämpfer. Der Gouverneur von Georgia will trotz steigenden Corona-Infektionen wieder bowlen und Nägel lackieren lassen.

Im Freiheitskampf gegen die Epidemie und ihre Weicheier marschiert jetzt der Staat Georgia vorneweg: Eine maskierte Freiheitsstatue in Georgia am 17. April 2020.
Im Freiheitskampf gegen die Epidemie und ihre Weicheier marschiert jetzt der Staat Georgia vorneweg: Eine maskierte Freiheitsstatue in Georgia am 17. April 2020.
Foto: Erik S. Lesser (Keystone)

Lieber vorsichtig abwarten? Oder Geschäfte und Fabriken öffnen? Die Frage ist Teil des amerikanischen Kulturkampfs geworden, auf einer Stufe mit der Abtreibungsfreiheit oder dem Recht, Waffen zu tragen.

«Frei sein oder sterben» verkündeten manche Plakate, die konservative Demonstranten gegen den Corona-Lockdown in US-Staatshauptstädten vor sich her trugen.

Einen Mittelweg scheint es nicht zu geben, also Freiheit oder Tod. Er sei bereit, notfalls zu sterben, bekräftigte der texanische stellvertretende Gouverneur Dan Patrick am Montagabend auf Fox News. «Wir müssen Risiken eingehen und das Land wieder zum Laufen bringen», erklärte er. Wie berechenbar diese Risiken sein müssen, sagte Patrick nicht. «Wir sollen auf die Wissenschaft hören, aber welche Wissenschaft?», fragte er. Und überhaupt gebe es «wichtigere Dinge, als zu leben».

Tea-Party-Anhänger stellen sich quer

Schon werden diese Vorkämpfer für eine totale Öffnung der Wirtschaft als Helden gefeiert. «Für mich sind das die Rosa Parks unserer Zeit», schwärmte Donald Trumps Berater Stephen Moore kürzlich und verglich die Demonstranten mit der afroamerikanischen Bürgerrechts-Ikone Rosa Parks, die sich 1955 weigerte, ihren Sitz in einem Bus in Montgomery im Staat Alabama für einen Weissen zu räumen.

Tatsächlich aber ähneln die Demonstranten nicht so sehr Rosa Parks, sondern eher hinlänglich bekannten Fans der Tea Party: die gleichen Fahnen, ähnliche Slogans, viele Bärte, ansehnliche Schusswaffen. Nur die Trump-Mützen sind neu.

Als Barack Obama Präsident war, protestierten sie gegen die steigende Staatsverschuldung im Gefolge der Grossen Rezession von 2008, blieben jedoch stumm, als Präsident Trump 2019 ungeheure Staatsdefizite anhäufte.

Nicht testen, dafür bowlen

Im Freiheitskampf gegen die Epidemie und ihre Weicheier marschiert jetzt der Staat Georgia vorneweg. Dessen republikanischer Gouverneur Brian Kemp bestimmte am Montag, dass Bowlingbahnen, Coiffeure, Tätowierer, Nagelstudios, Fitnesscenter und Massagepraxen mit einigen Vorsichtsmassnahmen am Freitag öffnen dürfen, am kommenden Montag sollen sogar Restaurants aufmachen.

Auf das Virus getestet sind nur wenige in Georgia, der Staat belegt beim Testen Rang 42 unter den 50 Bundesstaaten. In Georgia hatten Geschäfte länger als sonst wo aufbleiben dürfen, erst Anfang April erliess der Gouverneur ein Edikt zur Schliessung.

Er habe «herausgefunden, dass auch asymptomatische Personen das Virus übertragen können», begründete Kemp seinen Entschluss. Dass Infizierte ohne Symptome den Erreger verbreiten konnten, war seit Wochen bekannt gewesen, aber noch nicht bis zu Gouverneur Kemp durchgedrungen.

«Mehr als 19’000 Georgianer sind positiv getestet worden, die Zahl steigt weiter an.»

Bürgermeisterin der Metropole Atlanta

Einschränkungen des öffentlichen Lebens sollten in einem Bundesstaat nur dann aufgehoben werden, wenn sich die Zahl der Infektionsfälle im Verlauf von zwei Wochen kontinuierlich verringert habe, heisst es in den Richtlinien der Regierung Trump. Davon kann in Georgia keine Rede sein, weshalb die Bürgermeisterin der Metropole Atlanta Kemps Anordnung kritisierte. «Mehr als 19’000 Georgianer sind positiv getestet worden, die Zahl steigt weiter an», sagte sie.

Der Beschluss des Gouverneurs aber gilt, womit die Bürger Georgias nun Labormäuse eines Experiments sind. Vielleicht aber bleiben sie trotz der Lockerungen zu Hause, weil ihnen die Alternative zwischen Freiheit und Tod unheimlich ist.

10 Kommentare
    Miroslav Lakic

    Die Freiheit und die Wirtschaft hat die USA gross gemacht. Die ganze Geschichte der USA war ein Krieg für die Freiheit und sie haben keine Angst um wieder mal zu kämfen. Der Kampf um die Freiheit ist erst begonnen, und Trump kann sich darüber sehr freuen. Abseits dessen wird er auch jetzt seine Rivalen erledigen. In Amerika wurde eine Petition gestartet, um eine Untersuchung gegen den Microsoft-Gründer Bill Gates Foundation und seine Frau Melinda wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Missbrauch von Medikamenten" einzuleiten. Die Petition, die auf der Website "We the People" des Weissen Hauses veröffentlicht wurde, wurde bisher von 425.000 Menschen unterzeichnet, viermal so viele wie für die offizielle Antwort des Weissen Hauses erforderlich. Die Bundesregierung wird aufgefordert, den Kongress aufzufordern, eine umfassende und öffentliche Untersuchung durchzuführen. Damit wird heiss um Bill Gates.