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Kommentar zum Urteil in ChristchurchDie Antwort der Opfer

Mit ihren bewegenden Aussagen haben die Opfer des Anschlags und ihre Angehörigen im Prozess gegen den Täter gezeigt, wie man dem Terror die Stirn bieten kann. Das Urteil wird Neuseeland helfen, wieder seinen Frieden zu finden.

Dutzende Angehörige seiner Opfer konfrontierten den Mörder von Christchurch im Gerichtssaal.
Dutzende Angehörige seiner Opfer konfrontierten den Mörder von Christchurch im Gerichtssaal.
Foto: John Kirk-Anderson (Getty Images)

Wie man mit Terror umgehen kann, haben in dieser Woche 91 Menschen in Neuseeland gezeigt. Jeder einzelne Zeuge, der im Prozess gegen den Christchurch-Attentäter Brenton T. aufgetreten ist, erzählte eine bewegende, persönliche Geschichte. Sie hatten ihre Väter, Mütter, Kinder verloren, waren verwundet worden, im Koma gelegen und werden, das betonten viele, nie wieder dieselben Menschen sein wie vor dem Anschlag auf zwei Moscheen im März 2019. (Lesen Sie auch unseren Bericht zum Gerichtsurteil: «Denken Sie im Gefängnis daran, was Sie mir angetan haben»)

Damals hatte der 29-Jährige die Al-Nur-Moschee im Stadtteil Riccarton sowie das Linwood Islamic Centre überfallen und 51 Menschen erschossen. 50 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Das genau geplante Massaker übertrug der Täter per Helmkamera ins Internet. Später ist bekannt geworden, dass er ursprünglich noch eine dritte Moschee hatte attackieren wollen. Die Polizei hatte ihn aber vorher gefasst.

Die Angehörigen der Opfer begegneten dem Mann, der ihnen dieses Leid zugefügt hatte, auf ihre persönliche Art und Weise: anklagend oder mahnend, manche laut, manche leise, aber alle deutlich in ihrer Sprache. Manche beschimpften ihn als «Niemand» und lachten über ihn, andere vergaben ihm für den Mord an ihrem eigenen Sohn.

Neuseeland hat durch das Urteil zu einem Abschluss mit dem Anschlag gefunden.

Die Zeugen zeigten, dass es kein richtig oder falsch gibt, wenn man einem derartigen Verbrecher gegenübertritt, einem Mann, der so viel Hass in sich hat, dass er 51 betende Menschen ermordete. Es gibt nur für jeden Einzelnen seinen Weg, wie er mit dem Massenmord umgehen und womöglich sogar mit Tat und Täter seinen persönlichen Frieden machen kann.

Brenton T. hingegen wird nie wieder einen Tag in Freiheit verbringen. Er hat seine gerechte Strafe bekommen, wird für den Rest seines Lebens in einer Zelle leben und von dort mitverfolgen können, dass er mit seinem Ziel, Hass zu schüren und die neuseeländische Gesellschaft zu terrorisieren, gescheitert ist. Denn das Land hat durch das Urteil zu einem Abschluss mit dem Anschlag gefunden und ist sich einig: Der Täter soll in Vergessenheit geraten, die Opfer jedoch nicht.

3 Kommentare
    Lea Meier

    Interessant ist, dass kein solcher Artikel je geschrieben worden ist, wenn es um islamistischen Terror ging oder geht, zB wenn jüdische Menschen in Synagogen angegriffen wurden. Offenbar sind Terroranschläge gegen Moslems schlimmer, als diejenigen gegen andere Menschen, zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man die Berichterstattung verfolgt.