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Serie: Besser essenDie Erleuchtung kommt zum Schluss

Der Thaigarden des Hotels Riverside verführt mit cremig-würziger Leichtigkeit und einem Dessert, der auch in gut gefüllten Mägen noch Platz haben muss.

Das Hotel Riverside öffnete am 11. Mai erstmals wieder die Türen der Restaurants.
Das Hotel Riverside öffnete am 11. Mai erstmals wieder die Türen der Restaurants.
Foto: Balz Murer

Endlich wieder ins Restaurant! Nach zwei Monaten mittelmässigem Selbstgekochtem und Aufgewärmtem am immer selben Küchentisch lechzt der Körper nach Abwechslung. Die sei ihm gegönnt: diese Woche im Thaigarden des Glattfelder Hotels Riverside.

Die Serviceangestellte geleitet mit professioneller Freundlichkeit an einen Tisch in der Ecke, nahe der grosszügigen Terrasse. Auch Köchin und Koch begrüssen den Gast persönlich. Man hat kaum die Speisekarte in den Händen, als das Amuse-Bouche bereits auf dem Tisch steht: ein kleines Shrimp-Täschchen, mit knusprigem Teig ummantelt. Zum Aperitif gibts ein Singha, ein thailändisches Lagerbier. Was die Allergikerin, welche um die thailändische Küche sonst einen Bogen machen muss, besonders freut: Am Ende der Speisekarte gibt es eine Übersicht, in welchen Gerichten heikle Ingredienzen wie Erdnüsse, Zucker oder Lebensmittelfarbe verwendet werden.

Das Amuse-Bouche machte mehr Lust auf Crevetten – deshalb auch die Krabbentiere zur Vorspeise, gebacken und mit Sweet-and-sour-Sauce.
Das Amuse-Bouche machte mehr Lust auf Crevetten – deshalb auch die Krabbentiere zur Vorspeise, gebacken und mit Sweet-and-sour-Sauce.
Foto: sam

Nur wenig fühlt sich anders an als vor dem Lockdown: Beim Eingang werden wir zweimal gefragt, ob wir die Hände desinfiziert haben, die platzierten Gäste sitzen mit gutem Abstand zueinander, was man aber gerne beibehalten darf, weil damit auch mehr Raum für das eigene Gespräch besteht. Lediglich schade findet die Begleitung, die vor mehreren Jahren zuletzt im Thaigarden war, dass das Restaurant eine Etage über die bestehenden Tische gebaut hat: «Die Lampen sahen aus wie Wolken, die über den Gästen schweben. Das sieht man jetzt nicht mehr.»

Wir bestellen die hausgemachten Frühlingsrollen (13 Franken) und in Toastbrotkrümel gebackene Crevetten (15 Franken) zur Vorspeise, danach gibts ein rotes Curry mit Tofu und Gemüse (32 Franken) sowie Poulet im Knuspermantel an Sweet-and-sour-Sauce (32 Franken). Die Vorspeisen lassen nichts zu wünschen übrig: aussen sehr knusprig, innen saftig. Lediglich die aus rohem Randen geschnitzte Rose ist schöner anzusehen als einfach zu essen. Aber sie erinnert an die thailändische Fertigkeit, aus Obst und Gemüse kleine optische Kunstwerke zu schnitzen.

Auch beim Poulet im Knuspermantel und beim roten Curry stellen wir fest, dass die Küche ihr Handwerk mehr als versteht. Die Begleitung stürzt sich auf die Beilage, Fried Rice. Eine einzige Fehlentscheidung meinerseits war das Dazubestellen des Tofu ins Curry: Die Würfel sind etwas schwammig und haben einen kernigen Eigengeschmack – so wie die meisten Tofuvariationen, ausser jene einer herausragenden Edel-Tofurei im Kanton Aargau, zu der ich glücklicherweise direkte Beziehungen habe.

Die Hauptgänge werden auf einer schlichten Heizplatte mit Kerzen serviert, dazu gibts zwei grosse Schalen Reis.
Die Hauptgänge werden auf einer schlichten Heizplatte mit Kerzen serviert, dazu gibts zwei grosse Schalen Reis.
Foto: sam

Wir schaffen die Hauptgänge nicht fertig, vielleicht aufgrund unseres Unwissens darüber, wie viel Reis sich zu Fleisch, Tofu und Gemüse gehört. Im Elternhaus lernte ich zwar, dass es nur für jene Dessert gibt, die den Hauptgang weggeputzt haben; aber zu einem hausgemachten Sorbet konnte ich auf das Zwinkern der mit uns betrauten Serviceangestellten nicht Nein sagen. Und das war die beste Entscheidung des Abends. Das Ananassorbet kommt mit einem Sternenfruchtschnitz und einer Himbeere daher, verrät aber noch nicht, welche Geschmackswucht sich in der blassgelben Kugel verbirgt. Das Sorbet ist sauer und süss und zeigt mit jedem Löffel die Vehemenz der ganzen Südfrucht. Ich wähne mich für einige Minuten im Urlaub.

Das Fazit: Die Preise sind etwas höher im Thaigarden, aber das Erlebnis ist das wert. Ein nächstes Mal darf es geben – aber dann mit mehr Bescheidenheit beim Hauptgang.

In der Serie «Besser essen» testen Redaktorinnen und Redaktoren ausgewählte Unterländer Restaurants. Dieses Mal wurde der Thaigarden des Hotels Riverside in Glattfelden ausprobiert.