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Sportanlässe und CoronaDie Fans sollen Speichelproben abgeben

Wie wirksam sind die Schutzkonzepte bei Grossanlässen? Swiss Olympic will das mit einer Pilotstudie untersuchen – und setzt auf die Fans des SC Bern als Versuchskaninchen.

Nützen die Schutzmassnahmen? Zuschauer mit Maske während des Eishockeyspiels Zug – Bern.
Nützen die Schutzmassnahmen? Zuschauer mit Maske während des Eishockeyspiels Zug – Bern.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Anzahl der Corona-Infektionen nimmt seit Wochen zu. Und trotzdem sind in der Schweiz Sportanlässe mit über 1000 Zuschauern wieder erlaubt. Nirgendwo sonst in Europa geniesst der Sport in Corona-Zeiten solche Freiheiten wie in der Schweiz. Doch ist das gerechtfertigt? Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic, sagt: «Nach einer Verschnaufpause sind die Entwicklungen besorgniserregend. Der Sport weiss, dass er mit den Grossanlässen eine grosse Verantwortung trägt.»

Deshalb lanciert Swiss Olympic nun eine Pilotstudie zur Wirksamkeit der Schutzkonzepte bei (Sport-)Grossanlässen. Dafür will der Verband die Zuschauer eines Eishockeyspiels mittels Speichelprobe einerseits virologisch untersuchen. Zudem sollen sie vor dem Eintritt ein elektronisches Armband anziehen, welches ihre Bewegungen im Stadion aufzeichnet und misst, ob die Abstandsregeln eingehalten werden.

Als Versuchskaninchen hat sich der SC Bern zur Verfügung gestellt. Allerdings hätten bereits weitere Eishockeyclubs ihr Interesse an einer entsprechenden Untersuchung angemeldet und er sei in Kontakt mit dem Fussballverband, hält Walter Mengisen fest. Der ehemalige Rektor der Eidgenössischen Sport-Hochschule in Magglingen und stellvertretende Direktor des Bundesamts fürs Sport begleitet die Studie.

1000 Personen sind das Ziel

Liegt die Bewilligung vor, soll die Studie im Dezember durchgeführt werden. Um möglichst aussagekräftige Resultate zu erhalten, ist Studienleiter Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern auf möglichst viele freiwillige Teilnehmer angewiesen. Das Ziel sind 1000 Personen. Deshalb wollen der SCB und Swiss Olympic die Fanclubs der Berner einbeziehen. Denn getestet werden soll nicht in der ganzen Postfinance-Arena, sondern nur in einem Sektor.

Egger sagt: «Es ist im Interesse der Clubs und der Fans, dass der Sport mit Publikum weiter durchgeführt werden kann.» Weshalb er sich eine möglichst grosse Akzeptanz bei den Fans erhofft. Schliesslich soll die Studie im besten Fall aufzeigen, dass selbst wenn Corona-infizierte Fans im Stadion waren, es keine weiteren Ansteckungen gab. Weil sich die Zuschauer eben an die Vorgaben hielten.

5 Kommentare
    Sacha Meier

    Nur eine Speichelprobe? Damit kann man man aber aus rein medizinischer Sicht nicht allzu viel anfangen. Wenn schon umfassende Studien durchgeführt werden sollen, wären neben der Speichelprobe auch Rachenabstriche, sowie Blut-, Urin- und Spermaproben nicht ganz verkehrt. So kann auch den Grad und die Tiefe der Infektionen abgeschätzt werden, was wiederum Rückschlüsse erlaubt, damit Sportevents bei grösstmöglicher Stadionbelegung auch bei den künftig hohen fünfstelligen täglichen Infektionszahlen durchgezogen werden können.