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Kommentar zur Sunrise-ÜbernahmeDie Kunden haben das Nachsehen

Beim zweiten Anlauf dürfte es klappen und zur Fusion zwischen UPC und Sunrise kommen. Der neue Anbieter wird es vermeiden, als Preisbrecher aufzutreten.

Die Übernahme von Sunrise durch UPC kostet mehr als der geplatzte Kauf von UPC durch Sunrise.
Die Übernahme von Sunrise durch UPC kostet mehr als der geplatzte Kauf von UPC durch Sunrise.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Neun Monate nach der gescheiterten Übernahme von UPC durch Sunrise unternehmen beide Telecomanbieter einen zweiten Anlauf: Dieses Mal soll die UPC-Muttergesellschaft Liberty Global Sunrise kaufen (zum Bericht).

Den Kunden, Mitarbeitern und Aktionären preisen beide Unternehmen den Deal genau gleich an wie beim ersten Übernahmeversuch. Gemeinsam seien UPC und Sunrise gross und stark genug, um den unangefochtenen Marktführer Swisscom ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Damit suggerieren UPC und Sunrise, dass sie mit vereinten Kräften den Wettbewerb gegen die Swisscom verschärfen werden. Wer aber sinkende Preise erwartet, der hofft vergeblich. Aus volkswirtschaftlicher Sicht würden zwei Anbieter verschwinden und dafür ein neuer starker Betreiber entstehen. Es gäbe also weniger Konkurrenz.

Wahrscheinlicher ist, dass mit der Swisscom und dem neuen Anbieter de facto ein teures Duopol entsteht.

Wahrscheinlicher ist deshalb, dass mit der Swisscom und dem neuen Anbieter de facto ein teures Duopol entsteht – zwei grosse Betriebe teilen sich den Schweizer Markt ohne grossen Preiswettbewerb unter sich auf. Die Konsumenten kennen das vom Detailhandel mit der Migros und Coop.

Der Grund ist, dass die Übernahme von Sunrise durch die UPC-Muttergesellschaft mehr kostet als der geplatzte Kauf von UPC durch Sunrise. Liberty Global ist bereit, für das Geschäft 6,8 Milliarden Franken auszugeben. Damit sollen vor allem die Sunrise-Grossaktionäre wie der deutsche Mobilfunkanbieter Freenet überzeugt werden.

Zum Vergleich: Sunrise wollte für den Kauf von UPC 6,3 Milliarden Franken aufwerfen. Der aktuelle Deal ist also teurer, deshalb dürfte der neue Telecombetreiber nicht als Preisbrecher auftreten.

Das letzte Wort haben die Wettbewerbshüter. Sie müssen entscheiden, ob sie ein Duopol in Kauf nehmen oder es mit den vier grossen Anbietern Swisscom, Sunrise, UPC und Salt doch bei mehr Konkurrenz belassen. Die Entscheide der Vergangenheit deuten darauf hin, dass sich die Eidgenössische Wettbewerbskommission eher für einen starken Mitbewerber für die Swisscom aussprechen wird.

17 Kommentare
    Peter S

    Wenn man Umsatz und Kaufpreis in den beiden Deals in Relation setzt dann ist dieser Deal einiges günstiger und sinnvoller. Freenet hat sich ja vor allem gegen den Deal gestemmt weil sie den Preis für UPC als viel zu hoch ansah und somit Sunrise ihr Aktienkapital massiv erhöhen hätte müssen.