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Lockerung hat nicht geklappt«Die Leute kommen, um einen spassigen Tag zu haben»

In Australien müssen Strände wegen fehlender Disziplin wieder dichtgemacht werden. Auch Kalifornien erlebt einen Ansturm auf Strände. Und in Schweden gehen Restaurants nach Corona-Verfehlungen zu.

Joggen und Schwimmen erlaubt: Im australischen Vorort Randwick wurden letzte Woche drei Strände für sportliche Aktivitäten freigegeben.
Joggen und Schwimmen erlaubt: Im australischen Vorort Randwick wurden letzte Woche drei Strände für sportliche Aktivitäten freigegeben.
Foto: Keystone
Während sich einige an die sportlichen Vorgaben hielten, kamen andere, um Spass zu haben, wie ein Sprecher der Stadt sagte.
Während sich einige an die sportlichen Vorgaben hielten, kamen andere, um Spass zu haben, wie ein Sprecher der Stadt sagte.
KEYSTONE
Der berühmte Bondi Beach in Sydney ist derzeit noch geschlossen. Zusammen mit dem benachbarten Bronte Beach soll er aber trotz der schlechten Erfahrungen in Randwick ab diesem Dienstag geöffnet werden – aber nur für sportliche Aktivitäten.
Der berühmte Bondi Beach in Sydney ist derzeit noch geschlossen. Zusammen mit dem benachbarten Bronte Beach soll er aber trotz der schlechten Erfahrungen in Randwick ab diesem Dienstag geöffnet werden – aber nur für sportliche Aktivitäten.
KEYSTONE
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Es war einen Versuch wert: Randwick, ein Vorort der australischen Küstenmetropole Sydney, hat letzten Montag drei Strände wieder geöffnet. Wenige Tage später wurden sie wegen fehlender Disziplin der Besucher wieder dichtgemacht. Die Stadtverwaltung hatte nur Sport am Strand erlaubt und verboten, dass sich mehr als zwei Menschen versammeln. Aber das klappte nicht. «Wir wollen sie für Sport offen halten, aber das geht nicht, wenn die Leute herkommen, um einen spassigen Tag zu haben», sagte ein Sprecher der Stadt der australischen Nachrichtenagentur AAP.

Rettungsschwimmer und Ranger waren demnach am Wasser unterwegs, um die Leute zu vertreiben. Am Wochenende öffneten die Strände wieder, für jeweils drei Stunden, morgens von 6 bis 9 Uhr. Der Bürgermeister von Randwick, Danny Said, warnte, die Strände würden wieder geschlossen, falls die Abstandsregeln nicht eingehalten würden. Den Besuchern sei nur kurzes Schwimmen, Surfen oder Laufen gestattet, dann sollen sie wieder nach Hause.

Ab Dienstag will auch Sydney seine Stadtstrände Bondi und Bronte für Sportler öffnen. Nach den Erfahrungen aus den Vororten allerdings nicht die gesamte Fläche, sondern nur abgesperrte Bereiche, in denen sich nur Schimmer oder Jogger aufhalten sollen.

Auf den australischen News-Seiten teilen sich die Kommentare über das missglückte Experiment. Einige meinen, das komme halt davon, wenn man die Leute wochenlang einsperre, andere mahnen, dass dies zeige, dass es keine gute Idee sei, zu viel zu öffnen, weil einige sich nicht an die Regeln hielten und die Sache für alle anderen ruinieren würden.

Floridas Strand-Spaziergänger

Für die Überlegungen, Strandferien in Europa im Sommer wieder zu erlauben, bedeutet das Beispiel aus Australien auf alle Fälle nichts Gutes. Auch von der Ostküste der USA gab es letzte Woche abschreckende Bilder, als in Florida die Menschen in Scharen an wieder geöffneten Strände spazieren gingen.

Bei Jacksonville wurde der Strand schon am vorletzten Wochenende für Spaziergänger und Sportler freigegeben.
Bei Jacksonville wurde der Strand schon am vorletzten Wochenende für Spaziergänger und Sportler freigegeben.
Foto: Reuters
Die Strände wurden daraufhin regelrecht überrannt, was viele Kritiker hervorrief, die eine zweite Welle und damit weitere Einschränkungen befürchten.
Die Strände wurden daraufhin regelrecht überrannt, was viele Kritiker hervorrief, die eine zweite Welle und damit weitere Einschränkungen befürchten.
REUTERS
Auf sozialen Medien verbreiteten Kritiker der Strandöffnung den Hashtag #FloridaMorons, übersetzt: Florida-Idioten.
Auf sozialen Medien verbreiteten Kritiker der Strandöffnung den Hashtag #FloridaMorons, übersetzt: Florida-Idioten.
REUTERS
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Den Test, ob sich die Leute am Strand an die Abstandsregeln halten können, haben letztes Wochenende auch einige Bezirke in Kalifornien gewagt. Der Bundesstaat kämpft mit einer Hitzewelle und Temperaturen von rund 33 Grad, weshalb Ventura und Orange County ihre Strände öffneten, um der Bevölkerung etwas Abkühlung zu ermöglichen. Die beiden Bezirke grenzen nördlich und südlich an Los Angeles, wo die Strandabschnitte allerdings noch geschlossen blieben.

Der Bürgermeister von Los Angeles twitterte, dass man nicht den Fortschritt von einem Monat Lockdown an einem Wochenende zunichtemachen wolle. Die Sonne locke zwar nach draussen, man solle aber zu Hause bleiben, um Leben zu retten. Die Strände und Wanderwege würden auch noch da sein, wenn das alles vorbei sei.

Die Behörden der beiden Bezirke Ventura und Orange County berichteten CNN, dass sich die Besucher an die Abstandsregeln hielten und den Anweisungen der Rettungsschwimmer Folge leisteten. Die offenen Strände südlich und nördlich von L.A. lockten demnach vor allem viele Menschen aus der Millionenmetropole an.

Auch die «Los Angeles Times» stellt seinen Lesern ein grösstenteils gutes Zeugnis aus. Das Problem seien demnach aber nicht so sehr die Strände, wo sich die Leute an das Social Distancing hielten, sondern die Parkplätze, wo man sich treffe, miteinander ins Gespräch komme und dabei die Abstände vergesse.

In Kalifornien hielten sich die Menschen nach Angaben der Behörden weitestgehend an die Abstandsregeln beim Strandbesuch.
In Kalifornien hielten sich die Menschen nach Angaben der Behörden weitestgehend an die Abstandsregeln beim Strandbesuch.
Foto: Keystone
Viele Bewohner der Millionenmetropole Los Angeles strömten an die geöffneten Strände in den Bezirken ausserhalb der Stadtgrenzen.
Viele Bewohner der Millionenmetropole Los Angeles strömten an die geöffneten Strände in den Bezirken ausserhalb der Stadtgrenzen.
KEYSTONE
Auch hier hielten sich die Freizeitsportler aber an die geltenden Abstandsvorschriften, wie Behörden berichteten.
Auch hier hielten sich die Freizeitsportler aber an die geltenden Abstandsvorschriften, wie Behörden berichteten.
KEYSTONE
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Alarmstufe Rot herrschte hingegen für die Bewohner in Newport Beach. Das lokale «Orange County Register» berichtet von einem Ansturm wie am Nationalfeiertag, dem 4. Juli. 40’000 Strandgäste sollen letzten Freitag und Samstag in den Küstenort gepilgert sein. Die Bezirksbehörden sprachen auch hier von einem vorbildlichen Verhalten der Menschen, welche die Abstandsregeln weitestgehend einhielten.

Doch Anwohner zeichneten ein anderes Bild von Menschenmassen, die durch ihre Wohnquartiere zum Strand strebten und die Strassen zuparkten. Auch Agenturbilder vom letzten Samstag lassen erahnen, dass die Abstände, in den USA sind 6 Fuss, also knapp 183 Zentimeter, vorgeschrieben, eher knapp eingehalten wurden.

Newport Beach wurde am Wochenende von Besuchern überrannt, Temperaturen von über 32 Grad lockten viele Menschen an den Strand.
Newport Beach wurde am Wochenende von Besuchern überrannt, Temperaturen von über 32 Grad lockten viele Menschen an den Strand.
Foto: Getty Images
Nach dem Ansturm am letzten Wochenende überlegt Newport Beach nun, seine Strände an den nächsten Wochenenden zu sperren.
Nach dem Ansturm am letzten Wochenende überlegt Newport Beach nun, seine Strände an den nächsten Wochenenden zu sperren.
Getty Images
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Der Stadtrat von Newport Beach will auf den Ansturm am letzten Wochenende reagieren. Am Dienstag wird entschieden, ob die Strände des Küstenorts südlich von Los Angeles an den nächsten drei Wochenenden gesperrt werden.

Kalifornien hat bis zum Sonntagabend knapp 44’000 bestätigte Coronavirus-Fälle gemeldet, davon starben 1700. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA hat rund 40 Millionen Einwohner und meldete am letzten Donnerstag mit 115 Todesopfern die höchste Totenzahl an einem Tag. Die Zahl der Krankenhausfälle und Behandlungen auf der Intensivstation sei aber leicht rückläufig.


In den USA stehen in dieser Woche weitere Lockerungen an: In Tennessee dürfen Restaurants unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen. In Texas soll am Donnerstag die Anordnung auslaufen, dass Bürger weitgehend zu Hause bleiben müssen. Die Corona-Beraterin von Präsident Donald Trump, Deborah Birx, machte allerdings deutlich, dass an Normalität noch lange nicht zu denken sei.

Corona-Verfehlungen in Schweden

In Schweden, wo es gar nie einen Lockdown gab, sind wegen Verstosses gegen die Abstandsregeln erste Restaurants durch die Behörden geschlossen worden. Trotz vorheriger Inspektionen und der Möglichkeit zur Korrektur hätten die Betreiber von fünf Lokalen die Vorschriften und Empfehlungen der schwedischen Gesundheitsbehörde zum Kampf gegen die Corona-Verbreitung nicht erfüllt, teilte die Region Stockholm am Sonntagabend mit.

Die Schliessungen hätten vor allem mit dem Gedränge sowohl im Lokal als auch davor zu tun. Die Lage im Gesundheitswesen sei extrem angespannt, weshalb die Ausbreitung des Coronavirus abgebremst werden müsse.

In Schweden feiert man den Schulabschluss auch in Corona-Zeiten ganz traditionell – obwohl auch ohne offiziellen Lockdown eigentlich Abstandsregeln gelten würden.
In Schweden feiert man den Schulabschluss auch in Corona-Zeiten ganz traditionell – obwohl auch ohne offiziellen Lockdown eigentlich Abstandsregeln gelten würden.
Foto: Keystone
Aufgrund von Verfehlungen der Gäste wurden nun in Stockholm erste Restaurants von den Behörden geschlossen.
Aufgrund von Verfehlungen der Gäste wurden nun in Stockholm erste Restaurants von den Behörden geschlossen.
KEYSTONE
Auch an anderen Orten, wie hier an einem Markt in Malmö, werden Abstandsregeln nicht eingehalten.
Auch an anderen Orten, wie hier an einem Markt in Malmö, werden Abstandsregeln nicht eingehalten.
KEYSTONE
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Vor wenigen Tagen hatten die Stadt Stockholm und Schwedens Innenminister Mikael Damberg Restaurants und Cafés bereits mit der Schliessung gedroht, wenn sie nicht für ausreichend Abstand zwischen den Kunden sorgten. Zuvor hatte es immer wieder Berichte über dichtes Gedränge in schwedischen Lokalen gegeben, vor allem in der Hauptstadt Stockholm. Die fünf geschlossenen Restaurants haben nun die Möglichkeit, die Mängel zu beheben und um eine erneute Inspektion zu bitten – oder rechtlich gegen den Beschluss vorzugehen.

In Schweden gelten im Vergleich zu anderen Ländern zwar deutlich freizügigere Massnahmen in der Corona-Krise, weshalb unter anderem Kneipen, Restaurants und Cafés weiter geöffnet sein dürfen. Behörden und Regierung hatten die Lokale aber dringend darauf hingewiesen, dass sie ausreichend Abstand zwischen ihren Gästen gewährleisten und diese nur am Tisch bedienen sollten.

anf/sda/reuters