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Interview zu Long Covid«Die psychischen Störungen nach milden Corona-Infektionen sind auffällig»

Viele Erkrankte klagen noch monatelang über Symptome wie Fatigue, Schlafstörungen oder Atemnot. Der Arzt Gregory Fretz erklärt, wie er Betroffene von Long Covid behandelt.

Das Leiden wegen Corona dauert für manche länger: Bei einer signifikanten Minderheit ziehen sich die wiederkehrenden Symptome in die Länge.
Das Leiden wegen Corona dauert für manche länger: Bei einer signifikanten Minderheit ziehen sich die wiederkehrenden Symptome in die Länge.
Illustration: Kornel Stadler

Die Poliklinik des Kantonsspitals Graubünden bietet seit Jahren eine Sprechstunde für die Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) an, deren Symptome jenen von Long Covid ähneln, jenem Syndrom, das im Anschluss an eine akute Infektion mit Sars-CoV-2 die Betroffenen monatelang an unzähligen, entkräftenden Symptomen leiden lässt. Gregory Fretz, Leiter der Poliklinik, betreut nun im Rahmen der ME/CFS-Sprechstunde auch immer häufiger Long-Covid-Patienten.

Der 20-jährige Ramon C., der bei Ihnen in Behandlung ist, leidet seit über zwei Monaten an Long Covid, ist zu 100 Prozent krankgeschrieben und verbrachte den letzten Monat praktisch nur im Bett. Keiner seiner Gesundheitswerte ist auffällig. Wie kann das sein?

Ich kann das auch nicht erklären, man weiss noch zu wenig über diese Komplikation nach einer Covid-Erkrankung. Wenn Personen über anhaltende Atemnot klagen, schauen wir uns das klinische Bild natürlich an und überprüfen Lunge und Herz. Tatsächlich ist es bei Long Covid häufig so, dass man nichts findet. Doch die Patienten leiden unzweifelhaft an diesen Symptomen, sie sind absolut glaubwürdig. Gerade bei ME/CFS-Patienten beobachten wir oft, dass diese eine regelrechte Odyssee an Arztbesuchen hinter sich haben, weil ihnen oft gesagt wird: «Sie haben nichts!» Aber es stimmt nicht, sie haben eben doch etwas, und man hilft ihnen nur schon damit, indem man sagt: «Wir kennen das.»

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