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Anhaltende TrockenheitDie Stützpunktfeuerwehr Bülach ist neu auch für Waldbrände gerüstet

Das Löschen von Flächen- und Waldbränden erfordert besonderes Wissen und spezielle Gerätschaften. Die Bülacher Feuerwehr hat das jetzt. Und sie stand dieses Jahr bereits bei einem Bodenfeuer im Einsatz.

Waldbrandrechen, Lösch- und Schlauchrucksack: Kommandant Rico Fehr (Mitte) und die beiden Offiziere Ralph Strebel (links) und Ueli Kern sind für allfällige Flächen- und Waldbrände gewappnet.
Waldbrandrechen, Lösch- und Schlauchrucksack: Kommandant Rico Fehr (Mitte) und die beiden Offiziere Ralph Strebel (links) und Ueli Kern sind für allfällige Flächen- und Waldbrände gewappnet.
Foto: Balz Murer

Das Aufgabengebiet der Stützpunktfeuerwehr Bülach ist breit – von der Brandbekämpfung über die Strassenrettung bis hin zu Einsätzen auf Bahnanlagen. Als neu definierter Waldbrandstützpunkt kommt sie nun ebenso bei Flächen- und Waldbränden zum Einsatz. Hierfür wurde die Stützpunktfeuerwehr Bülach zusätzlich ausgebildet und ausgerüstet. Neben Bülach gibt es im Kanton Zürich weitere vier Waldbrandbekämpfungs-Stützpunkte: Affoltern am Albis, Hinwil, Winterthur und Fischenthal. Barbara Greuter, Mediensprecherin bei der Gebäudeversicherung Kanton Zürich, sagt: «Sie kommen primär im ihnen zugeteilten Gebiet zum Einsatz. Sollte bei einem grossen Ereignis die Unterstützung mehrerer Waldbrandstützpunkte erforderlich sein, ist auch ein Einsatz in anderen Kantonsgebieten möglich.»

Das Löschen von Flächen- und Waldbränden erfordert einerseits spezielles Know-how, andererseits spezielle Ausrüstung und Gerätschaften. «Der Kanton Zürich ist im Vergleich zu anderen Kantonen, wie zum Beispiel das Tessin oder Graubünden, weniger von Waldbränden betroffen. Jede Ortsfeuerwehr vollumfänglich mit Spezialequipment auszurüsten und darauf auszubilden, wäre daher weder sinnvoll noch wirtschaftlich», sagt Greuter.

Dünnere und längere Schläuche

Mit einem Flächenbrand ist beispielsweise ein in Flammen stehendes Wiesenbord oder Stoppelfeld gemeint. Von einem Waldbrand spricht man hingegen, wenn ein Feuer in einem bewaldeten Gebiet unkontrolliert ausbricht. Dabei kann es sich um ein Bodenfeuer handeln oder auch um ein Kronenfeuer, das Flammen bis in die Baumspitzen aufweist.

Die Löscharbeiten bei Flächen- und Waldbränden gestalten sich anders als jene bei Hausbränden, da die flächenmässige Ausbreitung in vielen Fällen grösser ist. Barbara Greuter sagt: «Bei Waldbränden ist schnell die Unterstützung von Helikoptern für die Löscharbeiten notwendig, da in den Wäldern keine Löschwasserversorgung verfügbar ist.» Viele Gebiete seien zudem strassentechnisch ungenügend erschlossen und folglich schwierig erreichbar. Weiter gibt es Unterschiede, was das Einsatzmaterial anbelangt. So sind zum Beispiel die Wasserschläuche zur Waldbrandbekämpfung etwas dünner und um einiges länger als Schläuche, die für die Brandbekämpfung bei Gebäuden eingesetzt werden. «Der Grund dafür sind die teils grossen Distanzen vom Wasserbezugsort bis zum Brand.» Sowohl bei Flächen- als auch bei Waldbränden ist eine rasche Intervention der örtlichen Einsatzkräfte wichtig, damit ein Grossereignis verhindert und der Schaden für Mensch, Umwelt und Infrastrukturen möglichst klein gehalten werden kann.

Löscheinsatz im Bülacher Wald

Am 8. April galt es für die Stützpunktfeuerwehr Bülach bereits ernst. Kurz vor 15 Uhr wurde die Stützpunktfeuerwehr Bülach aufgrund eines Brandes im Raum Lochacher/Dättenberg alarmiert. Der Kommunikationsverantwortliche Boris Rauscher sagt: «Die ausgerückten Einsatzkräfte stellten ein Bodenfeuer im Wald fest und begannen unmittelbar mit den Löscharbeiten. Die Stützpunktfeuerwehr Bülach stand mit mehreren Einsatzfahrzeugen und rund 30 Feuerwehrleuten im Einsatz. Dieser dauerte mehrere Stunden.»

Insgesamt brannte eine Fläche von rund einer Hektare, was ein bisschen mehr als der Fläche eines Fussballfelds entspricht. «Nach erfolgreicher Eingrenzung des Brandes wurden Glutnester in Baumstrünken und Wurzelbereichen gezielt abgelöscht. Um ein Wiederentfachen des Feuers zu verhindern, wurde die Brandfläche aufgrund der trockenen Witterung intensiv gewässert», erklärt Rauscher. Für die Sicherstellung der Löschwasserversorgung musste die Stützpunktfeuerwehr Bülach rund 1200 Meter Schlauchleitungen verlegen.

Im Raum Lochacher/Dättenberg kam es am 8. April zu einem Flächenbrand.
Im Raum Lochacher/Dättenberg kam es am 8. April zu einem Flächenbrand.
Foto: Stützpunktfeuerwehr Bülach

Waldbrandgefahr bereits als «gross» eingestuft

Aufgrund der Trockenheit in den vergangenen Woche wurde die Waldbrandgefahr am 23. April bereits auf Stufe 4 und somit «gross» gesetzt. Heisst: Im Wald und bis 50 Meter vom Wald entfernt ist es verboten, Feuer zu entfachen sowie brennendes oder glühendes Material wegzuwerfen – wie zum Beispiel Zigaretten oder Zündhölzer. Dieses Verbot gilt auch für befestigte, offizielle Feuerstellen, Feuerstellen in und um Waldhütten sowie für Holzkohlefeuer und -grills. Vom Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe ausgenommen sind Gas- und Elektrogrills, sofern sie mit der nötigen Sorgfalt verwendet werden.

Wolfgang Bollack, Mediensprecher bei der Baudirektion des Kantons Zürich, sagt: «Eine erhöhte Waldbrandgefahr im Frühjahr ist nicht neu.» Dem Thema werde heute aber wohl sowohl seitens der Behörden als auch seitens der Medien grössere Aufmerksamkeit geschenkt als früher. Wie viel Regen es braucht, bis die Gefahrenstufe wieder heruntergesetzt werden kann, ist laut Bollack schwierig zu sagen: «Das hängt von verschiedenen Parametern wie dem konkreten Ort, vom Zustand der Vegetation, von Regenmengen, Temperatur, Sonneneinstrahlung und Windverhältnissen ab.» Einzelne starke Gewitter würden noch nicht ausreichen, zumal Gewitter oft sehr lokal seien und die damit einhergehenden Regenmengen somit nicht im ganzen Kantonsgebiet gleich intensiv ausfallen würden.