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Wiederöffnung von Restaurants und Läden Die Trennwand ist ihr Geschäft

Trennwände aus Plexiglas, Stoff oder Holz sollen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Das führt zu einem Boom bei Messebaufirmen. Sie erstellen nun Konzepte für Restaurants, Casinos und Fussballstadien. Doch langsam wird das Material knapp.

Schutzkonzept mit integrierten Plexiglasscheiben für das Restaurant einer Kartbahn.
Schutzkonzept mit integrierten Plexiglasscheiben für das Restaurant einer Kartbahn.
Foto: Restaurant Kartbahn, Wohlen

Zuerst waren sie nur an der Supermarktkasse. Doch mit der Wiederöffnung von Restaurants und Läden spielen sie eine zentrale Rolle, um eine Weiterverbreitung des Coronavirus zu verhindern: Trennwände. Egal, ob aus Plexiglas, Holz, Stoff oder Karton, die Raumteiler sind im Moment der Renner. Das führt zu einer starken Nachfrage bei Messebaufirmen, deren angestammtes Geschäft mit dem Verbot von Grossveranstaltungen praktisch über Nacht zum Erliegen kam. Viele von ihnen haben daher umgerüstet.

Statt riesige Messehallen gestalten sie nun Raumkonzepte für Restaurants, Fussballstadien, Museen und Casinos. «Wir haben innerhalb von einer Woche verschiedene Schutzkonzepte entwickelt», sagt Marketingleiterin Diane Simeone von der Firma Schweizermessebau. Die entsprechenden Materialien habe das Unternehmen auf Lager. «Es scheint für viele so, als ob wir das aus dem Boden gestampft hätten. Aber modulare Trennwände sind unser Kerngeschäft und nichts Neues», sagt Simeone.

Die Anfragen kommen aus allen Branchen. Viele Kunden wünschen sich ein Schutzkonzept, das nicht nur die Richtlinien erfüllt, sondern auch Mehrwert durch eine Inszenierung bietet. Jüngst habe man etwa das Restaurant einer Kartbahn mit passend bedruckten Trennwänden ausgerüstet – in Form von Rennboxen.

Das Geschäft mit den Schutzwänden hilft nicht nur den Kunden, sondern auch der Firma selbst. Wegen des Veranstaltungsverbots in der Corona-Krise habe Schweizermessebau Kurzarbeit eingeführt. Nun könne das Unternehmen den Betrieb zumindest zu einem kleinen Teil wieder hochfahren, auch wenn das bei weitem nicht ausreiche, um die Einbussen durch den Wegfall der Messen zu kompensieren, sagt Simeone.

Plexiglas ist praktisch ausverkauft

Aber nicht alle Läden und Restaurants setzen auf ein Schutzkonzept vom professionellen Messebauer. Viele geben sich mit einer Plexiglaswand oder einer ausziehbaren Plastikfolie zufrieden. Doch selbst diese sind im Moment nicht einfach zu bekommen. «Plexiglas ist in ganz Europa fast ausverkauft», sagt Arthur Staubli. Er ist Geschäftsführer der Messebaufirma Ast Display & Design. Bereits vor einigen Wochen hat er mit dem Verkauf von Trennwänden aus Plexiglas begonnen – dem sogenannten Spuckschutz.

Mittlerweile erhalte er über seine Website Anfragen von Pfarrämtern, Schulen, Gemeindehäusern, Garagen und Fitnesscentern. Er könne nur noch deshalb liefern, weil er vorsorglich eingekauft habe. «Ich kaufe in ganz Europa Material ein. Ich habe nicht erwartet, dass es so einen Boom gibt. Das ist Wahnsinn.»

Problematisch sei vor allem, dass Plexiglas nicht in der Schweiz hergestellt werde, sagt Norbert Caviezel. Seine Firma Neoplex ist auf die Verarbeitung des Kunststoffs spezialisiert und beliefert normalerweise die verschiedensten Unternehmen mit Plexiglasartikeln. «Wir bekommen nicht mehr genügend Material», sagt er. Die Kunststoffplatten kommen aus Deutschland, Spanien, Italien, Belgien oder Skandinavien und werden derzeit dort selbst gebraucht. Durch die Knappheit liege der Preis für Plexiglas 10 bis 20 Prozent über dem Normalpreis, sagt Caviezel.

Plexiglas wird knapp: Mitarbeiter installieren eine Trennwand in einer Manor-Filiale in Lausanne.
Plexiglas wird knapp: Mitarbeiter installieren eine Trennwand in einer Manor-Filiale in Lausanne.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Ein wichtiger Lieferant ist die weltweit tätige Firma Röhm mit Sitz in Deutschland. Dort müssen die Kunden derzeit mit Lieferfristen von zweieinhalb bis drei Monaten rechnen, bevor sie die transparenten Kunststoffplatten erhalten – obwohl das Unternehmen die Produktion wegen der ungebrochen starken Nachfrage «drastisch hochgefahren» hat, wie eine Sprecherin erklärt.

Die Detailhändler waren also noch früh genug dran, um genügend Trennwände zu bekommen. Die Migros habe aber das Plexiglas von mindestens sieben verschiedenen Lieferanten bezogen, weil keine Firma genügend auf Lager gehabt habe, um das gesamte Unternehmen auszurüsten, erklärt ein Sprecher. Coop konnte hingegen auf einen eigenen Bestand zurückgreifen. Das Material sei bereits in den Verkaufsstellen vorhanden gewesen, sagt ein Sprecher.

Lokale Handwerker und Importeure profitieren

Grund für die starke Nachfrage ist, dass die Plexiglasscheiben in den Schutzkonzepten vieler Branchen enthalten sind. Sie wurden von den jeweiligen Branchenverbänden ausgearbeitet und dienen als Leitfaden für Restaurants und Betriebe bei der Wiederöffnung. Wer beispielsweise im Restaurant Trennwände anbringt, kann mehr Gäste bedienen, weil dann der erforderliche Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Sitzgruppen entfällt.

Die Branchenverbände Gastro Suisse und Hotelleriesuisse vermitteln ihren Mitgliedern daher die Kontakte zu Herstellern. Und dabei sind nicht nur grosse Anbieter im Spiel: Das lokale Gewerbe sei dabei sehr aktiv, erklärt die Hotelleriesuisse.

Von dem Boom profitieren gewiefte Einkäufer wie Werner Tholen. Er importiert eigentlich Hollandvelos aus den Niederlanden. Doch angesichts der Krise hat er seine Aktivitäten ausgeweitet und importiert nun auch ausrollbare Schutzwände mit transparenter Folie – ebenfalls aus Holland. Der Verkauf läuft über eine eigens dafür gestaltete Website. «Wir haben das aufgrund der Situation gemacht. Es läuft sehr gut», sagt er.