Niederweningen

Das Wissen von 500'000 Jahren ­ wird auf modernen Bildstationen sichtbar

Zum zehnjährigen Bestehen des Mammutmuseums gibt es verschiedene interaktive Neuerungen. Sie bieten ­ergänzende Informationen ­ zu der bereits bestehenden ­Ausstellung.

Das Mammut an der Wand überwacht, wie Rudolf Hauser, Präsident Förderverein, Felix Wittwer, Präsident ­Stiftung Mammutmuseum, und Heinz Furrer, wissenschaftlicher Berater (von links), die Funktionen eines der neuen interaktiven Touch­screens erklären.

Das Mammut an der Wand überwacht, wie Rudolf Hauser, Präsident Förderverein, Felix Wittwer, Präsident ­Stiftung Mammutmuseum, und Heinz Furrer, wissenschaftlicher Berater (von links), die Funktionen eines der neuen interaktiven Touch­screens erklären. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mehr als 41 000 Besucherinnen und Besucher haben in den vergangenen zehn Jahren die Ausstellung im Mammutmuseum ­ in Nie­der­wenin­gen auf sich ­wirken lassen. Ein imposantes Ske­lett und die nachgestellte Aus­grabungs­stätte des Fundes in der Baugrube Murzelstrasse von 2003 fallen sofort auf. Dieser Fund war der Grund für den Bau des Museums. Das grosse Wandbild zeigt, wie das Wehntal vor 45 000 Jahren ausgesehen hat – mit einem dieser riesigen Urviecher im Zen­trum. «Es sind zu einem Drit­tel Schul­klassen, die das Museum ­besuchen, ein weiteres Drittel machen die Gruppen von Erwachsenen aus, der Rest sind Einzelpersonen und Familien», sagte ­Rudolf Hauser, Präsident des Förder­vereins, anlässlich der gestrigen Medien­orientierung. «Die ers­ten Mammutknochen waren hier 1890/91 gefunden worden.» Bei den Ausgrabungen 2003 und 2004 kamen weitere Überreste zum Vorschein. Aufgrund dieses Materials lässt sich die Naturgeschichte aufarbeiten. Sie ist ein wichtiger Teil im Museum; der an­dere Teil befasst sich mit der Kulturgeschichte. Mit verschiedenartigen Untersuchungen im ehemaligen Gletschersee des Wehntals ist es gelungen, die Klimageschichte und Landschaftsentwicklung der letzten 500 000 Jahre zu rekons­truieren und in naturnahen Bildern darzustellen.

Mammutherde ­ stampft über eine Eisfläche

Neu sind zum Beispiel zwei Videostationen mit Filmausschnitten aus den beiden DVDs, die im Museums­shop erhältlich sind. In «Giganten der Eiszeit» sind Szenen mit Mammuten samt ihrem Gebrüll, das furchteinflössend durch das Museum hallt, dargestellt. Bei der Station «Erben der Saurier» wird unter anderem ­gezeigt, wie ein Mammut im Eis ein­bricht. Diese Animation wirkt so echt, als stampfe tatsächlich eine Herde zotteliger Vorfahren der heute bekannten Elefanten mit langen gebogenen Stosszähnen über eisigen Untergrund. Und plötzlich sinkt ein Tier ein, bleibt stecken und kann sich nicht mehr befreien. «Ähnliches könnte auch im Wehntal passiert sein», erklärte Heinz Furrer, wissenschaft­licher Berater der Ausstellung ­ im Museum. «Die Knochen im Wehn­tal haben wir in einer Torfschicht gefunden. Das deutet dar­auf hin, dass das Mammut seinerzeit im Sumpf versunken ist.»

Das Museum bietet jetzt ins­gesamt sieben Bildstationen ­ mit Touch­screen­monitoren. Die Fotos sind mit Kurztexten ergänzt und nehmen die Themen der Ausstellung auf. Sie sind aufgeteilt ­ in die Kapitel Mammutfunde, Zeugen der Eiszeit, Wollhaarmammut, Funde von 2003 und 2004, Mensch und Mammut, ­Funde aus der Molasse und ­Funde aus dem Jurameer. Rudolf Hauser zeigte am Beispiel des Themas Mensch und Mammut, wie die Präsentation funktioniert. In ­ vier Abschnitten wird dargestellt, dass sich Steinzeitmenschen und Mammute wohl begegnet sind. «Höhlenmalereien dokumen­tie­ren das Vorkommen dieser Tiere zu jener Zeit.» Auch Skulpturen wurden gefunden sowie Schmuck aus Mammutelfenbein. «Ob sich die Szenen wie im Beitrag ‹Jagd ­ auf Mammute› genau so abgespielt haben, wissen wir zwar nicht, aber ­es könnte durchaus so gewesen sein», sagte er.

Als Frage- und Lernspiel wird die neue Quizstation bezeichnet. «Nur wer das Ziel erreicht, darf das Museum wieder verlassen», sagte Rudolf Hauser scher­zend. Die Besucher können ihr Wissen einzeln oder zu zweit testen und zwischen leichten, mittleren und schwierigen Fragen wählen. Wer sich vorher aufmerksam umge­sehen hat, sollte keine Pro­bleme haben mit den Antworten.

Museum ist auch ­international bekannt

Niederweningen ist die reich­haltigste Mammutfundstätte der Schweiz. Dank der Ausstellung ­ im Museum und der ständigen Neuerungen mit technischen Mitteln ist es auch international von Bedeutung, wie Felix Wittwer, Präsident Stiftung Mammutmuseum, versicherte. Er wies dar­auf hin, dass ein Team von rund 35 ehren­amtlich tätigen Mitarbeitenden für den Betrieb sorgt. Das Museum finanziert sich vor allem aus Beiträgen von Sponsoren, die Eintritte, die mit 5 Franken pro Per­son moderat gehalten sind, und dem Erlös aus dem Verkauf der Artikel, die im Shop angeboten werden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 01.10.2015, 08:46 Uhr

Zehn Jahre Mammutmuseum

Am kommenden Samstag, 3., und Sonntag, 4. Oktober, ist das Mammutmuseum in Nieder­wenin­gen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. ­ Alle Neuerungen sind ab diesen beiden Tagen in Betrieb und können ausprobiert werden. An einem Verpflegungsstand werden Erfrischungen angeboten. Jeder Besucher bekommt ein kleines Jubiläumsgeschenk. Weitere Informationen auf www.mammutmuseum.ch. bag

Artikel zum Thema

Mammutstosszahn im Kanton Zug entdeckt

Bei Zuger Archäologen herrscht grosse Freude: Bei Bauarbeiten für ein neues Bürogebäude in Rotkreuz ZG stiessen Arbeiter auf einen Mammutstosszahn und Knochen, die ebenfalls von einem Mammut stammen dürften. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.