Frauenstreik

Der Streik reicht bis vors Frauengefängnis

Erstmals seit 1991 streikten gestern Frauen überall in der Schweiz. Im Unterland forderten sie beispielsweise vor dem Gefängnis Dielsdorf bessere Haftbedingungen.

Mit Transparenten machten sich die Demonstrantinnen beim Gefängnis Dielsdorf für Solidarität mit den Gefangenen stark.
Video: Alexander Lanner

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Frauen im ganzen Land gingen am gestrigen nationalen Frauenstreiktag auf die Strasse. In Bern legten Nationalrätinnen um 11 Uhr eine Streikpause ein. In Zürich wurden wichtige Verkehrsknotenpunke wie das Central lahmgelegt. Auch im Unterland kam es zu Streikaktionen.

Vor dem Gefängnis in Dielsdorf, das mit insgesamt 55 Plätzen auf die Unterbringung von Frauen spezialisiert ist, fuhren kurz nach 10 Uhr knapp 50 Frauen im Autokorso vor. Während die meisten Teilnehmerinnen aus der näheren Umgebung stammten, reisten andere aus Bern oder Deutschland an. Hupend und mit der Sirene aus dem Megafon blieb ihr Kommen von niemandem in der Gemeinde unbemerkt.

Baskische Aktivisten als Sprachrohr der Gefangenen

Zu den lauten Tönen von Trommeln und Pfeifen sowie Pfannendeckeln als Tschinellen wurden Transparente ausgerollt. Darauf konnte man lesen: «Wir sind nicht alle, es fehlen die Gefangenen» oder «Solidarität ist unsere Waffe». Einige Rednerinnen, darunter die baskischen Aktivistin Nekane Txapartegi, die fast siebzehn Monate in Schweizer Auslieferungshaft sass, machten auf ihr Anliegen aufmerksam. «Ich war selber vor zwei Jahren in diesem Gefängnis. Die Frauen dort drin haben keine Möglichkeit, am Streik teilzunehmen, also bringen wir den Streik zu ihnen», erklärte die Baskin. In dieser Hinsicht verfehlte die Aktion ihre Wirkung nicht: An den Fenster der Haftanstalt zeigten sich einige der gefangenen Frauen.

Auf dem Weg nach Zürich einen Kreisel blockiert

Konkret prangerte Txapartegi an, dass «staatliche Institutionen mit patriarchalischen Strukturen wie Gefängnisse oder Asylunterkünfte uns unterdrücken.» Es könne nicht sein, dass diese Frauen auch heute noch mit Sexismus konfrontiert seien. Als Beispiel nannte sie, dass weibliche Gefangene für notwendige Hygieneprodukte wie Binden und Tampons selber aufkommen müssen. Insgesamt müsse der Alltag dieser Frauen verbessert werden.

Nach dem unüberhörbaren Auftritt brach der Tross auf nach Zürich. Als kleines Intermezzo legte der Konvoi aber noch für einige Minuten den Verkehr an einem Kreisel lahm. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.06.2019, 16:54 Uhr

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