Niederweningen

«Der Umgang mit Mitarbeitern ist von höchster Bedeutung»

Im April 2016 löst Jacques Sanche bei Bucher Industries in Niederweningen Philipp Mosimann als CEO ab. Im Interview erklärt er, wieso er der Zufriedenheit der Mitarbeitenden höchste Priorität einräumt.

Im April 2016 nimmt bei Bucher Industries in Niederweningen der neue CEO Jacques Sanche seine Arbeit auf.

Im April 2016 nimmt bei Bucher Industries in Niederweningen der neue CEO Jacques Sanche seine Arbeit auf. Bild: Archiv

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Sie verlassen Belimo im September und werden im Dezember als designierter CEO bei ­Bucher beginnen. Was werden Sie in der Zwischenzeit tun?
Jacques Sanche: Meine Familie und ich fliegen für fünf Wochen nach Australien. Einen Teil davon verbringen wir in der Wildnis, einen anderen beim Segeln.

Beides ist zwar ein Privileg, aber man könnte sich die ­Ferien eines CEO gediegener vorstellen.
Ich bewege mich gerne draussen in den Elementen. Ich mag Action und Abenteuer. Es ist vielleicht typisch, dass man das als Manager sucht, weil man sich dabei mit jeder ungewohnten Si­tua­tion zurechtfinden muss. Management ist ähnlich. Mit der Ungewissheit umzugehen, hat viel mit meinem Beruf zu tun.

Die Ungewissheit wiederum hat viel mit politischen Entscheiden zu tun, die Manager in der Regel nicht mitprägen.
Die Wirtschaft und die Politik haben sich auseinandergelebt. Zum einen nehmen sich nur noch wenige Unternehmer die Zeit für ein politisches Amt. Zum anderen haben Manager durch die Diskussion um Boni und Bankenkrise an Glaubwürdigkeit bei der Wählerschaft eingebüsst – teilweise begründet. Und so werden Unternehmen immer mehr zum Spielball politischer Entwicklungen. Das schwächt den Standort Schweiz.

Sie haben sich immer um Nähe zu allen Mitarbeitenden bemüht. Haben diese Bemühungen Früchte getragen?
Wie man als Unternehmen mit Mitarbeitern umgeht, ist von höchster Bedeutung. Wir führen bei Belimo alle drei Jahre eine Mitarbeiterumfrage durch. Dabei erzielen wir sehr gute Ergebnisse. Allein die Tatsache, dass bei der letzten Umfrage 88 Prozent geantwortet haben, ist erstaunlich. In diesem Punkt konnte ich viel im Unternehmen verändern. Unsere Mitarbeitenden haben uns in der Umfrage auch deshalb so hoch bewertet, weil wir in der Konzernleitung wichtige Themen wie Werte mit ihnen in Workshops weltweit besprechen.

Wie wirken sich die Umfragen auf das Unternehmen aus?
Wir haben im Rahmen der letzten Umfrage 160 Verbesserungsmassnahmen identifiziert. Auch das gehört zu einem guten Umgang. Wir wollen Mitarbeitenden zeigen, dass sie Einfluss haben und das Unternehmen ihnen Wertschätzung entgegenbringt. Beides gemeinsam ist der wichtigste Motivator im Arbeitsleben eines Menschen.

Welchen Einfluss hat das Arbeitsklima grundsätzlich auf den Erfolg einer Firma?
Einen sehr grossen. Wir verbringen schliesslich mindestens die Hälfte unserer bewussten Lebenszeit, unserer Wachzeit, am Arbeitsplatz. Deshalb legen wir bei Belimo grossen Wert darauf, dass Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind. Zum Beispiel haben wir in den Produktionsteams Workshops mit Psychologen durchgeführt und festgelegt, welches Verhalten innerhalb ihres Kreises, das kontinuierlich zu Spannungen führt, vermieden werden kann.

Zahlt sich eine Führung nach ethischen Überlegungen aus?
Langfristig zahlt sich das aus. Wenn Philosophie und Werte einer Firma stimmen, wenn Mitarbeitende ihre Arbeit schätzen und sich einbringen, führt das zu einem Wettbewerbsvorteil. In einem Unternehmen laufen so viele Prozesse gleichzeitig ab, man kann als Manager gar nicht alles bestimmen. Unsere Mitarbeitenden denken mit. Sie leisten beispielsweise täglich ihren Beitrag zur Senkung der Herstellkosten von Antrieben.

Wie ist die Verfassung von Belimo denn zurzeit?
Die Profitabilität ist auf gutem Niveau, leidet aber spürbar unter dem starken Franken. Unsere Ebit-Marge sinkt vor diesem Hintergrund von zuletzt 16,5 auf 14 Prozent. Als ich 2007 meine Stelle bei Belimo antrat, erhielten wir für einen Euro noch 1.60 Schweizer Franken. Seitdem mussten wir die Produktion komplett umstellen, um den Effizienzanforderungen gerecht zu werden. Wir haben mit jeder Neuentwicklung Teile vereinfacht, Module wieder verwendet und gewisse Montageschritte automatisiert. Verglichen mit damals, brauchen wir für die Herstellung eines Antriebs heute nur noch etwa die Hälfte der personellen Ressourcen. Und genau deshalb waren wir auch erfolgreich, konnten wachsen und in Hinwil in meinen acht Jahren sogar rund 150 Arbeitsplätze aufbauen. Wir werden weiter Effizienzsteigerungen realisieren, um wieder den gewohnten Gewinn zu erzielen.

Unternehmen versuchen, durch Automatisierung den Standort Schweiz zu retten.
Man braucht Stückzahlen in der nötigen Höhe, damit man automatisieren kann. Bei Belimo sind wir dazu in der Lage, denn wir fertigen heute in Hinwil täglich 21 000 Antriebe. Die Maschinen müssen ausgelastet sein, und es braucht das nötige Know-how, sonst macht die Automatisierung keinen Sinn. Der Vorteil der Automatisierung ist, dass das Know-how hier in der Schweiz bleibt.

Kann sie Arbeitsplätze retten?
Das kann man nicht generalisieren. Schliesslich lassen sich nur bestimmte, meist repetitive Arbeitsschritte automatisieren. Bei geringen Stückzahlen oder zyklischer Nachfrage bleibt oft nur noch die Verlagerung ins Ausland als Ausweg.

Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen die Franken­stärke nutzen, um Gewinne zu optimieren.
Ein Teil des Gewinns fliesst natürlich auch bei Belimo zurück ins Aktionariat. Ein guter Teil fliesst aber auch in die Forschung und Entwicklung. Wir sind permanent daran, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Und die Entwicklungspipeline von Belimo ist voll. Die Effizienz, die wir gewinnen, müssen wir in Innovation investieren. Und so haben wir unser Entwicklungsbudget in meinen letzten acht Jahren um über 50 Prozent gesteigert. Wir haben zum Beispiel einen Antrieb für den Brandschutz entwickelt, dessen Gehäuse nicht aus Metall, sondern aus einem speziellen Kunststoff gefertigt ist.

Schweizer Produkte wie die­jenigen von Belimo sind kostspieliger in der Anschaffung als die der Mitbewerber. Den Preis durch Qualität zu rechtfertigen, dürfte grosse Anstrengungen voraussetzen.
Wir arbeiten stetig daran, Immobilieninvestoren und Planern die Vorteile unserer Lösungen zu erklären. In Europa und Amerika sind wir damit sehr weit, in Asien noch im Aufbau. Die Krux ist, dass es immer wieder Investitionen in Gebäude gibt, die dar­auf abzielen, diese Gebäude dank möglichst geringen Investitionen mit grossem Gewinn weiterzuverkaufen.

Wie ist die Akzeptanz in den grossen Wachstumsmärkten?
Die Akzeptanz in Asien ist noch nicht dort, wo wir sie haben möchten. Aber irgendwann werden Nutzer und Bauherren dort höhere Ansprüche an die Haustechnik haben als heute. In China ist ein Trend zur Nachhaltigkeit oder Ener­gie­­effizienz erkennbar. Die Antikorruptionskampagnen der Regierung hemmen aber vorerst die Vergabe von öffentlichen Grossprojekten. Auch in Russland steht vieles still. Diese Märkte unterliegen der Blasenbildung. Das Wachstum kann schlagartig zusammenfallen, und wir sind gefordert, Kosten und Kapazitäten anzupassen. (ZO/AvU)

Erstellt: 02.07.2015, 16:40 Uhr

Der Schweiz-Kanadier Jacques Sanche beginnt im Dezember bei Bucher Industries in Niederweningen und wird ab April 2016 der neue CEO sein. (Bild: pd)

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