Boppelsen

Ein Bopplisser in New York

Der Kunstmaler Paul Hählen hat gerade einige seiner Werke auf die Reise nach New York geschickt. In der Agora Gallery im Stadtteil Chelsea kann man diese in einer Ausstellung bewundern.

Der 94-jährige Kunstmaler Paul Hählen mit einem Selbstbildnis in seinem Atelier in Boppelsen.

Der 94-jährige Kunstmaler Paul Hählen mit einem Selbstbildnis in seinem Atelier in Boppelsen. Bild: Madeleine Schoder

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Gibt man im Lexikon zur Kunst des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft (SIK) den Namen Paul Hählen ein, so erscheint ein Eintrag mit Stern. Der 94-jährige Bopplisser gehört immerhin zu den 50 Prozent der Schweizer Kunstschaffenden, deren Gesamtwerk lokale Bekanntheit erlangt hat. Und weil das Lexikon der SIK übers Internet weltweite Beachtung findet, wurde man in der Agora Gallery in New York auf den Schweizer Künstler aufmerksam. Die Galerie hat es sich auf die Fahne geschrieben, erstklassige zeitgenössische Werke zu präsentieren. Und so fragte man den Bopplisser an, ob er nicht Lust habe, im Rahmen der Ausstellung «Portal of Enigma» mit einigen seiner Werke präsent zu sein. Paul Hählens lokale Bekanntheit scheint sich also gerade in eine internationale Präsenz zu verwandeln, und das wiederum könnte ihm weitere Sterne einbringen.

Vom 19. Mai bis 9. Juni werden Kunsthändlern und Sammlern einige seiner Werke im New Yorker Stadtteil Chelsea präsentiert. Und damit nicht genug. Irgendwie wurde auch Galerine in Mailand und Amsterdam auf den Bopplisser aufmerksam und haben bereits mit ihm Kontakt für weitere Ausstellungen aufgenommen.

Während Paul Hählen gerade in seinem Atelier mit Blick auf den Mürtschenstock im Glarnerland bis hin zur Jungfrau an einem weiteren Werk arbeitet, sind einige seiner «Kinder» mit dem Flugzeug über den grossen Teich unterwegs. So zum Beispiel das Acrylbild «Ikarus», dessen Namensgeber in der griechischen Mythologie bei seinem Flug der Sonne zu nahe kam und ins Meer stürzte. Ganz sicher hatte dieser antike Bruchpilot keine so gute Versicherung wie der «Ikarus» aus dem Atelier Paul Hählens.

Keine Reise in den «Big Apple»

Der Künstler selbst bleibt der New Yorker Ausstellung fern. Spricht man ihn darauf an, winkt er ab. Doch man sieht ihm schon an, dass es ihn ein wenig wurmt, aufgrund seines hohen Alters nicht mehr so mobil zu sein wie früher. Doch geistig ist er immer noch bestens beweglich, und so hat Paul Hählen zu seinen Werken eine Videobotschaft auf Englisch mitgeschickt. «Der Architekt Adrian Mäder aus Boppelsen hat mir geholfen, sie zu texten und herzustellen», sagt Hählen und liest dann vor. «Back in 1958 I was in New York for some time and I visited the Museum of Modern Art», heisst es zum Beispiel darin. In dieser Videobotschaft sensibilisiert er die Besucher auch für die Harmonie und die leuchtende Kraft der Farben sowie für die typischen ausgeglichenen Kompositionen seiner Werke. Die kurze Botschaft endet mit dem Satz: «I say ‹uf widerluege› and goodbye, till we meet again here in Switzerland.»

Auf der Einladungskarte der Galerie sind auch Werke weiterer Mitaussteller der Abstrakten Kunst abgebildet. Doch bei allem Respekt für die Kunstkollegen, schüttelt Paul Hählen bei der Betrachtung der briefmarkengrossen Kostproben den Kopf. Von der künstlerischen Betrachtungsweise und Philosophie her scheint der Bopplisser mit seinen Ausstellungskollegen also nicht gerade das Heu auf der gleichen Bühne zu haben. Und er erklärt auch gleich, warum das so ist, und sagt: «Mein persönliches Ziel ist es, auch in der Abstraktion ästhetisch zu bleiben und nicht die Verworrenheit und Wildheit der heutigen Zeit auszudrücken.»

Hählens Ästhetik entsteht durch Paarung von Harmonie und Spannung. «Das bewirkt Ruhe und doch Leben», sagt er und fügt hinzu, dass er auf Vorbildern wie zum Beispiel den russischen Maler Wassily Kandinsky oder den deutschen Künstler Paul Klee aufgebaut habe. Erst später habe er Vervollkommnung auf der Suche nach der Wahrheit der Farb- und Formgesetze und ihrer Auswirkungen gefunden.

Spezielle Bilder für spezielle Kenner

Für die meisten Werke Hählens ist typisch, dass ihre Farbflächen nach dem Prinzip des Goldenen Schnittes komponiert sind. Bei diesem Teilungsverhältnis entspricht das Verhältnis der gesamten Strecke zu ihrem grösseren Teil genau dem Verhältnis des grösseren zum kleineren Teil der Strecke. Und statt die Flächen einfach mit Uni-Tönen zu bedecken, malt Hählen darin Auf- und Abwandlungen der Haupttöne und erreicht damit eine fast poetische Empfindung und Wirkung.

Darüber hinaus verleiht er den Rändern der Farbflächen einen Hauch von komplementären Tönen und verstärkt dadurch die Leuchtkraft der Hauptfarben. Das tönt kompliziert, doch der Architekt und Liebhaber der Formel des Goldenen Schnitts kürzt den künstlerischen Bruch bis zum Anschlag und beschreibt dann seine Werke mit fünf Worten: «Spezielle Bilder für spezielle Kenner.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.05.2015, 16:55 Uhr

Zur Person

Paul Hählen

Paul Hählen wurde am 7. Januar 1921 in Lenk im Simmental geboren. Er macht 1944 sein Diplom als Architekt HTL, widmet sich aber seit 1956 ganz der Malerei. Er unternahm Studienreisen in die ganze Welt und stellte von Europa bis hin zur Dominikanischen Republik aus.

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