Nachruf

Ein schnelles Leben, angetrieben von starken Motoren

Vor einem Jahr, am 26. Juli 2014, starb der Dielsdorfer Jürg Dubler im Alter von 73 Jahren. Der Mann, dessen Leben sich stets um starke Autos drehte, liess in seiner Karriere als Rennfahrer auch Grössen wie Niki Lauda und Graham Hill hinter sich.

Jürg Dubler im Jahr 1965 vor einem Rennen in Monaco.

Jürg Dubler im Jahr 1965 vor einem Rennen in Monaco. Bild: pd

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In den 60er-Jahren war Jürg Dub- ler einer der Besten der internationalen Formel 3. Dort begann seine Karriere im Jahr 1965, nachdem er einen Brabham BT21 hatte kaufen können. Im gleichen Jahr noch gab er seinen Job als Direktionsassistent auf und betrieb die Rennfahrerei als Profi. Daneben managte der 24-Jährige seine Garage in Oberhasli, wo er einige Formel-V-Rennwagen baute. Zeit seines Lebens konnte er auf die volle Unterstützung seiner Frau Marianne zählen.

Über 100 Rennen hat Jürg Dub- ler in der Formel 3 bestritten. Wie die «Automobil-Revue» schrieb, stieg er dabei nicht weniger als 38-mal als Sieger und 18-mal als Zweiter aufs Podest. Unter seinen Gegnern waren Männer, die später in der Formel 1 brillierten, dar­un­ter auch als Weltmeister. So liess Dubler im Mai 1970 bei einem Rennen in Tschechien keinen Geringeren als Niki Lauda hinter sich. Und in einem Formel-2-Rennen in Bogotá feierten 1971 Jo Siffert und Jürg Dubler einen Doppelsieg und distanzierten dabei den bereits damals zweifachen Formel-1-Weltmeister Graham Hill klar.

Danach ging Dublers Rennfahrerkarriere ihrem Ende entgegen. Viele Defekte am Rennauto, nicht eingelöste Versprechen von Rennstallbesitzern und fehlendes Kapital trugen dazu bei.

Aufheulen an der Geerenstrasse

Ein kurzer Einsatz als Teammanager für den Formel-1-Stall Scuderia Finotto war für Dubler nicht von Erfolg gekrönt. Später organisierte der Rennautofan für den Formel-Rennsport-Club der Schweiz (FRC) jahrelang die Bergrennen Oberhallau und Hemberg. Daneben veranstaltete er Schweizer-Meisterschafts-Läufe in Hockenheim und im italienischen Santa Monica.

Zum Todestag von Jürg Dubler hat seine Frau Marianne einige Erinnerungen zusammengefasst. Ihr Ehemann habe damals die spannende europäische Formel-3-Rennszene belebt, auch wenn andere Rennfahrer es schliesslich weitergebracht hätten. Von seinen Rennfahrerkollegen stiegen zum Beispiel der erwähnte Niki Lauda, aber auch Clay Regazzoni, Derek Bell, JP Beltoise, Vittorio Brambilla, Wilson Fittipaldi und auch Frank Williams, um nur einige zu nennen, in die Formel 1 auf.

«Seine Rennfahrzeuge wartete Jürg in seiner Garage in Oberhasli, in einem Bauernhaus hinter dem Dorfbrunnen», erzählt Marianne Dubler. «Später heulten dann seine Renner in einer Einstellboxe an der Geerenstrasse in Dielsdorf auf und liessen manch einen Dielsdorfer den Kopf entsetzt schütteln.»

Durch ganz Europa sei der Corso gezogen; von Cascais in Portugal bis Hämeenlinna in Finnland, von Brands Hatch in UK bis Vallelunga in Italien. Und manchmal alles innert einer Woche. Zwei wintersaisonale Temporadas in Argentinien und Brasilien seien auch dabei gewesen.

Mit einer Kopie von Big Foot auf Autoshows

Als neue Herausforderung nach seiner aktiven Rennfahrerzeit bestellte der Dielsdorfer bei Bob Chandler im US-amerikanischen St. Louis einen Big Foot Monster Truck, den er rot bemalt und mit Plüsch gepolstert von 1983 bis 1987 an allen grossen Rennwagenausstellungen in Europa vorführte. Auch an zwei seiner sieben Rennwagenausstellungen in der Stadthalle Bülach war das Super Monster dabei. Heute steht das beeindruckende Gefährt im Auto-&-Technik-Museum im baden-württembergischen Sinsheim in der Halle 2.

Ein Buch über die «verrückten Jahre»

Jürg Dubler war aber auch als Journalist und Autor tätig. Im Jahr 2000 veröffentlichte ein Verleger in Nîmes Dublers persönliche Rennerinnerungen in einem Buch in einer französischen Übersetzung. Im Jahr 2009 brachte der Verlag Elfundzehn in Eglisau die deutsche Version unter dem Titel «Formel 3 inside – Die verrückten Jahre 1965–1970» heraus.

Bereits während seiner Zeit als aktiver Formel-3-Rennfahrer war Jürg Dubler im Motorsportjournalismus tätig und er blieb es auch danach. So verfasste er Kolumnen und Fachberichte für Sportzeitungen und wirkte als Autorennkommentator im Schweizer Fernsehen mit.

«Auch ein umtriebiger, kreativer Mensch ist nicht gegen Krankheit gefeit. In den letzten zehn Jahren übernahm die Alzheimer-Demenz überhand – langsam, aber stetig», schreibt seine Ehefrau. Trotzdem habe er nicht den Willen verloren und immer wieder mit seinem Hugo-Koblet-Rennrad den «Regensberger» bezwungen. Begeistert habe Dubler auch in der Kiesgrube seine Runden auf dem Trial-Töff gedreht.

Jürg Dubler starb am 26. Juli 2014 im Alter von 73 Jahren. Er hinterliess seine Ehefrau Marianne und den 1968 geborenen Sohn Sancho.

Erstellt: 24.07.2015, 20:33 Uhr

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