Regensdorf

Gericht fordert Wiederaufbau

Das Baurekursgericht verlangt die Wiederherstellung des im vergangenen Sommer abgerissenen Bauernhauses Fröschegrueb. Und zwar mit Originalmaterial. Der Besitzer hat dieses aber schon lange entsorgt.

1981 war die Fröschegrueb noch in einem verhältnismässig guten Zustand, in den letzten Jahren ist sie aber immer mehr verlottert. Das Baurekurs­gericht verlangt nun, dass die inzwischen abgerissene Liegenschaft wieder originalgetreu aufgebaut wird – und zwar mit Originalmaterialien.

1981 war die Fröschegrueb noch in einem verhältnismässig guten Zustand, in den letzten Jahren ist sie aber immer mehr verlottert. Das Baurekurs­gericht verlangt nun, dass die inzwischen abgerissene Liegenschaft wieder originalgetreu aufgebaut wird – und zwar mit Originalmaterialien. Bild: pd

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Auf dem Grundstück bei der reformierten Kirche soll künftig wieder ein markantes Bauernhaus – wie es die Fröschegrueb einst war – stehen. Dies geht aus dem Urteil des Baurekursgerichtes vom 18. Februar hervor. Das Gericht rügt den im vergangenen August erfolgten Abbruch des denkmalgeschützten Hauses und verlangt eine «originalgetreue Wiederherstellung der Ost-, Süd-, und Westfassade und des Daches» des aus dem Jahr 1559 stammenden Bauernhauses. Und zwar «soweit möglich mit Materialien gemäss dem Originalzustand».

Jahrelanges Hin und Her

Mit diesem Urteil hat der Fall ­Fröschegrueb einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Haus, welches seit 2003 unter Schutz steht, verlotterte in den letzten Jahren zusehends. Nach endlosem Hin und Her schloss die Gemeinde 2014 mit dem Besitzer einen Vertrag ab, welcher den Abbruch des Gebäudes und einen Neubau ermöglichte. Dagegen rekurrierte der Zürcher Heimatschutz. Im Sommer 2015 liess der Besitzer das Haus schliesslich trotz laufender Verfahren abreissen. Als baupolizeiliche Instanz verfügte der Gemeinderat damals den Abbruch «aus Sicherheitsgründen». Dies wiederum rief den Heimatschutz erneut auf den Plan. Anfang Februar wurde nun bekannt, dass der Gemeinderat inzwischen eine Baubewil­ligung für einen Ersatzneubau ­erteilt hat – trotz hängiger Verfahren. Auch dagegen reichte der Heimatschutz Beschwerde ein.

«Unser Handeln war richtig»

Im nun gefällten Urteil kommen sowohl der Besitzer, der Buchser Architekt Thomas Palmy, wie auch die Behörden von Regensdorf nicht gut weg. Dass der Gemeinderat trotz laufender Verfahren ein Neubauprojekt bewilligt hat, könne nur als «krasse Missachtung des Baurekurs­gerichtes gewertet werden», schreibt das Gericht. Deshalb überweist es seinen Beschluss an die kantonale Baudirektion. Diese soll prüfen, ob gegen die Gemeinde aufsichtsrechtliche Massnahmen ergriffen werden sollen.

Während sich der Zürcher Heimatschutz erfreut über den «in dieser Deutlichkeit seltenen» Entscheid zeigt, sieht Regensdorfs Gemeindepräsident Max Walter dem Urteil gelassen entgegen. In diesem sehe er auf den ersten Blick nichts anderes, als er erwartet habe. In den nächsten Tagen werde er die Angelegenheit mit dem Gemeinderat genau prüfen und das weitere Vorgehen besprechen. «Meiner Meinung nach war unser Handeln richtig», sagt er. Die Erteilung der Baubewilligung sei selbstverständlich unter Vorbehalt der laufenden Verfahren erfolgt.

Material ist gar nicht mehr da

Besitzer Thomas Palmy wertet das Urteil «als nicht erfreulich». Aber er müsse damit leben. Er werde den Entscheid gemeinsam mit seinem Anwalt prüfen und dann über die nächsten Schritte entscheiden. Dass das Gericht allerdings einen originalgetreuen Wiederaufbau der Fröschegrueb fordert, hinterlässt bei Thomas Palmy ein grosses Fragezeichen. Vor allem die Forderung nach Verwendung von Originalmaterial kann er nicht nachvollziehen. «Vom Originalmaterial ist nichts mehr da. Es war absolut unbrauchbar und wurde entsorgt.» Er frage sich, was das Baurekursgericht nun eigentlich von ihm verlange. Sein Bauprojekt – welches die Gemeinde im Dezember bewilligt hat – komme der einstigen Fröschegrueb optisch sehr nahe. Dies unter anderem mit dem prä­gnan­ten Dach. Und genau das fordere das Baurekursgericht im Urteil ja nun von ihm.

Erstellt: 22.02.2016, 20:46 Uhr

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