Oberglatt

In Madagaskar fliegend Hilfe leisten

Patrick Keller fliegt für eine wohltätige Organisation medizinisches Personal in abgelegene Gebiete in Madagaskar. Vor rund 15 Jahren wanderte er von Oberglatt nach Afrika aus, kürzlich war er im «Heimaturlaub».

Menschen vom Mikea-Stamm in der Ortschaft Anjabetrongo im Süden von Madagaskar erwarten das Ärzteteam aus der Hauptstadt Antananarivo.

Menschen vom Mikea-Stamm in der Ortschaft Anjabetrongo im Süden von Madagaskar erwarten das Ärzteteam aus der Hauptstadt Antananarivo. Bild: pd

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Es ist Patrick Kellers Aufgabe, in Madagaskar schlecht zugängliche Gebiete mit dem Flieger zu erreichen. Oft bringt er medizinisches Personal von einem Ort zu anderen, manchmal sind seine Passagiere auch Vertreter von internationalen Organisationen oder von Kirchen.

Im Auftrag der christlichen Non-Profit-Organisation «Mission Aviation Fellowship» (MAF) fliegt der Unterländer Pilot eine Cessna 208 Caravan. «Um von der Hauptstadt Antananarivo aus ein Spital im Busch zu erreichen, kann es mit dem Auto schon mal 35 Stunden dauern. Mit dem Flugzeug bin ich in nur 2 Stunden dort», erzählt Keller. Zudem sei der Transport per Flugzeug deutlich sicherer als mit anderen Verkehrsmitteln. «Die Armut ist sehr gross, deswegen gibt es viele Diebe, die Busse überfallen», berichtet der 44-Jährige.

Vom Unterhalter zum Piloten

Bevor Patrick Keller 2005 nach Afrika auswanderte – seine Frau Olivia und er verbrachten vor Madagaskar vier Jahre im Tschad – lebten sie in Oberglatt. Damals war er selbstständig als «Verblüffungskünstler», eine Art Zauberer, tätig.

Zuvor hatte er an der ETH ein Studium als Sportlehrer absolviert, arbeitete allerdings nie in diesem Bereich. «Ich sah darin zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten, und der Job als Unterhalter sagte mir mehr zu.» Doch der Wunsch zu fliegen liess ihn nicht los. «Ich wollte immer Rega-Heli-Pilot werden. Da kann man fliegen und Menschen helfen.» Doch an eine solche Stelle zu kommen, sei sehr schwierig.

Deswegen entschied sich Keller dazu, eine Ausbildung zum Privatpiloten zu machen. Nachdem er diese mit dem Brevet abgeschlossen hatte, besuchte er die Horizon Swiss Flight Academy in Bülach und erhielt 2001 die Berufspilotenlizenz.

Kurz darauf erlebte er eine Sinneskrise: «Ich habe mich gefragt, was ich im Leben überhaupt will. Eigentlich war alles gut, ich hatte Geld, eine Freundin und konnte fliegen. Doch zufrieden gemacht hat mich das alles nicht. Dadurch fand ich wieder zum christlichen Glauben», erinnert er sich. So gelangte er schliesslich zur MAF, für die er heute arbeitet. Dort kann er seinem Wunsch entsprechend fliegen und helfen.

Beruf ist eine Berufung

Der Beruf sei für ihn eine Berufung, eng an seinen christlichen Glauben geknüpft, sagt Patrick Keller. Es gebe immer wieder sehr schöne Situationen, wenn er Menschen helfen könne, zum Beispiel durch den Zugang zu medizinischer Versorgung. Doch er erlebe auch immer wieder Fälle, die schwer zu verkraften seien. «Ein Mann, dessen Arm von einem Krokodil abgebissen wurde, war zwei Tage unterwegs, um das nächste Spital zu erreichen. Kurz bevor er hätte operiert werden sollen, ging er wieder heim, weil er Angst hatte, man wolle ihm seine Knochen und sein Herz klauen.»

Alle zwei Jahre kommen Patrick und Olivia Keller mit ihren drei Kindern auf «Heimaturlaub» in die Schweiz. Zum Schluss der vergangenen sieben Wochen haben sie bei Freunden in Höri gewohnt.

Vergangene Woche reiste die fünfköpfige Familie zurück in die Wahlheimat Madagaskar. «Ich bin dort zwar daheim, aber irgendwie doch nicht ganz», sagt der Schweizer. Und dies obwohl er die Sprache, Malagasy, spreche und die Leute sehr gerne möge. «Die Kulturen sind sehr unterschiedlich, man lebt in zwei Welten.»

So sei dort beispielsweise das Zusammensein wichtiger, als pünktlich zum nächsten Termin zu erscheinen. Nach 14 Jahren in Afrika verstehe er mittlerweile auch einiges in der Schweiz nicht mehr, unter anderem die Wegwerfgesellschaft. «Das bereitet mir grosse Mühe, gerade weil ich in Madagaskar täglich die Armut sehe.»

Die Familie Keller lebt von einem eher bescheidenen Lohn, Arbeitgeberin ist die MAF Schweiz. Das Salär setzt sich aus Spendengeldern zusammen. Es ist ausreichend, um die Kinder im Alter von zwölf, zehn und sechs Jahren in eine französische Privatschule schicken zu können. Dadurch haben sie später die Möglichkeit in Europa zu studieren. «Bis da wollen wir weiterhin in Madagaskar bleiben», versichert Patrick Keller.

Erstellt: 03.09.2018, 14:02 Uhr

Fliegen für Menschen

Die Mission Aviation Fellowship (MAF) ist eine internationale Non-Profit-Organisation, die mit 130 Flugzeugen in schwer zugängliche Gebieten in 26 Ländern für Menschen in Notlagen im Einsatz steht. MAF Schweiz hat 22 Fachkräfte in 11 Ländern im Einsatz. Die Finanzierung setzt sich zu zwei Drittel aus Spendengeldern und zu einem Drittel aus Einnahmen, beispielsweise durch Transporte für die Unicef oder andere Organisationen, zusammen. (krb)

Patrick Keller. (Bild: Paco Carrascosa)

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