Regensdorf

Keine morschen Balken­ für die Fröschegrueb

Das einstige Bauernhaus in Regensdorf, das trotz Schutzverordnung abgerissen wurde, muss­ rekonstruiert werden. ­ Doch nicht mit altem ­Material, wie der Besitzer glauben machen wollte.

Von dem einstigen Bauernhaus ist nur noch ein Geröllfeld geblieben. Balz Murer

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Die Fröschegrueb soll original­getreu wieder hergestellt werden. Genauer gesagt: Die Ost-, Süd- und Westfassaden sowie das Dach des kürzlich abgebrochenen Regensdorfer Bauernhauses müssen so weit möglich mit Materialien gemäss Originalzustand wieder aufgebaut werden. So hat es das Baurekursgericht entschieden.

Dies bedeute selbstverständlich nicht, dass man das Abbruchmaterial wieder aus dem Schutt hervorziehe, erklärt Martin Kil­lias, Präsident des Zürcher Heimatschutzes. Gemäss Thomas Pal­my, Besitzer des einstigen denk­malgeschützten Gebäudes, wurden die Bauteile bereits entsorgt, weil sie absolut unbrauchbar gewesen seien. «Verlangt wird lediglich eine originalgetreue Rekons­truktion mit neuem Material», erklärt Killias. So wie es ­etwa beim Zunfthaus zur Zimmerleuten in Zürich vollzogen wurde, das 2007 ausgebrannt war. Das 1559 erbaute Haus sei bestens dokumentiert.

Hohe Kosten für Besitzer

Dass die angeordnete Aufgabe eine teure Sache wird, bestreitet auch Killias nicht. Zudem seien dafür wohl Spezialisten nötig, die sich in der Architektur dieser Zeit auskennen. Wie aus dem Urteil hervorgeht, wird Thomas Pal­my vollumfänglich für die Kosten aufkommen müssen: Aufgrund des pflichtwidrig vernachlässigten Unterhalts habe er die finanziellen Mehraufwendungen selber zu vertreten, schreibt das Baurekursgericht. «Die hier verlangte Massnahme erweist sich somit ... als klar verhältnismässig.» Auch weist das Gericht darauf hin, dass Palmy das Objekt erwarb, als es bereits unter Schutz gestellt war. «... mithin also im Wissen um die Unterschutzstellung und die sich daraus ergebenden Pflichten, die er in der Folge missachtete.»

Urteil mit Präjudiz-Charakter

Martin Killias kennt keinen anderen Fall, bei dem die Rekonstruktion eines bereits abgerissenen Gebäudes angeordnet wurde. Nur bei Naturdenkmälern sei es schon vorgekommen, dass die Wiederherstellung vorgeschrieben wird; zum Beispiel, dass ein zugeschüttetes Biotop wieder freigelegt werden muss. «Allerdings gibt es auch kaum vergleichbare Fälle einer so schweren, jahrelangen und systematisch-provokativen Verachtung gerichtlicher Anordnungen und generell der Institutionen inklusive der Baudirektion», betont Killias.

Auch beim Baurekursgericht bestätigt man, dass das Urteil präjudiziellen Charakter habe; ob übergeordnete Instanzen die Sache gleich sehen werden, wird sich bei einem allfälligen Weiterzug des Gerichtsfalls zeigen.

Das Urteil wurde auch an die kantonale Baudirektion überwiesen. Diese soll nun prüfen, ob gegen die Gemeinde aufsichtsrechtliche Massnahmen ergriffen werden sollen. Der Gemeinderat hatte den Abbruch letzten Sommer trotz laufender Verfahren aus Sicherheitsgründen ange­ordnet und eine Baubewilligung unter Vorbehalt der laufenden Verfahren erteilt.

Von Rüge bis Amtsenthebung

Ob tatsächlich aufsichtsrecht­liche Massnahmen gegen die Regens­dorfer Behörde ergriffen werden, wird die Baudirektion diesen Frühling entscheiden. Infrage kommen gemäss Medien­beauftragten Markus Pfanner Zurecht­weisung, Rüge, Verweis, Busse, Anweisung für künftiges Verhalten, Aufhebung von Verfügungen oder im Extremfall sogar Amtsenthebung.

Bereits für das erfolgte Verfahren sind Kosten in der Höhe von 7300 Franken entstanden; sie wer­den dem Gemeinderat und dem Besitzer je zur Hälfte auferlegt. Zusätzlich müssen beide Parteien dem Heimatschutz je 500 Franken Umtriebsentschä­digung bezahlen. Vorausgesetzt natürlich, dass das Urteil Rechtskraft erlangt. Die Beteiligten ­haben die Möglichkeit, es innert 30 Tagen vor dem Verwaltungs­gericht anzufechten. Ob sie das Verfahren weiterziehen, werden sie in den nächsten Wochen bekannt geben.

Erstellt: 26.02.2016, 21:28 Uhr

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