Neue Rümlanger Industrieanlage macht aus Abfällen Rohstoffe

Gestern hat die Sortag Zürich AG ihren Neubau mit der landesweit modernsten Sortieranlage für Bauschutt und Sperrgut in Rümlang eingeweiht. Kunden, Geschäftspartner und Behördenvertreter konnten das 10-Millionen-Werk besichtigen.

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Innerhalb weniger Monate ist im Rümlanger Gebiet Bäuler an der Grenze zu Glattbrugg ein neues Industriegebäude aus dem Boden geschossen. Der Stahl- und Betonbau beherbergt die modernste Sperrgut- und Bauschuttsortieranlage der Schweiz.

Die angelieferten Materialen werden zerkleinert, um anschliessend über ein ausgeklügeltes System von Fliessbändern und diversen Siebtechniken geleitet zu werden. In Handarbeit wird die maschinell vorsortierte Ware in einzelne sogenannte Fraktionen von Materialtypen aufgeteilt. Aussortiert werden vor allem Altholz, Karton, Papier, Elektroteile, Kunststoffe, Metalle, Beton, Gips und Stahl. Die Wiederverwertbarkeitsquote beträgt über 70 Prozent. Im Werk werden acht Mitarbeiter beschäftigt. Die Anlage ist denn auch klimatisiert und Filtersysteme verhindern Staubimmissionen. Die Kosten des Gebäudes und der Anlage beliefen sich auf rund 10 Millionen Franken.

Die zurzeit im Probelauf operierende Anlage soll demnächst auf Volllast gesetzt werden. Die Aussenarbeiten würden in etwa einem Monat abgeschlossen sein, wie Thomas Schriber, Verwaltungsratspräsident der in Zürich domizilierten Firma gestern bei der Einweihung erklärte.

Tempo, Tempo

Der Realisierung des Werks sei eine lange Phase des Überlegens, Prüfens, Planens und Verwerfens vorausgegangen, sagte Schriber. Nach dem Besuch einer ähnlichen Anlage in Hamburg im Januar 2014 wusste die Sortag, was sie wollte. «In Windeseile» sei ein Planer gesucht worden, bevor es vor Jahresfrist «turbomässig losgegangen ist», sagte der Verwaltungsratspräsident. Im Oktober gab die ausserordentliche Generalversammlung grünes Licht für das Projekt, und die Rümlanger Baubewilligungsbehörden hätten sehr speditiv gearbeitet. Dank dem «sportlichen» Tempo aller Beteiligten habe die Anlage innert so kurzer Zeit realisiert werden können, sagte Schriber. Baustart war im vergangenen Frühjahr.

Deponien entlasten

Die Sortag Zürich AG ist im Jahr 1985 gegründet worden. Dies, weil man sah, dass das Volumen der Deponien langsam knapp wurde. «Man betrieb damals sogenannte Multikomponentendeponien, wo das Abfallmaterial hineingeschmissen wurde», erklärte VR-Präsident Schriber. 1987 nahm die Firma die grösste Bauschuttsortieranlage der Schweiz in Betrieb. Dadurch reduzierte sich das Volumen des Deponiematerials um 6 Prozent. Von der aussortierten Ware wanderte der brennbare Teil in die Kehrichtverbrennungsanlagen, die gemäss Schriber in der Folge «aus allen Nähten platzten». Der Kanton kam nicht umhin, Brandplätze für die Beseitigung des Abfallholzes zu bewilligen.

Ab 1996 lieferte die Sortag das brennbare Material an die Holz- und Stockrecycling AG in Otelfingen. Dort wird seit 2003 aus dem ursprünglichen Abfallmaterial Strom und Fernwärme produziert. Die Sortag Zürich AG war von Beginn weg an der Otelfinger Recyclingfirma beteiligt, wie Thomas Schriber ausführte. ()

Erstellt: 03.09.2015, 17:22 Uhr

Urban Mining, das Geschäft mit dem Abfall

Der englische Begriff «Urban Mining» – auf Deutsch «Städtischer Bergbau» – umschreibt die Tatsache, dass Siedlungsgebiete eine wertvolle Rohstoffquelle darstellen. Im Gegensatz zu den natürlichen Vorkommen von Bodenschätzen, ist das Urban Mining ein menschengemachtes Rohstofflager. Und dieses riesige Depot, bestehend aus Gebäuden, Infrastruktur, Möbeln, Behältern, Verpackungen, Geräten, Maschinen usw., gewinnt immer mehr an Bedeutung, zumal die natürlichen Rohstoffquellen nicht unendlich sind. Die Sortag Zürich AG verwertet Abfälle wie Bauschutt und Sperrgut seit 30 Jahren und trägt so zur Ressourcenschonung und Schliessung des Materialkreislaufs bei. Und sie zeigt in Rümlang, dass mit Urban Mining durchaus auch Geld zu verdienen ist.?(cy)

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