Knabenschiessen

Noch ist es kein Mädchenschiessen

Die Mädchen sind am Knabenschiessen auf dem Vormarsch. Unter den fünf Jugendlichen im Ausstich befanden sich auch zwei Unterländerinnen: die Dällikerin Sarina Baumann und die Winklerin Vanessa Frommenwiler.

Die 16-jährige Sarina Baumann lag bisher nur an den Zürcher Knabenschiessen hinter dem Sturmgewehr. Ansonsten verbringt sie ihre Freizeit mit Handballspielen sowie mit Saxophon- und Klavierspiel.

Die 16-jährige Sarina Baumann lag bisher nur an den Zürcher Knabenschiessen hinter dem Sturmgewehr. Ansonsten verbringt sie ihre Freizeit mit Handballspielen sowie mit Saxophon- und Klavierspiel. Bild: Sabina Bobst

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Für einen stillen Moment zählt nur das schwarze Trefferfeld auf der Zielscheibe: ein Kreis von 100 Zentimeter Durchmesser, in dessen Mitte klein die Zahl Sechs prangt. Die verhilft zum Sieg am Knabenschiessen. 4068 Jugendliche haben sich dieses Jahr am grössten Zürcher Volksfest hinter ein Sturmgewehr 90 gelegt, Wind und Sonne abgeschätzt, den Gewehrlauf um Milimeter angepasst. Gut Schuss, Feuer frei.

In den Ausstich haben es heuer fünf Jugendliche mit jeweils 34 Punkten geschafft; das Maximum von 35 Punkten hat, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, niemand erreicht. Von den fünf Jugendlichen stammen zwei aus dem Unterland: Sarina Baumann aus Dällikon und Vanessa Frommenwiler aus Winkel, beide 16-jährig. Nebst ihrer regionalen Herkunft haben die beiden etwas anderes gemeinsam: Sie schiessen nicht in einem Verein, was beweist, dass der Anlass auch einer für Amateurinnen und Amateure sein kann.

Frommenwiler schiesse ab und zu mit Luftpistolen oder Bogen, wie sie gestern erzählte. Baumann hat noch weniger Erfahrung mit Sportwaffen: «Ich habe bisher nur an den Knabenschiessen geschossen, vier Mal insgesamt», hielt sie fest.

Ein äusserst knappes Resultat

Der Ausstich begann gestern Vormittag um Punkt 11 Uhr, nachdem sich zwischen 8 und 10 Uhr nochmals einige Hundert Schützinnen und Schützen für die Endrunde qualifizieren wollten. Sarina Baumann setzte sich mit den Treffern 5-6-4-5-5 und einer Gesamtpunktzahl von 30 auf den dritten Rang, Vanessa Frommenwiler mit der Reihenfolge 5-4-4-5-6 und einer Gesamtpunktezahl von 29 auf den vierten.

Mit den Schüssen am längsten gewartet hat der einzige Junge im Ausstich, der 16-jährige Noah Affolter aus Wernetshausen – mit Erfolg: Er schoss eine Gesamtpunktzahl von 31 und setzte sich damit ganz knapp gegen seine vier Mitstreiterinnen durch. Er hat sich zum Schützenkönig 2018 gemausert und die 5000 Franken Preisgeld geholt.

Vanessa Frommenwiler aus Winkel liess sich vor dem Ausstich nochmals ein paar Tipps von Instruktor Patrick Kolla geben. Bild: Fabienne Andreoli

Die beiden Unterländerinnen zeigten sich mit ihrem Ergebnis dennoch glücklich. Beide hielten fest, nicht mit ihrem Erfolg gerechnet zu haben. «Ich bin zufrieden mit dem, was ich geschafft habe», zieht Vanessa Frommenwiler Bilanz. Am Wochenende davor hatte sie sich mit der Schussfolge 6-6-6-5-6 für den Ausstich qualifiziert. Das Sportschiessen werde aber Nebensache bleiben in ihrem Leben, sagte sie. Ihre Lieblingssportart ist der Eiskunstlauf, den sie bereits seit neun Jahren ausübt. Derzeit besucht Frommenwiler die fünfte Klasse der KZU Bülach; wie es nach dem Gymasium weitergeht, will sie offenlassen. «Erst einmal die Matura schaffen – dann schaue ich weiter.»

Einfachere Schussverhältnisse

Die Dällikerin Sarina Baumann sagte, sie sei «mega stolz» darauf, Dritte geworden zu sein, obschon sie tags zuvor ein besseres Ergebnis erzielt hatte (6-6-6-6-5). «Die Schussverhältnisse waren heute zwar einfacher als gestern, aber ich war nervös. Deshalb ist mein Ergebnis ein wenig schlechter ausgefallen», analysierte sie ihre Leistung. Heuer trat Baumann – aufgrund der Altersbeschränkung des Sportanlasses – zu ihrer Dernière an. Die Dällikerin besucht derzeit die 5. Klasse der Kantonsschule Oerlikon und möchte später Jura studieren. Handball, das Saxophon- und das Klavierspiel werden sie dorthin als Hobbys begleiten.

Vier Finalistinnen und ein Finalist am Knabenschiessen 2018: Wäre es da nicht passender, nächstes Jahr vom «Mädchenschiessen» zu sprechen? Das Wort fällt unter den Besuchern und Besucherinnen auffallend oft. Zürichs Sicherheitsdirektor Mario Fehr, der den Ausstich interessiert mitverfolgt hat, findet die Bezeichnung «Knabenschiessen» aufgrund der langen Tradition des Anlasses in Ordnung. Es sei aber auch sehr erfreulich, dass so viele Mädchen so erfolgreich mitmachen. Selber habe ihn der Ausstich an die Regierungsratswahlen erinnert, die kommenden März bevorsteht: Dort könnte es nach der Wahl eine Frauenmehrheit geben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 17:13 Uhr

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