Im Tschad

Ohne Tuch darf man nicht auf die Strasse

Bei einem Ausflug in den Osten des Tschad hat Salome Zollinger aus Niederhasli neue Erfahrungen gemacht. Sie hat erlebt, wie unterschiedlich das Leben in diesem afrikanischen Land sein kann.

Salome Zollinger (links) lässt sich von einer Kollegin zeigen, wie das fünf Meter lange Tuch geschlungen wird.

Salome Zollinger (links) lässt sich von einer Kollegin zeigen, wie das fünf Meter lange Tuch geschlungen wird. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Meine letzten Ferien verbrachte ich in Abéché, einer Stadt im Osten des Tschad. Es gibt dort eine weitere Station, die ein Waisenhaus, eine Vorschule, ein Gesundheitszentrum, ein Zentrum für Strassenkinder und eine Bibliothek führt. Dort arbeiteten auch drei junge Leute in meinem Alter aus Deutschland, mit denen ich mich sofort sehr gut verstand. Ich genoss es, mit ihnen über die vergangenen Monate zu sprechen und Erlebnisse auszutauschen. Es tat gut, zu sehen, dass auch bei ihnen nicht immer alles positiv war und auch sie manchmal mit Krankheit, Heimweh oder einem Motivationstief zu kämpfen hatten.

Das Leben in Abéché ist in manchen Bereichen doch sehr anders als das in der Hauptstadt. Die Leute reden fast kein Französisch, was zur Folge hat, dass die Kollegen in Abéché viel grössere Fortschritte in der Landessprache gemacht haben als ich. Die Solarstromeinrichtung ist noch nicht wirklich verlässlich. Das heisst, die Ventilatoren und Kühlschränke sind nur in Betrieb, wenn Starkstrom vorhanden ist oder der Generator läuft. Die Kühlschränke dienen also oft nur als normale Küchenschränke, und die Ventilatoren laufen nur morgens und abends.

Ein grosser Unterschied ist auch die Kleidung der Frau. Während ich in Ndjamena öfter auch Frauen in Jeans, kurzen Röcken und offenen Haaren sehe, kann man in Abéché ohne ein fünf Meter langes Tuch, den Lafai, das man um sich wickelt, nicht auf die Strasse. Zu Beginn brauchte ich noch Hilfe mit dem Bindesystem, aber man lernt es schnell. Auf jeden Fall fühlte ich mich in jener Stadt so afrikanisch wie noch nie. Es gibt dazu aber auch viele Regeln, die eingehalten werden müssen. Die Tschaderinnen können da sehr strikt sein. Und der grösste Feind des Lafai ist der Wind, sobald er weht, überlegt man sich zweimal, ob man wirklich nach draussen gehen muss.

Während meines Aufenthalts dort stattete ich unter anderem auch dem Strassenkinderzentrum einen Besuch ab. Dort können die Jugendlichen zweimal pro Woche ihre Kleider und sich selbst waschen, spielen, vom Schulunterricht profitieren und eine Mahlzeit geniessen. Natürlich kommt es immer wieder zu Rangeleien. Oft war der Grund Leim. Die Jungs haben nämlich ihr eigenes Drogenrezept: Sie beschmieren einen Stofffetzen mit Fahrradkleber und stopfen ihn sich in den Mund. Nach einigen Minuten ergibt sich eine berauschende Wirkung. Dass die Jungs high ins Zentrum kommen, können die Verantwortlichen zwar nicht verhindern, aber den Kleber müssen sie abgeben, oftmals gegen ihren Willen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.06.2016, 11:41 Uhr

Eine Unterländerin im Tschad

Anfang August 2015 haben wir die 18-jährige Salome Zollinger aus Niederhasli vorgestellt, die neun Monate im Tschad verbringt, um für ein Hilfsprojekt zu arbeiten. Im Dossier «Eine Unterländerin im Tschad» erzählt sie von ihren Erfahrungen aus diesem Land.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!