Im Tschad

Ohne Wasser spriesst auch die Kresse nicht

Der Primarschüler Eliott gehört zu den Schützlingen von Salome Zollinger, die im Tschad einen Freiwilligeneinsatz absolviert. Die 19-jährige Niederhaslerin ist so begeistert vom Unterrichten, dass sie Lehrerin werden will.

Jeden Morgen um 7.15 Uhr beginnt Salome Zollinger den Unterricht mit ihrem Schützling Eliott.

Jeden Morgen um 7.15 Uhr beginnt Salome Zollinger den Unterricht mit ihrem Schützling Eliott. Bild: zvg

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Im Rahmen meines Praktikums bei der Schweizer Allianz-Mission (SAM) im Tschad, unterrichte ich den Primarschüler Eliott in verschiedenen Fächern. Unter anderem versuche ich, ihm die deutsche Sprache zu vermitteln. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt sich an folgendem Beispiel. Der Junge wollte für seinen Vater eine Geburtstagskarte mit «Happy Birthday» schreiben. Eliott war überzeugt, es sei ein Glückwunsch auf Deutsch. Herausgekommen ist «Hepi ber zdei» – immerhin, die Laute hat er kapiert. Eliotts Mutter wollte von ihrem Sohn wissen, weshalb man gewisse Wörter gross und andere klein schreibt. Die schlagfertige Antwort des Jungen lautete: «Salomes Mutti hat das so gelernt und Salome von ihr, und darum muss ich das nun auch so machen. Das ist einfach so.» So haben wir immer wieder Grund zu lachen.

In unserer neuen Schule?werden erst zwei Klassenzimmer genutzt. Deshalb haben Eliott und ich einen ganzen Raum für unsere «Section Allemande» zur Verfügung. Die Zimmer sind für Klassen mit bis zu 40 Kindern vorgesehen. Mit einem Tisch, zwei Stühlen, einer Wandtafel und zwei Kisten sieht es deshalb bei uns ein bisschen leer aus. Der Unterricht beginnt um 7.15 Uhr, damit wir noch vor der Mittagshitze fertig werden.

Jeden Tag beschäftigen wir?uns mit je zwei Lektionen Deutsch und Mathematik und einer Lektion Sachkunde. Letztere sagt Eliott am meisten zu. Vor allem dann, wenn wir Popcorn machen. Weniger gelungen war dann allerdings mein Versuch, diesen Znüni zu salzen, fiel doch der Deckel des Salzstreuers ab, und der gesamte Inhalt entleerte sich über das Popcorn. Bei anderer Gelegenheit hatte ich die Idee, Eliott zu zeigen, wie schnell aus Kressesamen grüne Sprossen wachsen. Doch leider vergass ich den Versuch komplett und fand das Gefäss erst drei Monate später zufällig beim Putzen wieder. Von Sprossen natürlich keine Spur.

Kürzlich haben Eliott und ich?das Thema «Eis» im Unterricht durchgenommen. Auf der Weltkarte schauten wir den Nord- und den Südpol an. Eliott war ganz verwirrt und sagte: «Aber diese beiden Orte sind doch gar nicht zusammen! Wie kann es bei beiden so kalt sein?» Kaum hatte ich ihm erklärt, wie die Sonneneinstrahlung funktioniert, hatte er schon die zweite Frage parat. «Papa hat gesagt, dass es Leute gibt, die schlafen, wenn wir wach sind. Das glaube ich nicht. Salome, das ist doch nicht wahr, oder?» Solche Momente mit meinem Schüler berühren mein Herz, und ich merke, wie sehr ich das Unterrichten mag. Und das ist einer der Gründe, weshalb ich mich nun für das Studium zur Primarlehrerin entschieden habe. (zuonline.ch)

Erstellt: 31.03.2016, 16:47 Uhr

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