Otelfingen

Ritterliche Fairness begeistert Jungfechter

Der einzige Fechtclub des Zürcher Unterlandes ist in Otelfingen beheimatet. Am Samstag lud er zum Du & Ich-Turnier in die Mehrzweckhalle ein. Am Sonntag stand dann der Musketiercup auf dem Programm.

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Der offizielle Auftakt zum «Du & Ich»-Plauschturnier in der Mehrzweckhalle Otelfingen begann am Samstag um Punkt 15 Uhr. Im Gegensatz zu anderen Sportturnieren aber, wo die sportliche Aktivität zuerst an die Reihe kommt, reichten sich hier die rund 50 angereisten Fechterinnen und Fechter zunächst einmal die Hand – und die mit Weisswein oder Orangensaft gefüllten Gläser. Für Unkundige ein vielleicht ungewohntes Bild, für Eingeweihte Normalität. Daran merkte man aber auch, wie gross die Freundschaft und Wertschätzung der Fechtenden untereinander ist. In dieser von «ritterlicher Fairness» geprägten Sportart seien Rituale wichtig, sagte István Katona. Er ist der sogenannte Mâitre des Fechtclubs Otelfingen. Und wie sein Titel ist auch alles andere in dieser Sportart französisch. So geben die Schiedsrichter den sich gegenüberstehenden Gegnern Anweisungen wie «En Garde!», «Prêts?» oder «Allez!», und wecken Erinnerungen an die Geschichte der drei Musketiere, einem Roman von Alexandre Dumas.

Als Rollstuhlsportler repräsentierte Patrick Hofer an diesem Samstag ausserdem eine Minderheit im Schweizerischen Fechtsport. «Mein Ziel ist es, an den Paralympics 2024 in Paris teilnehmen zu können», sagte er. Der Teilnehmer des Fechtclubs Baden zeigte sich in bester Laune.

Rund 60 junge Fechter standen dann am Sonntag im Zentrum des Geschehens. Die Kämpfe fanden auf den 14 Meter langen und zwei Mete breiten Fechtbahnen statt. statt, auf denen Markierungen den erlaubten Fechtbereich definierten. Treffer während den maximal drei Minuten dauernden Kämpfen wurden jeweils elektronisch angezeigt. Fünf Punkte waren pro Person möglich, was in den Zweierteams zu maximal 10 Punkten führte.

Strittige Klagen wurden vor Gerich ausgefochten

Früher war das Fechten ein wichtiger Bestandteil in der Ausbildung bei Hof. Der Fechttkampf entwickelte sich zu einer anspruchsvollen und facettenreichen Kampfkunst. Diese Fertigkeit sollte die jungen Männer nicht nur im Umgang mit einer Stich- und Hiebwaffe schulen, sondern sie auch in der Disziplin und Entwicklung festigen. «Eine Niederlage gehörte dazu und musste gemeistert werden», erklärte István Katona, der an der Sportuniversität von Budapest das Fach Fechten studiert hatte. In sogenannten «Vorreden» wurde den jungen Fechtern zuerst einmal eine moralische Lektion erteilt. «Wer fechten will, der soll haben ein Herz wie ein Löwe und soll so scharf sehen wie ein Falke und soll so geschickt sein, wie ein Vogel», schrieb einst der deutsche Lohnkämpfer und Verfasser von Fechthandschriften, Hans Talhoffer. Interessant ist die Tatsache, dass im frühen Mittelalter strittige Klagen vor Gericht «ausgefochten» wurden. Erst 1260 hob in Frankreich Ludwig IX. den gerichtlichen Zweikampf auf.

Eine ungefährlicheKampfsportart

Spätestens seit die Schweizer Degenfechter an der letztjährigen Weltmeisterschaften in China Gold im Teamwettbewerb geholt haben, verspüre man einen guten Zuwachs beim Nachwuchs, erklärte Adrian Dürmüller, Präsident des Fechtclubs Otelfingen. «Gerne hätten wir aber noch mehr Frauen», ergänzte er.

Für einen optimalen Einstieg in dieses ungefährliche Freizeitvergnügen brauche es neben einer Grundkondition Intelligenz und gutes Reaktionsvermögen. Trainiert werde im einzigen Fechtclub des Unterlandes an zwei Abenden pro Woche. Sohn Lorenz Dürrmüller übt schon seit seinem siebten Lebensjahr mit dem Degen. Aufgewachsen in Buchs, hat der gelernte Goldschmied nun in Solothurn sein eigenes Goldschmiedeatelier eröffnet.

Zwei weitere junge Fechter sind die Brüder Nico (19) und Fabio (14) Wolf aus Dällikon. «Aufgrund unserer Jugendlichkeit tragen wir noch keinen echten Musketierbart, dafür aber einen zusammengebundenen Pferdeschwanz», erklärten die «Meister des Degens». An ihrer feinen, ja fast höfischen Aussprache merkte man schnell: diese beiden jungen Burschen haben sich die Fechtkunst so richtig zu Herzen genommen.

Erstellt: 20.01.2019, 20:46 Uhr

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