Niederglatt

Römische Wasserkanäle entdeckt

Archäologen entdeckten Gräben und ein Wasserbecken in Niederglatt, die vermutlich aus römischer Zeit stammen. In der Nähe könnte sich eine noch grössere Fundstelle befinden.

Gräben und ein Wasserbecken, dass Archäologen auf dieser Parzelle in Niederglatt entdeckten. stammen wahrscheinlich aus der Römerzeit.

Gräben und ein Wasserbecken, dass Archäologen auf dieser Parzelle in Niederglatt entdeckten. stammen wahrscheinlich aus der Römerzeit. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zuerst fanden Adina Wicki und ihre zwei Mitarbeiter eine Brandgrube. «Diese allein ist noch nicht besonders interessant», sagt die Archäologin. «Brandgruben finden wir bei jeder zweiten Grabung.» Kurz darauf entdeckten sie einen Graben, dessen Lauf das Ausgrabungsteam 80 Meter lang verfolgen konnte; er läuft sogar noch weiter bis in die Niederglatter Schulstrasse hinein. «Da erhärtete sich unser Verdacht, dass es sich bei der Parzelle um eine bislang unbekannte archäologische Fundstelle handelt», sagt Wicki.Der östliche Teil der Parzelle an der Ecke Schulstrasse/Sonnenbergstrasse wird überbaut. Da diese in einer archäologischen Zone liegt, wurde die Kantonsarchäologie Zürich vor Baustart informiert. Wicki und zwei technische Mitarbeiter nahmen sich dem Areal an.

Mehr gefunden als erhofft

Im Januar untersuchte die Gruppe das Gebiet erstmals – da entdeckte sie die Brandgrube und den Graben. Bei einer zweiten Sondierung im Juli stiess sie auf einen weiteren Graben; wie auch der erste ist dieser 60 bis 100 Zentimeter breit. Er weist eine Länge von mindestens 20 Metern auf und läuft ebenfalls aus der Grabungsfläche hinaus. Am 20. August begann die Gruppe dann mit den Ausgrabungen, die vergangenen Dienstag endeten. «Es war eine relativ kleine Grabung», sagt Wicki. «Dennoch haben wir mehr gefunden, als wir uns erhofft hatten.»

Bei den Ausgrabungen stiess das Team nämlich auf ein Becken von 4 Metern Breite und 10 Metern Länge. Beide Gräben laufen in dieses Becken hinein. «Wir vermuten, dass im Becken Hangwasser abgefangen und über die Gräben abgeleitet wurde», sagt Wicki. Der Hang unterhalb der Rietlistrasse sei extrem wasserreich. Mithilfe der Gräben hätte das Wasser dorthin geleitet werden können, wo es die Bewohner brauchten, also zu einer Siedlung oder einer Fläche, die landwirtschaftlich genutzt wurde. «Ich finde das superinteressant», sagt sie. «Ein solches Becken finden wir nicht jedes Jahr.»

Das Ausgrabungsteam entdeckte einige Gegenstände; prähistorische Keramik aus der Bronze- oder Eisenzeit sowie einige römische Stücke, darunter einen gut erhaltenen Krug.

Nahe Siedlung vermutet

Da Archäologen jeweils die jüngsten Funden heranziehen um das Alter einer Stätte zu bestimmen, ordnet Wicki die Stätte der Zeit des römischen Reichs zu. «So ein Wasserbecken mit Kanälen kennen wir bereits von römischen Gutshöfen» Solche Landwirtschaftsbetriebe wurden im Unterland bereits in Seeb sowie in Buchs entdeckt. Um allerdings Gewissheit über das Alter der Fundstücke zu erlangen, werden sie noch einer Datierungsmethode unterzogen, der Radiokarbonmethode oder auch C-14-Datierung. Diese Methode bestimmt das Alter von kohlenstoffhaltigen Materialien, basierend auf der Zerfallsrate der gebundenen Kohlenstoffatomen (C-14-Atome). Bis dieses Verfahren an den Funden durchgeführt worden ist, wird es aber wohl noch einen Monat dauern.

In der Umgebung der Parzelle wurden bis anhin noch keine archäologischen Funde entdeckt. Wicki ist aber überzeugt, dass in der Nähe noch weitere zu finden sind. «Diese Anlage entstand nicht einfach im Nirgendwo. Sie muss in Zusammenhang mit einer Besiedlung stehen», sagt Wicki. «Jetzt sind wir vermutlich am Rand einer Siedlung – mitten drin wird es wohl noch viel mehr Funde haben.» So werden Archäologen auch den westlichenTeil der Parzelle genau untersuchen, sobald ein Baugesuch für dieses Gebiet eingereicht wird.

Derweil knabbert Wicki noch an einem Rätsel, das ihr das Becken aufgab: Die Archäologin fand dort Holzreste aus Eichenholz, die einen halben Meter unterhalb der Gräben liegen. Ihre These ist, dass sich nur diese Holzstücke erhielten, die am tiefsten und feuchtesten Punkt lagen. Andere, weiter oben liegende Hölzer hätten sich im Verlaufe der Zeit zersetzt. Die These zu verifzieren wird wohl schwierig werden; zersetzt ist schliesslich zersetzt. ()

Erstellt: 16.09.2018, 13:37 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!