Rümlang

Rümlanger Gewerbe leidet unter der Grossbaustelle

Lärm, Staub, gesperrte Strassen und weiträumige Verkehrsumleitungen: An der Glattalstrasse ist zurzeit nicht gut geschäften. Die Umsätze der Betriebe sind massiv zurückgegangen.

Am Nachmittag trinken vor allem Auswärtige auf der Durchfahrt ihren Kaffee im Café Glattal. Diese blieben Ende letzten Jahres grösstenteils aus. Wirtin Ruth Hürzeler musste einen massiven Umsatzrückgang verzeichnen.

Am Nachmittag trinken vor allem Auswärtige auf der Durchfahrt ihren Kaffee im Café Glattal. Diese blieben Ende letzten Jahres grösstenteils aus. Wirtin Ruth Hürzeler musste einen massiven Umsatzrückgang verzeichnen. Bild: Johanna Bossart

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Seit dreiviertel Jahren wird an der Glattalstrasse gebaut. Nachdem der Kreisel beim Gemeindehaus nun fertig ist, haben sich Bagger und Absperrungen Richtung Einmündung der Bahnhofstrasse verschoben. Dort ist zurzeit kaum ein Durchkommen mehr: Für Fahrzeuge ist die Kreuzung ganz gesperrt, Fussgänger müssen einen Umweg in Kauf nehmen.

Für das Gewerbe an der Glatttalstrasse ist die erschwerte Verkehrssituation mit erheblichen Einbussen verbunden. «Der Umsatz ist zur Hälfte eingebrochen», sagt etwa Ruth Hürzeler, Inhaberin des Cafés Glattal. «Wenn das so weitergeht, können wir bald zumachen.»

In einem Brief an die Gemeinde hat die Wirtin ihre missliche finanzielle Lage geschildert. Darauf hat ihr Gemeindepräsident Thomas Hardegger persönlich geantwortet und sein Bedauern ausgedrückt. Er wies darauf hin, dass grösstenteils der Kanton für die Baustelle zuständig sei. Bei Hürzeler hat dies den Eindruck hinterlassen, dass man sich bei der Gemeinde nicht für ihre Probleme interessiere. Sie hätte sich eine finanzielle Unterstützung erwünscht. Sie selber zahlt sich zurzeit keinen Lohn aus und schliesst das Café zwischen zwei und vier Uhr nachmittags; so kann sie bei den Löhnen der Angestellten etwas sparen. Um diese Zeit verkehrten im Lokal vorwiegend Auswärtige, die auf der Durchfahrt waren.

Das Ausmass hat überrascht

Mit den gleichen Problemen kämpft das Restaurant Sorriso am anderen Ende der Strasse. Zwischen September und November letzten Jahres habe man etwa 40 Prozent weniger Umsatz verzeichnet, klagt Wirtin Nadia Iezzi. Der Dezember sei wegen der Weihnachtsessen etwas besser gewesen. Die Pizzeria mit ihrem grossen Parkplatz lebt unter der Woche zu einem grossen Teil von auswärtigen Stammgästen, die zum Mittagessen nach Rümlang fahren. Der Sitzplatz im Freien ist wegen des Baulärms zurzeit sowieso nicht zu gebrauchen.

Nadia Iezzi ist auch mit der Signalisation der Verkehrsumleitung nicht vollends zufrieden. Um die Autofahrenden auf das Restaurant aufmerksam zu machen, brachte sie beim Gemeindehauskreisel eine Tafel an. Sie wurde aber wieder entfernt, weil sie als Werbung betrachtet wurde. Iezzi hat Verständnis dafür, dass Strassen dann und wann saniert werden müssen. Doch das Ausmass der Behinderungen hat sie überrascht: «Wir haben nicht damit gerechnet, dass die ganze Strasse gesperrt wird.» Nicht viel anders tönt es bei der gegenüberliegenden Migrol-Tankstelle. «Seit Baubeginn im Januar sind die Einnahmen aus dem Benzinverkauf um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen», sagt Pächter Jimmy Muntwyler. Auch er war überrascht, dass die Einbussen so extrem sind. Deshalb hat er bei der Gemeinde um finanzielle Entschädigung gebeten – jedoch ohne Erfolg. Der Pächter ist froh, dass immerhin die Garage weiterhin gut läuft.

Kaum zu spüren bekam die Sparkasse Dielsdorf die Umstände. Auch das Coiffeurgeschäft Enzo war nicht betroffen. «Ich habe vor allem Stammkunden und die kennen den Weg», sagt Inhaber Enzo Pilla. Störend sei lediglich der Lärm gewesen. Nur kleinere Einbussen verzeichnete auch die Amavita-Apotheke. Der Umsatz sei nur leicht zurückgegangen. «Medikamente sind etwas Dringendes», sagt Catherine Hinderling, Geschäftsführerin der einzigen Apotheke in Rümlang.

Im Sommer wieder freie Fahrt

Das Schlimmste dürfte aber schon bald überstanden sein: Gemäss kantonalem Tiefbauamt sollten die Bauarbeiten Ende August abgeschlossen sein. Dann können die Glattalstrasse und ihre Nebenstrassen wieder ohne Hindernisse befahren werden. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Arbeiten bis Ende dieses Jahres dauern.

Laut Thomas Maag von der Baudirektion haben Entschädigungsbegehren wegen Umsatzrückgangs nur in ganz seltenen, extremen Fällen eine Chance. Etwa dann, wenn eine Tankstelle für längere Zeit vollständig vom Verkehr abgeschnitten wäre. Bei einem Restaurant oder einem Laden dagegen gewichten die Gerichte das öffentliche Interesse höher als das private. «Beeinträchtigungen durch Baustellen lassen sich nicht vermeiden», ist sich Maag bewusst. Doch dafür würden Bevölkerung und Gewerbe danach wieder viele Jahre von intakten Strassen sowie Strom-, Gas-, Wasser- und Telecomleitungen profitieren.

Erstellt: 21.05.2015, 16:49 Uhr

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