Regensdorf

Turbulente Entengeburt in luftiger Höhe

Eine Ente suchte sich einen ungewöhnlichen Nistplatz aus – auf dem Balkon im 11. Stock. Obwohl für die Küken alles gut ausging, muss sich die Ente nächstes Jahr umorientieren.

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Ein geruhsamer Sonntag sieht definitiv anders aus. «Ich war glaube ich nervöser als die Ente selbst», sagt Rita Etzensberger. Die 75-jährige Rentnerin wurde unfreiwillig zur Geburtshelferin. Auf ihrem Balkon im 11. Stock eines Hochhauses in Regensdorf brütete eine Stockentenmutter ihre Eier aus. Am Sonntag schlüpften acht Junge. Und das war nur der Anfang eines turbulenten Tages. «Am Morgen schlüpften die ersten Küken, die letzten dann erst im Laufe des Nachmittags», erzählt Etzensperger. Zusammen mit einer Freundin, die ihr helfend zur Seite stand, beobachtete sie die stetig wachsende Familie. Denn mit der Geburt begannen die eigentlichen Probleme erst. Die Entenmama hatte sich die äusserste Ecke einer Blumenkiste auf dem Balkon als Nistplatz ausgesucht.

Die bereits geschlüpften Jungen zeigten sehr schnell, dass sie noch keine gute Kinderstube hatten und fingen alsbald an, ihrem Instinkt folgend, die Umgebung zu erkunden. Dabei kamen sie schnell in Gefahr, vom Balkon in die Tiefe zu stürzen. «Die Entenmutter hat sich rührend um ihre Kleinen gekümmert, aber als alle acht dann endlich ausgeschlüpft waren, ging es plötzlich turbulent zu und her», erklärt Etzensperger aufgeregt. Die Küken sprangen aus dem Nest ins Innere des Balkons. Die beiden Frauen sammleten sie in einem Korb ein – unter lautem Protest der Entemutter.

Polizei kommt zu Hilfe

Der Tierrettungsdienst in Winkel wurde alarmiert. Dann musste die ganze Familie aus der 11. Etage hinunter gebracht werden. «Die Mutter aber auch die Jungen standen natürlich unter Stress, es war alles andere als einfach», sagt Etzensperger. vor dem Haus angekommen, nahm die schnatternde und keifende Entenmama reissaus. Sie blieb zwar immer in der Nähe des Korbs mit ihren Jungen, einfangen liess sie sich aber nicht.

Die beiden Geburtshelferinnen waren der Erschöpfung nahe, als endlich Hilfe kam. Eine Polizeistreife, die in der Nähe zu tun hatte, griff rettend ein, konnte die Entemutter einfangen und wartete mit Etzensperger, bis der Tierrettungsdienst eintraf.

Neue Heimat am Katzensee

«Der Mama und den Küken geht es gut, Frau Etzensperger hat tolle Arbeit geleistet», sagt Heidi Randegger, Leiterin Kommunikation der Stiftung Tierrettungsdienst. «Wir haben die ganze Entenfamilie an den Katzensee gebracht und dort ausgewildert.»

Begonnen hatte das tierische Abenteuer für Rita Etzensperger vor einem Monat, als sie beim Blumengiessen auf ihrem Balkon plötzlich von einer Ente angekeift wurde. Seither ist sie zur Vogelexpertin geworden. «Entenmütter legen nur ein Ei pro Tag, ich müsste mich also auf eine lange Brutzeit einstellen.» Wie gross das Gelege war, konnte sie nie genau sagen. «Meine Untermieterin war nicht eben nett und liess mich nicht näher als zwei Meter ans Nest heran.» Auch das Blumengiessen wurde zum Problem. Denn obwohl Wasservogel, zeigte sich die Ente ob dem Nass aus der Giesskanne nicht erfreut. Etzensperger wäre übrigens nicht verpflichtet gewesen, die Rolle der Entenpensionärin zu übernehmen. Wer in eine ähnliche Situation gerät, kann den Wildhüter rufen, damit er ein unerwünschtes Nest woanders hinbringt.

War es die schöne Aussicht oder die gesunde Höhenluft? Warum die Ente ausgerechnet einen Hochhausbalkon zum Brüten ausgesucht hat, bleibt ihr Geheimnis – ungewöhnlich ist es nicht, wie Heidi Randegger erklärt: «Das machen Enten immer mehr, weil entlang der Gewässer der Platz immer enger wird. Gut möglich, dass sie nächstes Jahr den gleichen Brutplatz wieder aufsucht.» Das hört Rita Etzensperger nicht gerne. Sie will auf ihrem Balkon mit neuen Pflanzen Gegenmassnahmen treffen. Denn: «Noch einmal mache ich die ganze Aufregung nicht mit.»

Erstellt: 01.06.2015, 15:23 Uhr

Kein idealer Platz für frisch geschlüpfte Enten: auf dem Balkon im 11. Stock (roter Pfeil) hatte sich die Entenfamilie eingerichtet. (Bild: Renato Cecchet)

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