Dielsdorf

Wie ein Regionalspital geschlossen wird

Angesichts der möglichen Schliessung des Spitals Affoltern erhält ein soeben erschienenes Buch von Richard Bisig neue Relevanz. Denn der Roman des gebürtigen Furttalers handelt von der Schliessung des damaligen Bezirksspitals Dielsdorf.

Richard Bisig mit seinem Werk «Die Spitalschliesser».

Richard Bisig mit seinem Werk «Die Spitalschliesser». Bild: N. Guinand

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Zwanzig Jahre ist die grosse Schliessungswelle von Regionalspitälern im Kanton Zürich her. Richard Bisig – in Otelfingen aufgewachsen, nun in Dielsdorf zu Hause – hat diese Welle hautnah miterlebt: Als Verwaltungsdirektor des Bezirksspitals Dielsdorf war er an all den Prozessen beteiligt, die letztlich im Jahr 1998 in der Schliessung des Akutspitals mündeten.

Darüber hat der heute 73-Jährige nun ein Buch veröffentlicht. Wenn Bisig also von seinem Roman berichtet, meint er sowohl den Buchinhalt als auch die Geschichte des Dielsdorfer Akutspitals selbst – mitsamt der Widerstände und all den Aushandlungsprozessen zwischen den verschiedenen Parteien. Die Frage, um die sich «Die Spitalschliesser» dreht, ist die: Darf man ein Spital, das seit über hundert Jahren die Grundversorgung in der Region sicherstellt, einfach schliessen?

Ärzte stellten sich dagegen

Bisig wurde im Jahr 1980 als Spitalverwalter des Bezirksspitals gewählt. «Ich sah bald, dass neue Lösungen her mussten, weil das Spital viel zu hohe Fixkosten hatte», erzählt er und betont aber auch: «Mir ging es immer darum, die Institution zu erhalten.» Bisig sprach bei der kantonalen Gesundheitsdirektion vor und schlug eine Alternative vor: Im Spital sollte eine Akut-Neurorehabilitation entstehen, die gesundheitspolitisch relevant, aber im Kanton Zürich bis dahin nicht vorhanden war. «Die Betriebskommission und die Gemeindedelegationen konnten überzeugt werden – nicht aber die Ärztinnen und Ärzte», erinnert er sich. Denn wer auf der Chirurgie und Gynäkologie arbeitete, hätte mit der neuen Entwicklung den Job verloren.

Die Trägerschaft, die Spitalleitung, Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten, Angehörige, Gemeinden, Gewerbetreibende: All diese Parteien kommen im Roman zu Wort, wenn auch nicht namentlich. Dass er statt einer Dokumentation die Form des Romans gewählt hat, erklärt Bisig mit der zusätzlichen gestalterischen Freiheit. Und: Ein Roman ist rechtlich nicht anfechtbar. «Hätte ich mich an die damaligen realen Akteure gehalten, wären alte Konflikte aufgebrochen», ist er sich sicher. Dennoch wüssten einige Personen natürlich sehr genau, mit welcher Figur im Buch sie gemeint sein könnten.

Nach Konflikten gekündigt

Es ist nicht der erste Roman, der von Bisig im Versus-Verlag erschienen ist. Schon 2017 hat er seine Erfahrungen in dieser Form verarbeitet, allerdings in der Position des Leiters eines KMU. Beide Bücher haben also autobiografische Züge. Im neuen Roman beschreibt er mitunter, wie emotional die Gemeindeversammlungen zu- und hergingen und wie seine ganze Familie von den Konflikten betroffen war. «Ich habe damals die Stelle gekündigt, weil die Zusammenarbeit mit den Ärzten unmöglich geworden war. Mit zwei schulpflichtigen Kindern war das ein Risiko», schildert er. Nach rund vier Monaten Arbeitslosigkeit hat er schliesslich eine neue Stelle gefunden.

Aktualität im Kanton

Interessant könnte das Buch indes nicht nur, wie Bisig sagt, für am Gesundheitswesen Interessierte sein. Sondern auch, um die aktuell laufenden Prozesse in Affoltern am Albis zu verstehen: Der dortige Stadtrat hat erst am Dienstag publik gemacht, dass er der Stimmbevölkerung am 19. Mai das Ja zur Auflösung des Zweckverbands Spital Affoltern empfiehlt – und gleichzeitig ein Nein zu den beiden geplanten Nachfolgeorganisationen. Das bedeutet, dass die Gemeinde das Spital wohl aufgeben muss. Dass «Die Spitalschliesser» so aktuell ist, hätte der Autor indes nicht ­erwartet.

Richard Bisigs Buch «Die Spitalschliesser. Ein regionalpolitischer Entscheidungsprozess mit Widerständen» ist 174 Seiten lang und für 27.90 Franken unter anderem direkt beim Autor erhältlich. Dies unter seiner E-Mail-Adresse richardbisig@outlook.com.

Erstellt: 13.02.2019, 20:30 Uhr

Zur Schliessung des Akutspitals Dielsdorf

Das Bezirksspital Dielsdorf wurde 1965 neu gebaut und 1981 durch ein Krankenheim ergänzt. Träger und Betreiber waren die 22 Gemeinden des Bezirks Dielsdorf. Das Akutspital fiel der grossen Schliessungswelle Ende der Neunziger- und Anfang der Nullerjahre zum Opfer. Als Folge des neuen Krankenversicherungsgesetzes entzog der Kanton Zürich dem Akutspital die Subventionen und damit die Bewilligung, grundversicherte Patienten zu behandeln. Das Akutspital ging – zusammen mit den Landspitälern Adliswil, Bauma, Pfäffikon, Thalwil und Wald – bis vor Bundesgericht, um den Entscheid anzufechten, blieb aber ohne Erfolg. Die Regionalspitäler mussten ihre Tätigkeit im grundversicherten Akutbereich aufgeben.

Das Bezirksspital Dielsdorf wurde 1998 geschlossen. Die Furttaler Gemeinden wurden für die Akutversorgung dem Spital Limmattal in Schlieren zugeteilt, die übrigen Gemeinden dem Spital Bülach. In den Räumlichkeiten des Bezirksspitals sollte aber sehr bald etwas Neues entstehen. Die damaligen Ärztinnen und Ärzte schlossen sich zu einer Aktiengesellschaft zusammen, an der sich auch zahlreiche Privatpersonen aus der Region beteiligten. Aus Protest gründeten sie im Oktober 1999 die Adus-Klinik, welche die Räume des ehemaligen Akutspitals belegen konnte. Die Klinik besteht bis heute.

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