Regensdorf

Abfalldetektive ertappen Littering-Sünder in flagranti

Die Sammelstelle Zentrum West ist auch ein Littering-Tatort. Deshalb hat die Gemeinde dort einen privaten Sicherheitsdienst und die Polizei aufgeboten – mit Erfolg.

An der Sammelstelle Zentrum West wird so einiges entsorgt, was dort eigentlich nicht hingehört.

An der Sammelstelle Zentrum West wird so einiges entsorgt, was dort eigentlich nicht hingehört. Bild: Archiv ZU (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der ältere Herr deponiert gerade ein Säckchen, prall gefüllt mit Hausmüll, neben den Altglassammelcontainer, als auch schon Alper Bingöl, eidgenössisch diplomierter Fachmann für Sicherheit und Bewachung, vor ihm den Ausweis zückt. «Grüezi. Privater Sicherheitsdienst der Gemeinde Regensdorf», stellt er sich vor und erklärt dem Übeltäter, dass die Abfallentsorgung so nicht funktioniert und wie man es im Prinzip richtig machen würde. «Aha, das habe ich nicht gewusst», erwidert der Ertappte und beteuert, er werde es sich zu Herzen nehmen. So weit, so gut.

Neuartige Strategie

Bingöl stand an insgesamt sechs Samstagen im Mai und Juni da und bot dem Delikt Littering die Stirn. Insgesamt sieben solche öffentlichen Sammelstellen betreibt die Gemeinde, doch hier an der Sammelstelle Zentrum West sieht es oft besonders schlimm aus. Hausmüll, Sofa, Autopneus und Ähnliches werden samstags in den Kofferraum gepackt und vor dem Wochenendeinkauf an der Sammelstelle abgeladen. Praktisch, ambulant, schnell, unauffällig. Und so beseitigen Mitarbeiter des Werkhofs bis zu dreimal pro Woche und teilweise zusätzlich auch samstags reichlich Unrat. «Zu gewissen Zeiten, wie zum Beispiel um den Zügeltermin, räumen wir täglich auf. Was das die Allgemeinheit kostet, kann sich jeder ausrechnen», sagt Peter Widmer, Leiter Werkabteilung. Besonders mühsam ist, dass der Müll – kaum sind die Werkhofmitarbeiter verschwunden – «nachwächst».

Angesichts der Sauerei rund um die Sammelstellen könnte der Verdacht aufkommen, die Gemeinde schaue tatenlos zu. Peter Widmer weist diesen Vorwurf zurück. «Das Treiben der Schlaumeier, die auf Kosten der Allgemeinheit ihren Güsel bringen, ist einfach nachhaltig», sagt er.

Jetzt hat die Gemeinde Regensdorf mit dem Auftreten Alper Bingöls eine neuartige Strategie angewendet. «Bingöl ist in Regensdorf aufgewachsen und kennt die Situation. Er hat Erfahrung, denn mit ihm wurde schon vor einiger Zeit im Quartier Sonnhalde eine ähnliche Aktion durchgeführt», sagt Widmer.

Tote werden lebendig

Kaum ist der Herr mit seinem Plastiksäckchen verschwunden, hält ein Auto mit Solothurner Kennzeichen mitten auf dem Gehweg. Die Insassen schleppen fünf 110-Liter-Sammelsäcke gefüllt mit Windeln, Kleidern, PET-Flaschen und Essensresten auf den Platz. Bingöl, der zum Beispiel jedes Jahr beim WEF in Davos Persönlichkeiten bewacht, wehrt auch diese Attacke ab. «An diesen sechs Samstagen habe ich zahlreiche Sünder auf frischer Tat ertappt und belehrt», sagt Bingöl.

Rund 40-mal hat er für den Wiederholungsfall eine Anzeige bei der Polizei in Aussicht gestellt. Bingöl wurde während seiner Einsätze reichlich belogen. «So rückte zum Beispiel der besagte ältere Herr 14 Tag später wieder mit seinem Säckchen an. Diesmal allerdings unauffälliger», erzählt Bingöl. Als er erneut ertappt wurde, behauptete er, seine Frau sei gestorben, und er bringe das Abfalltrennen einfach noch nicht so auf die Reihe.

Als wenige Minuten später dann die vermeintlich Tote auftauchte und sich beschwerte, erklärte ihr Bingöl die Situation und startete dabei mit den Worten: «Zuerst einmal freut es mich, dass sie wieder leben.»

Gesicht der Täter

«Mit meinem Einsatz haben die Täter nun ein Gesicht bekommen», sagt Bingöl. Alte und Junge, Schweizer und Ausländer jubeln zu etwa gleichen Teilen ihren Güsel der Allgemeinheit unter. Praktisch denkende Frauen sind häufiger vertreten als Männer, bei denen häufig Unkenntnis im Spiel ist. Stark vereinfacht könnte man sagen, dass Dummheit und Faulheit die beiden Standbeine des Litterings sind.

Die Zahl der Verwarnungen und Belehrungen, die Bingöl aussprechen musste, hat im Laufe der sechs Samstage massiv abgenommen. «Ich spreche von Erfolg», sagt er. Gefreut hat sich der Sicherheitsmann über dankbare Kommentare aus der Bevölkerung, doch manch einer hat auch versucht, mit Bingöl zu streiten. «Ich zahle ja schliesslich Steuern» oder «Haben Sie nichts anderes zu tun, als den Leuten hier auf die Nerven zu gehen», hat er sich anhören müssen, doch so richtig unangenehm sei niemand geworden.

Polizei büsst

«Die Gemeindepolizei war von der Aktion informiert und wäre schnell zur Stelle gewesen», sagt Bingöl. An einem der Samstage übernahm die Gemeindepolizei in Zivil die Kontrollfunktion gleich selber . «Sporadisch und an Orten, wo es Probleme mit Littering gibt, machen wir das gelegentlich und werden es auch in Zukunft verstärkt tun», erklärt Gemeindepolizist Christian Clavadetscher.

Einige fehlbare Entsorger wurden an diesem Samstag polizeilich verwarnt, und zweimal wurde eine Ordnungsbusse in der Höhe von 100 Franken verhängt, als jemand Gestelle deponieren wollte. Clavadetscher erklärt: «Littering ist unakzeptabel. Es gehört doch zum Anstand und zum Respekt gegenüber anderen Menschen, dass man sich bei der Abfallentsorgung korrekt verhält.» Bei der Gemeinde Regensdorf jedenfalls ist es sicher: Man wird auch weiterhin regelmässig Kontrollen durchführen, um den Abfallsündern an den Sammelstellen den Riegel vorzuschieben.

Erstellt: 14.07.2015, 16:41 Uhr

An der Sammelstelle Zentrum West in Regensdorf sorgt Sicherheitsexperte Alper Bingöl im Auftrag der Gemeinde Regensdorf für Ordnung. (Bild: Beatrix Bächtold)

Artikel zum Thema

Littering verursacht immer grösseren Aufwand

Region Gemeinden müssen einen grossen Aufwand betreiben, um Littering zu bekämpfen. Immer wieder werden auch nicht mehr gebrauchte Möbel im Wald entsorgt oder Säcke voller Flaschen neben Sammelstellencontainern abgeladen. Mehr...

Verein kämpft gegen Littering

Embrach Seit vier Wochen machen in Embrach die Anti-Littering-Plakate des Vereins Lebenswertes Embrachertal auf das Abfallproblem am Strassenrand aufmerksam. Die Kam­pa­gne zeigt Wirkung. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!