Dielsdorf

Abwahl in Pfarrei — Rekurs hängig

An der Kirchgemeindeversammlung der katholischen Pfarrei St. Paulus Dielsdorf kam es zu einer Überraschung. Der langjährige Pfarreibeauftragte Jürgen Kulicke wurde von den Stimmberechtigten nicht wiedergewählt. 48 Personen haben Rekurs eingereicht.

Die Kirche St. Paulus in Dielsdorf. (Archiv)

Die Kirche St. Paulus in Dielsdorf. (Archiv) Bild: Sibylle Meier

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Wer eine E-Mail an Jürgen Kulicke, den Pfarreibeauftragten der katholischen Pfarrei St. Paulus Dielsdorf, sendet, erhält eine automatische Antwort: «Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin bis auf weiteres krank und nicht erreichbar. Ihr Mail wird nicht bearbeitet. Es wird gelöscht.» Kulicke ist aber nicht nur körperlich angeschlagen, er ist auch seelisch zutiefst erschüttert.

Was ist geschehen? Am 11. Juni fand im Pfarreizentrum St. Paulus die Kirchgemeindeversammlung statt. Dabei standen drei Geschäfte auf der Traktandenliste: Genehmigung der Rechnung 2017, Genehmigung eines Projektkredits zur Sanierung der Kirche und Wahlen. Vor allem das letzte Geschäft sorgt auch knapp zwei Wochen nach der Versammlung noch für Gesprächsstoff. Dort stellte sich Jürgen Kulicke nämlich zur Wiederwahl als Pfarreibeauftragter. Die Kirchenpflege sowie auch er selbst gingen davon aus, dass er wiedergewählt wird. Es kam jedoch anders. Kulicke erhielt mehr Nein- als Ja-Stimmen.

«Aus heiterem Himmel»

Jürgen Kulicke, der seit bald zwölf Jahren für die katholische Pfarrei Dielsdorf arbeitet, ist verletzt: «Ich bin sehr überrascht ab diesem Resultat. Es kam für mich aus heiterem Himmel.» Obwohl er kein Priester ist, hat auch er in der Vergangenheit manche Gottesdienste abgehalten.

Bei der Bevölkerung scheint er ausserdem sehr beliebt zu sein. «Ich erhielt nach der Versammlung viele positive Zuschriften, in denen mir die Leute ihre Unterstützung in diesen schweren Zeiten zusicherten.» Dies sei sehr berührend.

Für Flüchtlinge eingesetzt

Die Abwahl von Jürgen Kulicke beschäftigt auch Francesco Mordasini, der Pfarrer bei der reformierten Kirche Dielsdorf ist. «Ich bin überrascht von dem Resultat.» Die beiden pflegen trotz unterschiedlicher Konfessionen einen intensiven Austausch. «Die ökumenische Zusammenarbeit läuft nicht zuletzt dank Jürgen Kulicke so gut», sagt Mordasini.

Die reformierte und die katholische Kirche organisieren zudem jede Woche ein Mittagessen, zu dem Flüchtlinge eingeladen werden. Ruft das etwa Gegner auf den Plan? Darüber könne man laut Pfarrer Mordasini nur spekulieren. «Es kann aber schon sein, dass es Leute gibt, die unzufrieden sind, weil wir uns so sehr für die Flüchtlinge einsetzen.»

Rekurs eingereicht

Die Abwahl von Jürgen Kulicke löste auch bei der Kirchenpflege Erstaunen und Betroffenheit aus. Personalvorsteherin Therese Dörflinger: «Lediglich drei Mitglieder hätten anders stimmen müssen.» Ausserdem seien keine Gründe für die Abwahl genannt worden. Klar ist: Auf Antrag eines Kirchgemeindemitgliedes wurde die Wahl geheim und nicht wie sonst mit Handerheben abgehalten. Jürgen Kulicke erhielt 31 Ja- und 35 Nein-Stimmen und wurde somit abgewählt.

Dies löste bei vielen anderen Mitgliedern grosses Unverständnis aus. Inzwischen wurde gar ein Rekurs mit 48 Unterschriften eingereicht. Der Grund: In den Ausschreibungen zur Versammlung, im Pfarreiblatt sowie in der Zeitung, sollen wichtige Details zu den Traktanden verschleiert worden sein. So war beispielsweise lediglich das Geschäft Wahlen angekündigt. Die Stimmberechtigten erfuhren aber nicht, um welche Ämter es sich dabei handelte.

66 Stimmberechtigte waren bei der Versammlung anwesend. Auffallend viel mehr als sonst. Dies deutet auf eine abgesprochene Sache hin.

Noch kein Nachfolger

Jürgen Kulicke muss, Stand jetzt, sein Amt als Pfarreibeauftragter am 30. Juni abgeben. Bis die Rekurskommission der katholischen Kirche im Kanton Zürich einen Entscheid gefällt hat, wird er also sicher keine Gottesdienste mehr abhalten dürfen. Der Entscheid wird frühestens im Herbst gefällt. Bisher wurde auch noch kein Nachfolger bestimmt. «Ich bin offen für konstruktive Lösungen, auch zum Wohle der Pfarrei», sagt Kulicke.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 24.06.2018, 17:53 Uhr

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