Dielsdorf

Ärzte besorgt um Notfalldienst

Der Mangel an Hausärzten sorgt dafür, dass die Organisation des Notfalldienstes überdacht werden muss. Im Unterland wartet man noch ab.

Finden Ärzte und Gemeinden keinen Konsens, müssten die Notfallpraxen in Spitälern noch mehr Patienten behandeln.

Finden Ärzte und Gemeinden keinen Konsens, müssten die Notfallpraxen in Spitälern noch mehr Patienten behandeln. Bild: Archiv/ Balz Murer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Problem ist seit Jahren bekannt: Für Hausärzte, die pensioniert werden, werden oft keine Nachfolger gefunden. Das macht es für verbleibende Ärzte immer schwieriger, den Notfalldienst zu organisieren. Der Notfalldienst umfasst alle Fälle, die nicht lebensbedrohlich sind und daher nicht über die Notrufnummer 144 abgewickelt werden. «Auch im Zürcher Unterland müssen immer weniger Ärzte unter sich den Notfalldienst organisieren», sagt der Dielsdorfer Arzt Peter Wespi, Präsident der Ärztegesellschaft des Zürcher Unterlandes (Azul).

Die Azul hat bei der Abdeckung des Notfalldienstes aber noch weitere Probleme. Das Zürcher Unterland ist in acht verschiedene Notfalldienstkreise unterteilt und gleicht dabei einem veritablen Flickenteppich. «Wir müssen uns deshalb in Zukunft grossflächiger organisieren», sagt Wespi. Etwa 100 000 Einwohner sollte ein Notfalldienstkreis versorgen, im Wehntal sind es aber beispielsweise nur 17 000 Einwohner.

Einheitliches System als Lösung vorgeschlagen

Weiter sei die Abdeckung problematisch, weil heute viele Ärzte angestellt sind und vom Arbeitsgesetz her gar nicht für die erforderliche Menge an Pikettdienst eingestellt werden können. «Und im Vergleich zu früheren Generationen ist zu beobachten, dass bei den Ärzten nicht mehr dieselbe Bereitschaft besteht, regelmässig von Freitagabend bis Montagmorgen auf Abruf bereit zu sein.»

Dass das Thema akut ist, zeigte sich an der Herbstversammlung der Azul am Donnerstag. Sie hat dazu die AGZ Support AG eingeladen. Das Unternehmen wurde von der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) gegründet, um den Notfalldienst im Kanton weiterhin sicherzustellen. Den Gemeinden bietet das Unternehmen eine einheitliche Lösung inklusive ärztlicher Triage und Partnerorganisationen an, welche 24 Stunden lang einen aufsuchenden Dienst zur Verfügung stellen.

Dazu müssten die Gemeinden aber einen Betrag von 10 Franken pro Einwohner pro Jahr bezahlen. «Das bisherige System der Ärzte ist an einen Punkt gelangt, an dem es zerreisst», sagt Thomas Biedermann, der CEO der AGZ Support AG. Ohne die finanzielle Unterstützung der Gemeinden könne die Ärztegesellschaft den Notfalldienst nicht mehr wie bis anhin organisieren.

Der Streit um die finanzielle Unterstützung führt dazu, dass ab 1. Januar an vielen Orten noch nicht klar ist, wer in Zukunft die Notfalldienstversorgung übernimmt. Nur Fehraltorf hat bisher einen Vertrag mit der AGZ Support AG unterzeichnet. Der Gemeindepräsidentenverband empfindet den geforderten Betrag als nicht nachvollziehbar. Zudem hat er mit einem rechtlichen Gutachten festgestellt, dass die Gemeinden nicht zuständig seien für den Notfalldienst. «Richtig ist: Die Ärzte haben eine Notfalldienstpflicht und müssen an der Organisation des Notfalldienstes mitwirken», sagt Biedermann dazu. Diese Organisation hätten die Ärzte bisher freiwillig selbst übernommen, wodurch die Gemeinden entlastet worden seien. Doch eigentlich sei die Organisation dieser öffentlichen Aufgabe laut Gesundheitsgesetz Sache von Kanton und Gemeinden.

Noch mehr Bagatellfälle könnten Spitäler belasten

Finden die Ärzte und die Gemeinden keine Lösung, kann dies dazu führen, dass der Notfalldienst an die Spitäler ausgelagert wird. «Ein Notfall im Spital kostet aber fünf- bis achtmal mehr als wenn er von einem Arzt im Notfalldienst behandelt worden wäre», gibt Biedermann zu bedenken. Die Folge: Die Spitäler werden noch mehr mit Bagatellfällen belastet, die höheren Kosten werden auf die Krankenkassenprämien abgewälzt. «Unter dem Strich käme dies den Einzelnen teurer zu stehen als unsere Lösung.»

Immerhin: Im Unterland soll vorerst alles beim Alten bleiben. «Wir wollen nicht erpresserisch vorgehen und wir wollen auch keine Panik machen», sagt Peter Wes­pi. Man beobachte nun, wie die Gemeinden auf das Angebot der Ärztegesellschaft reagieren. Zudem warte man eine Sitzung am 6. Dezember mit Gesundheits­direktor Thomas Heiniger ab. «Trotzdem: Es zeichnet sich ab, dass wir auch im Unterland in Zukunft mit unserem Anliegen bei den Gemeinden vorstellig werden und erklären müssen, dass der Notfalldienst seinen Wert hat.» Wespi zieht zudem einen interessanten Vergleich: «Die Feuerwehr kostet pro Einwohner übrigens deutlich mehr, nämlich etwa 40 bis 60 Franken pro Jahr.»

Erstellt: 14.11.2016, 11:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!