Dänikon

Alle lachen – nur eine nicht

Solo und mit ungerührter Miene als Markenzeichen ist Hazel Brugger derzeit auf Tour. Das Ausnahmetalent der Kleinkunstszene ist im Anna-Stüssi-Haus aufgetreten.

Hazel Brugger, frisch gekürte Gewinnerin des Swiss Comedy Award, bei ihrem Gastspiel in Dänikon.

Hazel Brugger, frisch gekürte Gewinnerin des Swiss Comedy Award, bei ihrem Gastspiel in Dänikon. Bild: Martina Kleinsorg

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Wer Hazel Brugger auf die Bühne bittet, erwähnt im gleichen Atemzug meist ehrfurchtsvoll den Gewinn des Salzburger Stiers und des Deutschen Kleinkunstpreises. Vergangene Woche kam der Swiss Comedy Award hinzu.

«Da haben wir ja Glück gehabt, Hazel Brugger so früh zu buchen, sonst wäre sie wohl nicht nach Dänikon gekommen», kündigt Isabelle Eggenschwiler, Programmleiterin der Kulturkommission, das Aushängeschild der heimischen Kleinkunstszene am Samstagabend im ausverkauften Anna-Stüssi-Haus an. Mit ihrem ersten abendfüllenden Soloprogramm «Hazel Brugger passiert» tourt die 23-Jährige derzeit durch die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Mit ungerührter Miene

Ihren Spass am Spiel mit Worten lässt Bruggers Miene kaum erahnen, das Lächeln bleibt meist nur angedeutet. «Dass ich heute hier auftreten darf, rührt mich fast schon. Nein, eigentlich ist es mir egal. Dafür habe ich einen kurzen Heimweg», nimmt sie Bezug auf ihr Dielsdorfer Elternhaus. Ursprünglich komme sie aus dem Poetry-Slam, den «Paralympics der Literaturszene». «Man kann dort zwar gewinnen, aber das interessiert niemanden», meint die Schweizer Meisterin von 2013.

Mit absurdem, teils bitterbösem Humor und eigentümlichem Sprachwitz spannt Brugger über zweimal 45 Minuten den Bogen von der Zeugung bis zum Tod.

«Es ist ja nicht immer einfach, ein Kind zu bekommen. Doch wenn man sich manche Leute anschaut, denkt man, es ist wohl doch nicht schwer genug.»

Vom herzigen Göttibub, dessen Name ihr entfallen sei ­– «irgendwann kann man ja nicht mehr nachfragen, das wäre unhöflich», kommt die im kalifornischen San Diego geborene Brugger auf die eigene Kindheit zu sprechen: «Meine Eltern brauchten daheim jemanden zum Mobben. Wer sein Kind Hazel nennt, vergisst es auch auf der Autobahnraststätte.»

Ohne Angst vor Tabus

Brugger widmet sich Themen wie Steuererklärung und Stressabbau, Liebe, Romantik und verbaler Verhütung. Man müsse beispielsweise nur im richtigen Moment zum anderen etwas Wahres sagen. Zum Beispiel: «Auf genbiologischer Ebene hast du jetzt eben zu 50 Prozent Sex mit meinem Papi.»

Der Lust an der Provokation gibt sie sich in «fünf Minuten, die nur ich witzig finde» bei tabuisierten Begriffen hin: «Sodomie ist das einzige Wort der deutschen Sprache, welches nur aus abgekürzten Wochentagen besteht.» Sie beglückt das Publikum mit einer selbst geschriebenen Veranstaltungskritik «Brugger weiss auch unter der Gürtellinie zu begeistern» und tröstet mit der Gewissheit: «Eines Tages stirbt man, aber alle anderen nicht.» Sollte die Zuneigung zum Partner bereits vor dem Tod vergehen, bevorzugt Brugger die Trennung per Postkarte, dem «Twitter des 18. Jahrhunderts, nur mit einem Follower». Sie empfiehlt einen Zweizeiler: «Das Wetter ist hier, ich wünschte, du wärst schön.»

«Grosse Karriere vor sich»

Christoph und Jeannette Saner zeigen sich vom Talent der jungen Frau beeindruckt. «Wir kannten sie vom Fernsehen. Bewundernswert, wie schnell und konzentriert sie Gedanken entwickelt, verwebt und weiterspinnt. Mit einer speziellen Frechheit spricht sie aus, was ­andere vielleicht nur denken», meint die Dänikerin. Ihr Mann ergänzt: «Sie hat noch eine grosse Karriere vor sich.»

Brugger schätzt den Auftritt auf der kleinen Bühne. «Wenn du 1000 Leute im Saal hast, wird nur noch konsumiert – da kann man genauso gut zusammen fernsehen.»

Erstellt: 25.09.2017, 09:10 Uhr

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