Rümlang

Alte Balken überbrücken die Glatt

Erbauer der 250-jährigen Brücke, die nahe des Flughafengefängnisses über die Glatt führt, war Johannes Grubenmann. Er und sein Bruder gelten als wichtige Baumeister des 18. Jahrhunderts. Nur wenige ihrer Holzbrücken sind erhalten.

Die Grubenmannbrücke, 1950/51 von Oberglatt an ihren heutigen Standort gezügelt.

Die Grubenmannbrücke, 1950/51 von Oberglatt an ihren heutigen Standort gezügelt. Bild: Picasa/Jasminka Huber

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Rümlang. Wer den Veloweg 29, die Glatt-Route, mit dem Rad befährt, überquert in Rümlang die Glatt auf historischen Balken. Ganz unscheinbar und fast etwas verloren, präsentiert sich im Rohr, in der Nähe des Flughafengefängnisses, eine 250 Jahre alte Holzbrücke. Dabei würde es sich lohnen, inne zu halten und diese etwas näher anzuschauen, ist sie doch die letzte ihrer Art, abgesehen von zwei kleineren Exemplaren in Appenzell Ausserrhoden.Die 28 Meter lange Brücke ist als Hängewerk konstruiert. Das bedeutet, dass die Lasten von Hängesäulen übernommen werden, die wiederum an Stabpolygonen hängen, so dass die Last der Brücke am Tragwerk hängt. Auf diese Art befinden sich keine Bauteile unterhalb der Fahrbahn, und sie sind somit auch keinem Hochwasser ausgesetzt. Das Ziegel-Walmdach und die Seitenwände wurden damals gebaut, um das Holz vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Die Baumeister Grubenmann

Erbaut wurde die Holzbrücke von Johannes Grubenmann. Er gehörte im 18. Jahrhundert zusammen mit seinen Brüdern Hans Ulrich und Jakob zu den bedeutendsten Bauleuten der Schweiz. Charakteristisch sind ihre weit gespannten Holzbrücken, weiträumigen Kirchen und prächtigen Bürgerhäuser.

Die aus Teufen stammenden Grubenmanns hatten zwar keine grosse Schulbildung, dafür aber das Wissen von Generationen. Man bezeichnet die Grubenmanns heute auch als Baumeister der Intuition. Erst mit den ersten akademisch gebildeten Architekten schwand ihr Einfluss. Die meisten ihrer Holzbrücken wurden von den Franzosen 1799 bei ihren Rückzügen zerstört, wie zum Beispiel auch die 119 Meter lange Rheinbrücke zwischen Schaffhausen und Feuerthalen.

28 Meter lang, 100 Tonnen schwer – die Glattbrücke bei Rümlang ist die letzte grössere Grubenmann-Brücke der Schweiz.

Ursprünglich stand die Brücke in Oberglatt. Sie wurde von der damaligen Gemeinde in Auftrag gegeben und 1767 fertiggestellt. Seit dem 17. Jahrhundert kam es immer wieder zu Glattkorrektionen. Als es zwischen 1937 und 1953 zu einer erneuten Absenkung der Flusssohle zwischen Wallisellen und Niederglatt kam, ergaben sich technische Schwierigkeiten mit dem Bauwerk, so dass der Kanton 1950 beschloss, die Brücke nicht abzubrechen, sondern mit dem Originalmaterial und nach den ursprünglichen Plänen auf dem Gebiet Eich in Rümlang wieder aufzubauen. Interessanterweise gab es damals noch keine geplante Strassenverbindung dazu. Diese erfolgte erst mit der Erschliessung der Alten Rohrstrasse.

«Das ist unsere Brücke!»

Der heute 87jährige Jakob Keller arbeitete in den 50er-Jahren als Bauingenieur für den Flughafen und wurde früh auf die Brücke aufmerksam. Er befuhr damals selber noch die alte Verbindungsstrasse von Rümlang nach Opfikon, bevor die Flughofstrasse gebaut wurde.

Keller erinnert sich auch an seine Zeit als Rümlanger Gemeinderat in den 80er- und 90er- Jahren. Damals seien die Rümlanger Brücken über die Glatt saniert worden. Als es aber um die Grubenmann-Brücke ging, habe die damals zuständige Brückenbau-Abteilung der Baudirektion des Kantons Zürich fast mit Drohfinger gesagt: «Daran macht ihr nichts, das ist unsere Brücke!»

Und wie ist die Situation heute? Rolf Schneiter vom Tiefbauamt des Kantons Zürich erklärt auf Anfrage: «Wir sind im Moment zusammen mit der Denkmalpflege dabei abzuklären, wie der Bauzustand der Brücke ist, damit in Zukunft allenfalls notwendige bauliche Massnahmen ergriffen werden können.» Zu wünschen wäre es der Brücke, die heute nur noch von Velofahrern und Fussgängern benutzt werden darf.

Bezahlung nach Probezeit

Um die Brücke rankt sich übrigens eine Anekdote. Wie so oft, ging es auch damals ums Geld. Nach der Fertigstellung hätten die Arbeiter einen Geldbeutel an das Portal gehängt mit einem Zettel und dem Spruch: «Witzig und verständig Lüt wüssed, was das Ding bedüt.» Woraufhin die Oberglatter hinzufügten: «Herr Grubema, en brave Ma, aber s Bättle chönt er blibe la.» Im Buch «Oberglatt hat Geschichte» von Beat Frei steht geschrieben, dass die Oberglatter Grubenmann seinen Lohn erst nach einer «Probezeit» von einem Jahr ausbezahlt hätten, dieser aber offenbar schon vorher auf sein Geld gepocht hätte. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.10.2017, 16:46 Uhr

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