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Angst vor Asylzentrum mobilisiert

Grossaufmarsch am Dienstag in Rümlang: Die für viele ernüchternde Asylinfo mit Regierungsrat Mario Fehr und der Vizedirektorin des Staatssekretariats für Migration, Barbara Büschi, begann hitzig, aber endete nach zwei Stunden und trotz vieler Emotionen doch in geordneten Bahnen.

Schon heute ist die Anlage Haselbach gut gesichert. Nach Abzug des Militärs 2021 muss hier für die neue Nutzung zuerst umgebaut werden.
Schon heute ist die Anlage Haselbach gut gesichert. Nach Abzug des Militärs 2021 muss hier für die neue Nutzung zuerst umgebaut werden.
Francisco Carrascosa

Dicht an dicht drängten sich gegen 500 Personen im Gemeindesaal von Rümlang, darunter auch einige auswärtige Interessierte. Bis in den Vorraum hinaus staute sich die Menge. Mobilisiert durch das Thema Asyl in Kombination mit den bis dahin noch unbekannten Plänen des Bundes hatte dies bei den meisten Anwesenden ein ungutes Gefühl ausgelöst, das am Ende bei manchen zumindest etwas nachgelassen haben dürfte.

Richtig hitzig wurde es aber schon zu Beginn der Informationsveranstaltung über die Pläne des Bundes für ein neues Bundesasylzentrum in der Gemeinde. «Wir haben beschlossen, dasszuerst die Bevölkerung drankommt», eröffnete Gemeindepräsident Thomas Hardegger (SP) den Infoabend. Schon ertönten die ersten «Buuuhs» und schrilles Trillerpfeifen durchschnitt die Worte. Nur vier Tage vorher eingeladen worden zu sein, sei zu kurzfristig, eine «Frechheit», empörten sich einige.

Die lautstarken Unmutsbekundungen wiederholten sich noch einige Male. Auch dann, als Hardegger beteuerte, selbst in dieser für Rümlang ungünstigen Ausgangslage im Gesamtinteresse der Gemeinde zu handeln. Dazwischen horchten die Anwesenden gespannt den offiziellen Informationen und liessen davon ab, alles niederzuschreien.

So erfuhren die Rümlanger, dass frühestens ab 2023 die bisherige Militäranlage Haselbach zu einem Bundesasylzentrum umgebaut wird. Dort, etwa einen Kilometer ausserhalb des Dorfes, werden dereinst maximal 150 Personen warten, die meisten auf ihren Ausreiseentscheid.

Alkohol- und Zigarettenverbot

Die Kinder der Asylsuchenden werden im Zentrum geschult, die örtliche Schule also nicht zusätzlich belasten. Ausserdem verstärke die Polizei ihre Patrouillen und ein Sicherheitsdienst sowie Asylbetreuer seien 24 Stunden vor Ort. Tagsüber sei das Zentrum offen, strenge Zutrittskontrollen sollen den Drogenhandel unterbinden, selbst Alkohol und Zigaretten seien im Zentrum nicht erlaubt, wurde den Bürgern erklärt.

Auf der Bühne gaben sich die Verantwortlichen von Bund, Kanton und Gemeinde alle Mühe, sich nicht von Zwischenrufen provozieren zu lassen. Regierungsrat Mario Fehr (SP) hatte sich durch seine resolute Art rasch etwas Respekt verschafft. «Das grosse Interesse ist ein gutes Zeichen für eine lebendige Demokratie.» Dazwischenrufen, pöbeln und niederschreien würde da allerdings nicht hingehören, mahnte er.

Vizedirektorin nachgeäfft

«Buuuh finde ich kein so gutesArgument. Stellen Sie doch jetzt Fragen. Im Fussballstadion ist ‹buuuh› schon in Ordnung, aber da sind wir ja jetzt nicht», meinte Fehr. Auch brüstete sich der momentane Zürcher Regierungspräsident damit, dass man gerade ihm ja nicht vorwerfen könne, dass er die Asylpolitik nicht vollziehen wolle. Zuweilen harte Kritik hatte Fehr zuletzt nämlich öfters aus den eigenen linken Reihen entgegen­nehmen müssen. Zu hartherzig und zu strikt, warf man ihm von dieser Seite schon vor.

Als Alt-Gemeindepräsident Werner Bosshard (SVP) meinte, dass man Überbringer von schlechten Nachrichten früher umgebracht habe und danach noch die Vizedirektorin des Staatssekretariats für Migration, Barbara Büschi, in gekünsteltem Berndeutsch nachäffte, reagierte auch diese mit deutlichen Worten. «Ich bin gerne draussen in den Gemeinden und rede mit der Bevölkerung, aber so blöd müssen Sie nicht mit mir reden.»

Kriminalität stets rückläufig

Die Sorgen Bosshards und auch vieler anderer vor «schwarzen und braunen Männern» im Dorf und auf dem Vita-Parcours konterte Büschi mit der Kriminalitätsstatistik. «Ich verspreche den Leuten nie, dass es keine Probleme geben wird. Aber dort, wo wir ein solches Zentrum eröffnet haben, ist die Kriminalitätsrate immer gesunken.»

Das bestätigte auch Urs von Däniken, Chef Asylzentren des Bundes, mit der Aussage, dass es bislang überhaupt keine Übergriffe von Leuten aus Bundeszentren heraus gegeben habe. «Dort ist es nicht a priori gefährlich. Gehen Sie ruhig spazieren.»

Zum Schluss sorgte der lokale SVP-Präsident, Peter Schindler, für etwas Wirbel im Saal. Er rief zu einer Ad-hoc-Abstimmung mittels Applaus auf, worauf die Gegner der Bundespläne nochmals laut wurden. Bei Lichte betrachtet, bekommt Rümlang als Gegenleistung für das Bundesasylzentrum von Bund und Kanton aber einiges zugestanden.

«Wir werden im Asylwesen keine zusätzlichen Kosten mehr haben für die Unterbringung, Betreuung, Sicherheit und Gesundheit», bestätigte SVP-Gemeinderätin Rosita Buchli. Bereits ab nächstem Jahr dürfen die 54 Asylplätze in der Gemeinde stufenweise abgebaut werden. Und ab 2021 wird sich Rümlang um gar keine «eigenen» Asylbewerber im Dorf mehr kümmern müssen.

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