Dielsdorf / Boppelsen

Anklage fordert für Angriff auf Grosstante 11,5 Jahre

Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Dielsdorf eine Freiheitsstrafe von 11,5 Jahren für einen 22-Jährigen gefordert. Der junge Mann ist wegen versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt. Er prügelte im vergangenen Jahr in Boppelsen seine Grosstante fast zu Tode.

Die Staatsanwaltschaft will den 22-jährigen Mann mit 11,5 Jahren Freiheitsstrafe sanktionieren.

Die Staatsanwaltschaft will den 22-jährigen Mann mit 11,5 Jahren Freiheitsstrafe sanktionieren. Bild: Keystone

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Das Bezirksgericht Dielsdorf hat sich am Donnerstag mit einem 22-jährigen Schweizer befasst, der im vergangenen Jahr in Boppelsen ZH beinahe seine Grosstante zu Tode geprügelt hatte. Die Staatsanwaltschaft forderte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 11,5 Jahren. Das Urteil wird am Freitag bekannt gegeben.

Die Tat vom März 2016 erschütterte das Dorf im Zürcher Unterland: Ein damals 21-jähriger Schweizer hatte seine Grosstante, eine 76-jährige Schweizerin, brutal attackiert und fast totgeschlagen.

Der junge Mann, der im Ausland aufwuchs, kam erst kurze Zeit zuvor in die Schweiz, lebte seither bei seiner Grosstante und suchte vergeblich nach Arbeit. Die Stimmung im Haus war sehr angespannt, das Zusammenleben schwierig.

Die Seniorin, die in der Nachbarschaft als schwierig gilt, soll dauernd wütend auf ihren Grossneffen gewesen sein, ihn angeschrien und beleidigt und ihn für einen Schmarotzer gehalten haben. «Er war nicht willkommen und bekam dies auch zu spüren», sagte seine Verteidigerin.

Unter Lattenrost und Stofftieren

Die Situation spitzte sich endgültig zu, als er aus Geldnot eine alte Pistole aus dem Besitz der Seniorin verkaufte. Sie wollte ihn deswegen auf die Strasse stellen und rief auch die Polizei. Er getraute sich daraufhin nicht mehr aus dem Haus, verpasste ein Vorstellungsgespräch und wurde deswegen erneut von ihr angeschrien.

Später an diesem Tag schlug er ihr schliesslich mit einem zwei Kilogramm schweren Gewichtsstein auf den Hinterkopf. Anschliessend prügelte er mit Händen und Füssen auf sie ein, verliess den Raum, holte eine volle Flasche Wein und schlug sie ihr so heftig über den Kopf, dass die Flasche zerbrach.

Danach begrub er die schwerverletzte Frau unter verschiedenen Gegenständen wie einem Lattenrost, einer Matratze, Decken, Kissen und Stofftieren, bis sie sich nicht mehr bewegen konnte.

«Brutale und verwerfliche Tat»

Die Staatsanwältin forderte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 11,5 Jahren. Sie sprach von einem «gravierenden Fall». Der Täter erscheine zwar als freundliche, höfliche und schüchterne Person, «seine Tat war aber brutal und verwerflich».

Er habe bewusst und gewollt mit Gegenständen, seinen Händen und Füssen zugeschlagen und dabei den Tod seiner Grosstante in Kauf genommen. Ausserdem habe er danach «erbarmungslos nachgedoppelt». Für die Staatsanwältin war es nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass die Frau den Angriff überlebt hat. Sie anerkannte aber auch, dass die Tat spontan geschah und er von seiner Ausweglosigkeit getrieben wurde. «Es gibt aber nichts, was die Tat entschuldigt.»

«Ungerecht behandelt»

Die Verteidigerin sah in der Tat lediglich eine schwere Körperverletzung und forderte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon ihr Mandant 12 Monate absitzen solle. «Ihm war von Anfang an bewusst, dass er etwas Schlimmes gemacht hat, und er arbeitete mit den Behörden zusammen», sagte sie. Er könne seine Tat nicht fassen und bereue sie täglich.

Sie beschrieb vor Gericht die schwierige Situation, in der sich der junge Mann befand. «Er hatte Existenzangst und Panik. Zudem fühlte er sich ungerecht behandelt.» Wären nur Kleinigkeiten anders gelaufen, wäre die Tat nicht passiert, gab sie sich überzeugt. «Doch die Vorkommnisse haben sich kumuliert.»

Da das psychiatrische Gutachten eine geringe Rückfallgefahr sieht, forderte die Anwältin eine zweite Chance. «Er hat sie verdient.»

«Es tut mir leid»

Auch der Beschuldigte, der von Anfang an geständig war und unter einer schwierigen Kindheit litt, äusserte sich vor Gericht. «Ich wollte sie nicht töten.» Er wisse nicht, was er genau wollte. Aber irgendwie sei er ausgerastet. Er bekam Panik und hatte Angst - «auch vor mir selber.» Die Bilder seiner Tat kämen nun ab und zu hoch. «Ich versuche dann, an etwas anderes zu denken.»

Der Mann, der sehr schüchtern und zurückhaltend wirkte, zeigte sich reuig. «Mir ist bewusst, dass ich eine Straftat begangen habe. Das kann man nicht entschuldigen. Aber es tut mir leid», sagte er. Das Bezirksgericht Dielsdorf wird das Urteil am Freitag verkünden. (mcp/sda)

Erstellt: 23.02.2017, 12:28 Uhr

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