Zum Hauptinhalt springen

Anonymer Brief provoziert Anzeigen wegen Ehrverletzung

In der Gemeinde kursiert ein Schreiben, in dem explizit von der Wiederwahl von Nadia und Marcel Isenring abgeraten wird und ihnen Mobbing und Misswirtschaft angelastet werden. Das Ehepaar weist die gemachten Vorwürfe von sich, andere Betroffene unterstützen sie dabei.

In der Gemeinde Niederglatt macht derzeit ein anonymes Schreiben die Runde, welches das Ehepaar Isenring verunglimpft.
In der Gemeinde Niederglatt macht derzeit ein anonymes Schreiben die Runde, welches das Ehepaar Isenring verunglimpft.
mcp

«Keine Isenrings mehr in Niederglatter Behörden!» steht im anonymen Schreiben, das seit vergangener Woche in der Gemeinde kursiert. Als Absender ist die «IG Filzfreies Niederglatt» angegeben – wer dahintersteckt, ist nicht bekannt. Im Text werden der Primarschulpflegerin Nadia Isenring (SVP) und ihrem Ehemann Marcel Isenring (SVP), Mitglied der Sekundarschulpflege Niederhasli, Niederglatt und Hofstetten (Niniho), unterschiedliche Verfehlungen im Rahmen ihrer Ämter angekreidet – von Begünstigung bis zu schlechtem Umgang mit Geld. Beide kandidieren an der morgigen Wahl erneut.

Das Schreiben

Nadia Isenring habe den Schulhausabwart Urban Rosenberg – er kandidiert morgen für den Gemeinderat – rausgemobbt, heisst es im Schreiben. Dies, weil ihr Mann und Rosenberg in der Feuerwehr angeblich Streit hatten. Neben mehreren Fehlentscheiden als Primarschulpfle­gerin habe sie auch die Rücktritte von drei Kollegen zu verantworten.

Die Vorwürfe an Marcel Isenring betreffen in erster Linie das Finanzielle: Als Bauführer sowie als Ressortinhaber Liegenschaften habe er seinem Arbeitgeber sämtliche Aufträge zu über­rissenen Preisen vermittelt. Ausserdem sei er schuld an den Überschreitungen des Budgets der Kreisschulgemeinde Niniho. Auch eine dort vermeintlich anstehende Steuererhöhung sei ihm anzulasten.

«Dies sind haltlose Vorwürfe, die nicht der Wahrheit entsprechen», sagt Nadia Isenring auf Anfrage. Wer der Absender des Briefes sei, wisse sie nicht. Sie und ihr Mann hätten Strafanzeige gegen unbekannt erstattet ­wegen übler Nachrede, Verleumdung und Beschimpfung. Die Ermittlungen der Kantonspolizei sind im Gang: «Wir wollen die Täterschaft eruieren und anzeigen», bestätigt Mediensprecherin Carmen Surber.

Urheberschaft unbekannt

Beim Schreiben handelt es sich nicht etwa um ein reguläres Flugblatt, das in Briefkästen verteilt und an öffentlichen Orten ausgehängt wird. Die Nachricht wurde adressiert und auf dem Postweg versendet.

Stefan Schmid, Präsident SVP Bezirk Dielsdorf und Kandidat für das Gemeindepräsidium Niederglatt, äussert sich zum Geschehen: «Die Urheberschaft ist unbekannt, hat jedoch eine erhebliche Summe Geld in die Hände genommen, da das Schreiben an Hunderte Haushaltungen mit Briefmarke frankiert in Auftrag gegeben wurde.» Dies hätten seine Beobachtungen ergeben. «Wir bei der SVP haben festgestellt, dass viele Personen im Dorf das Schreiben erhalten haben. Danach haben wir weiter rumgefragt, teilweise sind auch Leute auf uns zugekommen», fährt er fort. Der Brief habe Leute aus allen Quartieren erreicht. Häufig seien Personen Adressaten gewesen, die man im Dorf kenne und deren Adressen im Telefonbuch stünden. Er selbst sowie viele andere Mitglieder seiner Partei hätten kein Schreiben erhalten – dies gelte auch für Nadia und Marcel Isenring selbst.

Das Postfach

Nach der Unterschrift «IG Filzfreies Niederglatt» wird ein Postfach genannt. Ein Hinweis auf die Täterschaft? Eher ein Irrweg. Die Postfachadresse läuft auf die Primarschulpflege Niederglatt, diese dementiert jedoch auf Anfrage, etwas damit zu tun zu haben: «Es ist zwar unser Postfach angegeben, doch es besteht überhaupt kein Zusammenhang zu uns», sagt Primarschulpflegepräsidentin Vreni Buchmann. «Jemand hat es widerrechtlich verwendet, das ist nicht in Ordnung. Deswegen haben wir eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht», fährt Buchmann weiter. Bei der Leerung des Postfachs in den vergangenen Tagen habe sie darin keinerlei Rückmeldungen auf das Schreiben erhalten.

Die Stellungnahmen

Die Anschuldigungen zielen zwar in erster Linie auf das Ehepaar Isenring ab, betreffen aber ebenso weitere Personen. Darunter sind Roberto Caggiano – im Schreiben als Tanzlehrer von Nadia Isenring bezeichnet und neuer Hauswart der Primarschule – sowie Roger Müller, Primarschulpfleger in Niederglatt. Sie nehmen zu den Vorwürfen Stellung: «Ich, Roberto Caggiano, bin weder der Tanzlehrer von Frau Nadia Isenring, noch hat sie mir den Arbeitsplatz vom damaligen Schulhauswart zugehalten», berichtigt er. Auch er habe eine Anzeige eingereicht.

Roger Müller distanziert sich ebenfalls vom Inhalt des Schreibens: «Aus meiner Sicht hat Nadia Isenring keinerlei Personen aus der Schulpflege hinausgemobbt.» Sein Rücktritt sei aus freien Stücken erfolgt. Die Behauptung, Nadia Isenring sei schuld an der Abschaffung des Schneesportlagers, sei auch falsch.

Weiter hat sich Antonella Abbate (SVP), Amtskollegin von Marcel Isenring, gemeldet. Sie widerlegt die gemachten Vorwürfe: Bauauftragserteilungen würden durch eine Baukommission getätigt, in welcher Isenring nicht eingesetzt worden sei. Und mit der letzten Steuerveränderung – einer Senkung 2011 – habe er nichts zu tun gehabt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch