Regensdorf

Anwohner schwanken zwischen Bedauern und Verständnis

Von der Fröschegrueb zeugt nur noch ein Haufen Bauschutt. Zwei Anwohner zeigen ein gewisses Verständnis für den Abbruch des zerfallenen Hauses.

Die Fröschegrueb ist Geschichte. Bloss noch Bauschutt und Altholz zeugen vom alten Gebäude nur wenige Schritte von der reformierten Kirche Regensdorf entfernt.

Die Fröschegrueb ist Geschichte. Bloss noch Bauschutt und Altholz zeugen vom alten Gebäude nur wenige Schritte von der reformierten Kirche Regensdorf entfernt. Bild: Florian Schaer

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Der Zank um die Fröschegrueb lässt sich nur noch auf dem Papier weiterführen. Dem historischen Haus selber nützt er nichts mehr. Obschon nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Bausubstanz vorhanden war, führte das Gebäude zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen Gemeinde, Besitzer und Heimatschutz. Vor zwei Wochen liess der Besitzer einen Teil der Fröschegrueb aus Sicherheitsgründen abreissen. Den Teilabbruch – rund ein Fünftel des Hauses – ordnete er ohne vorgängige Information der Gemeinde an. Die Reaktionen der beteiligten Parteien sind nach dem gestern erfolgten Totalabbruch ähnlich – Wut beim Heimatschutz und eine Mischung zwischen Bedauern und Verständnis bei den Anwohnern.

Den Zerfall mitverfolgt

Zwei Nachbarn der Fröschegrueb, die den Abbruch mitverfolgt haben, sehen das Ende des Hauses eher pragmatisch. «Es ist schon auch ein Stück Geschichte, das verloren geht», sagt Josy Horisberger. Die Seniorin lebt seit 42 Jahren in Regensdorf und seit einigen Jahren in unmittelbarer Nähe zur Fröschegrueb. Sie hat die Entwicklung um den alten Ortskern genau mitverfolgt. «Ich mag ja alte Häuser eigentlich – und so ein Abriss tut einem schon weh.» Nur habe man bei der Fröschegrueb eben über all die Jahre den fortschreitenden Zerfall mitverfolgen können.

«Was einem leidtun kann, sind alte Schlösser, Villen oder Herrenhäuser», sagt Fredy Baumberger, ebenfalls Anwohner vom Quartier. «Aber das Haus hier hatte von Anfang an keine teure Substanz. Regensdorf war ja mausarm damals. Solche Häuser haben nicht die reichen Grundbesitzer gebaut, sondern Handwerker und einfache Bauern.» Über die Jahre und Jahrzehnte habe man da etwas ausgebessert, dort etwas notdürftig repariert; «am Ende musste man sagen: Das ist fast nicht mehr zu sanieren.»

Für japanische Fotobücher

Baumberger ist selber in Regensdorf aufgewachsen. «Ich habe noch Erinnerungen von der Zeit, als der Bertschi noch auf dem Bänkli vor dem Haus sass, damals in den 50ern.» Natürlich sei es immer auch traurig, wenn etwas stirbt, meint er, «aber wenn der Zustand seit Jahren so ist? In Regensdorf war nur noch die Rede von einem veritablen Schandfleck. Und die japanischen Touristen vom Mövenpick-Hotel kommen immer mit ihren Kameras zur Fröschegrueb; das war eine grosse Aufregung. Bei uns in der Schweiz ist doch immer alles schön, da fällt doch nichts aus­einander – und dann das?!» So ­habe es das baufällige Haus bestimmt schon in zahlreiche japanische Fotoalben geschafft. Alles an Althergebrachtem über den Haufen zu werfen, dafür ist Josy Horisberger nicht zu haben. Natürlich brauche es Entwicklung, «aber es wäre schön, wenn der Eigentümer etwas daraus machen würde, was dem wieder gleicht, was damals da gestanden hat».

Was nun folgt, ist offen. Das gilt auch für das bereits bestehende Bauprojekt von Architekt Thomas Palmy.

Erstellt: 10.08.2015, 22:39 Uhr

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