Im Tschad

Auch Freudenschüsse können erschrecken

Salome Zollinger erlebt im Tschad die grosse Hitze und wird bei ihrem Freiwilligeneinsatz mit wenig erfreulichen Gegebenheiten konfrontiert.

Salome Zollinger schätzt das Kochen?im Freien, vor allem dann, wenn die Temperaturen über 40 Grad steigen, wie es im Moment imTschad der Fall ist.

Salome Zollinger schätzt das Kochen?im Freien, vor allem dann, wenn die Temperaturen über 40 Grad steigen, wie es im Moment imTschad der Fall ist. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Präsidentschaftswahl, die kürzlich im Tschad stattgefunden hat, ist einzentrales Gesprächsthema. Die Leute fragten sich im Vorfeld, ob der amtierende Präsident wieder gewählt wird, oder seine Regentenschaft nach 25 Jahren ein Ende haben wird. Aus Sicherheitsgründen äussere ich hier meine persönliche Meinung nicht.Eines Nachts wurde ich von Gewehrschüssen aus dem Schlaf gerissen. Sie schienen zuerst weit entfernt zu sein, wurden jedoch lauter und waren von Schreien begleitet. Am Tag zuvor hatte ich eben erst den Evakuierungsplan durchgelesen. Im Kopf ging ich all die Dinge durch, die ich in meinen Notfallkoffer packen muss. Oder war es schon zu spät, noch wegzukommen? Müssen wir uns stattdessen für die nächsten Tage im Flur verbarrikadieren, um uns vor den Schüssen zu schützen?

Während mir diese Panikgedanken noch durch den Kopf gingen, sah ich meinen Teamchef und einen Wächter auf mich zukommen. Sie erklärten mir, es seien bloss Freudenschüsse des Militärs. Diese Tatsache irritierte mich aber trotz ihrer scheinbaren Harmlosigkeit. Schliesslich kommen die in den Himmel geschossenen Kugeln auch wieder runter, und könnten Menschen unabsichtlich treffen, die im Freien schlafen. Tja, das nennt sich eben la musique tchadienne.

Während es ja kürzlich in der Schweiz noch einmal geschneit hat, schwitzen wir im Tschad bei Temperaturen zwischen 39 und 48 Grad. Ich bin erstaunt, dass es auch Einheimische gibt, die unter der Hitze leiden. Denn das erste, das man bei einer Begrüssung sagt, ist: «Comment va la chaleur?» Und die Antwort lautet ausnahmslos: «Oh, il fait trop chaud!» Man kann der Hitze nicht entfliehen, sie ist überall.

Nicht einmal eine Dusche kann Abkühlung bringen. Ich muss nämlich bis mindestens um 19 Uhr warten, bis das Wasser nicht mehr so heiss kommt, dass ich mich verbrenne. Doch schon kurz nach dem Duschen beginnt die Schwitzerei von vorne. Unser Haus steht an der prallen Sonne und wird entsprechend aufgeheizt, deshalb schlafen wir im Freien, was auch seinen Reiz hat. Trotzdem kommt mir immer wieder der Gedanke, mich in einen Kühlschrank zwängen zu wollen, in dem es hier nämlich nur 19 Grad hat.

Am meisten zu schaffen, macht uns die Hitze beim Kochen. Der Vorzug eines offenen Feuers im Freien, wird hier besonders deutlich. Bereiten wir eine Mahlzeit in der Küche zu, sind wir komplett durchnässt vom Schwitzen. Sitzen wir dann beim Essen und merken, dass der Schöpflöffel fehlt, überlegen wir zweimal, ob wir aufstehen, um ihn zu holen, oder ob wir uns nicht einfach mit den Händen bedienen. Salome Zollinger
In loser Folge berichtet Salome Zollinger aus Niederhasli unter www.zuonline.ch unter «Dossiers» über ihre Erlebnisse im Tschad.

Erstellt: 06.05.2016, 17:19 Uhr

Eine Unterländerin im Tschad

Anfang August 2015 haben wir die 18-jährige Salome Zollinger aus Niederhasli vorgestellt, die neun Monate im Tschad verbringt, um für ein Hilfsprojekt zu arbeiten. Im Dossier «Eine Unterländerin im Tschad» erzählt sie von ihren Erfahrungen aus diesem Land.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!