Regensdorf

Bäckereien in Bedrängnis

Der Fall der Beck Keller AG aus Regensdorf, über welche diese Woche der Konkurs eröffnet worden ist, ist keine Seltenheit. In den letzten Jahren mussten verschiedene Backbetriebe im Zürcher Unterland die Pforten schliessen.

Nach über 100-jähriger Geschichte steht die Beck Keller AG vor dem Aus: Am Mittwoch wurde das Konkursverfahren eröffnet.

Nach über 100-jähriger Geschichte steht die Beck Keller AG vor dem Aus: Am Mittwoch wurde das Konkursverfahren eröffnet. Bild: Sibylle Meier

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Nach über 100-jähriger Firmengeschichte kam diese Woche das Aus für die Beck Keller AG: Das Bezirksgericht Dielsdorf eröffnete den Konkurs über das Unternehmen, welches erst vor eineinhalb Jahren von der Gründerfamilie an einen neuen Besitzer verkauft worden war. Gemäss der Tageszeitung «Blick» verlieren rund 100 Angestellte ihren Job, in den Monaten davor soll 70 weiteren Mitarbeitenden die Kündigung ausgesprochen worden sein oder sie sollen von selbst gegangen sein.

Der Niedergang der Bäckerei ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren mussten verschiedene Backbetriebe im Zürcher Unterländ schliessen. Erst im vergangenen Juli musste etwa die Bäckerei Mühlebach ihre Geschäfte einstellen. Rund 50 Angestellte verloren dabei ihre Arbeit, betroffen von der Schliessung waren fünf Verkaufsstellen in Glattfelden, Buchs, Effretikon und in Winterthur.

In Wallisellen haben vier von fünf aufgehört

In Höri musste 2015 der weit herum bekannte Höri-Beck Heinz Schmid aus gesundheitlichen Gründen die Bäckerei-Konditorei Schmid schliessen. Davor hatte Schmid das Geschäft in dritter Generation geführt, nachdem sein Grossvater Paul Schmid-Bonfanti 1938 die Bäckerei inklusive Wohnhaus, Magazin, Scheune und Stall von Josef Baumgartner gekauft hatte, der zuvor viele Jahre lang Brötchen für das Dorf gebacken hatte.

Ein wahrhaftes Bäckereiensterben gab es in Wallisellen. Bis 2011 buhlten gleich vier Bäckereien – Hüppi, Naef, Fleischli und Keller – um die Gunst der Kunden. Im Dezember 2014 ging Beck Hüppi dann allerdings in Konkurs. Nur neun Monate schloss auch die Bäckerei Naef. Und 2016 zog sich schliesslich auch die Beck Keller AG aus der Glattgemeinde zurück.

Sogar Coop, hat seinen Backbetrieb in der Gemeinde inzwischen eingestellt, obwohl dieser Fall wohl kaum mit den kleineren Bäckereien verglichen werden kann. Der Detailhändler hat seine Brötchen seit 1982 im Industriegebiet Herti gebacken, 2017 hat er die Produktion dann allerdings ins aargauische Schafisheim verlegt. Somit ist die Anzahl backender Betriebe in der inzwischen auf fast 16 000 Einwohner angewachsenen Gemeinde von fünf auf eins zurückgegangen. Nur Fleischli kann sich noch halten.

Grossverteiler machenBackstuben zu schaffen

Gründe für den Rückgang kleinerer Bäckereien gibt es viele. Peter Mühlebach von der Bäckerei Mühlebach machte eine immer grösser werdende Konkurrenz dafür verantwortlich. Inzwischen gibt es Brot nicht mehr nur beim Bäcker zu kaufen, sondern auch bei Grossverteilern und an Tankstellenshops, die mit kaum zu schlagenden Öffnungszeiten punkten können. Mühlebach wies aber auch auf die Preissensibilität der Konsumenten für Lebensmittel hin.

Keine Chance also mehr für den «Beck» auf dem Dorf? So schlimm ist es noch nicht, denn es gibt auch Anzeichen dafür, dass Bäckereien nach wie vor geschätzt werden. In Glattfelden will der frühere Betreiber der Mühlebach-Bäckerei den Laden nach einem Umbau wieder neueröffnen, vielleicht sogar noch in diesem Jahr. In Höri gibt es inzwischen wieder einen Höri-Beck. Die Bäckerei wird von Ardiana Toplanaj geführt, die zuvor während rund 20 Jahren in der Bäckerei von Heinz Schmid mitgearbeitet hat. Schmid steht Toplanaj denn auch immer noch als Berater und Mentor zur Seite.

In Kloten muss sich Platzhirsch Fleischli gar seit etwas mehr als einem Jahr noch mehr Konkurrenz gefallen lassen. Der Bäckereibetrieb Bertschi, der eigentlich mehr auf die Produktion von Backwaren für Grossabnehmern spezialisiert ist, hat an der Marktgasse einen kleinen Laden eröffnet. Nicht zuletzt beweist Kloten aber auch, dass die Zeit der klassischen Bäckereien noch nicht vorbei ist: Die Bäckerei und Konditorei Reischmann bietet den «Grossen» nach wie vor die Stirn.

Erstellt: 28.09.2018, 18:19 Uhr

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