Oberglatt

Bahnhofsquartier im Richtplan gibt zu reden

Die Gemeinde Oberglatt strebt trotz hoher Fluglärmbelastung moderates Wachstum an.

Oben das Jetzt, unten die Vision: So könnte der Bahnhof Oberglatt dereinst aussehen.

Oben das Jetzt, unten die Vision: So könnte der Bahnhof Oberglatt dereinst aussehen. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit diesem Freitag haben die Einwohnerinnen und Einwohner Oberglatts die Möglichkeit, zur geplanten Revision des Richtplans der Gemeinde Stellung zu nehmen. Die öffentliche Auflage dauert bis Ende August. «Der Richtplan soll die Ideen und die Anliegen aus der Bevölkerung enthalten», appellierte Gemeindepräsident Roger Rauper am Donnerstagabend an die rund 70 Personen, die sich im Gemeindesaal der Chliriethalle zur Informationsveranstaltung eingefunden hatten.

Die Gemeinde fit machen

Auf Initiative des Kantons Zürich befassen sich die drei Nachbargemeinden Oberglatt, Niederglatt und Niederhasli – kurz ONN – seit rund vier Jahren mit einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie. Entstehen soll dereinst ein regionales Zentrum, das einerseits über eine urbane Wohnlandschaft, andererseits über ein einzigartiges Naherholungsgebiet verfügt.

Von der übergreifenden Zusammenarbeit sollen alle drei Gemeinden profitieren. «Wir möchten Oberglatt fit für die nächsten zehn bis 15 Jahre machen», erklärte Roger Rauper das Ziel der angestrebten Entwicklung. Geplant sind familienfreundlicher Wohnraum sowohl die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Ausserdem soll das Gewerbe gestärkt und das Geh- und Radwegnetz ausgebaut werden. Die sogenannten Lieblingsorte, schöne Plätze oder Aussichtspunkte, sollen durch eine einheitliche Beschilderung über alle drei Gemeinden hinweg erschlossen werden.

Land zum Bahnhof verlagern

Die Herausforderungen bei der Erarbeitung der Entwicklungsstrategie von Oberglatt sind der Fluglärm, der die Siedlungsentwicklung bremst, sowie das hohe Verkehrsaufkommen, insbesondere auf der Kaiserstuhlstrasse. So ist es gemäss einem Urteil des Bundesgerichts aufgrund der hohen Fluglärmbelastung nicht erlaubt, das Gebiet im Sack/Reckholderen zum Wohngebiet zu erschliessen.

Der Kanton bietet jedoch Hand zu einer unkonventionellen Lösung: Das Gebiet soll in derselben Dichte in Richtung Bahnhof Oberglatt verlagert werden. Denn hier soll eine grosse Mischfläche mit Wohnungen und Gewerbe entstehen. Die Gemeinden Niederhasli und Oberglatt sind zudem übereingekommen, ein 8000 Quadratmeter grosses Stück Land vom Niederhasler Gewerbegebiet ins Gewerbegebiet von Oberglatt umzulegen. Allerdings gibt es für diesen Tausch noch zahlreiche Hürden zu nehmen, stellten die Verantwortlichen am Infoanlass in Aussicht – auch politische.

Lärm ist Lärm

Am meisten zu reden gab in der Fragerunde das geplante neue Bahnhofsquartier. «Am Bahnhof hat man doch noch viel mehr Lärm als im Gebiet Sack», gab ein Votant anlässlich der beabsichtigten Landverlegung zu bedenken. Täglich würden rund 15000 Fahrzeuge über die Kaiserstuhlstrasse brausen. Raumplaner Peter von Känel erklärte, dass es nicht um den Lärm an und für sich, sondern um die in den entsprechenden Gebieten geltenden Grenzwerte gehe. Jemand anderes regte an, die Umfahrung Oberglatt-Niederglatt wieder in den Richtplan aufzunehmen. Diese war 1995 noch enthalten, wurde jedoch vom Kantonsrat gekippt.

Gleichzeitig mit der öffentlichen Auflage nimmt das kantonale Amt für Raumentwicklung (ARE) eine Vorprüfung des überkommunalen Richtplans vor. Dieser soll dann im Juni 2020 den einzelnen Gemeindeversammlungen vorgelegt werden. Mit dem Richtplan alleine werde noch kein Geld ausgegeben, betonte Peter von Känel. Es handle sich lediglich um einen Auftrag an die Gemeinde, dass sie bestimmte Anliegen genauer ausarbeite.

So oder so wird Oberglatt aber nicht plötzlich zur Kleinstadt: Die Gemeinde mit heute etwas über 7100 Einwohnerinnen und Einwohnern könne noch maximal 400 neue Personen aufnehmen, so Roger Rauper.

Erstellt: 21.06.2019, 16:36 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare