Rümlang

Bauern engagieren sich für mehr Artenvielfalt

Das Rümlanger Vernetzungsprojekt ist gut angelaufen: Gut zwei Drittel der Bauern machen mit. Ungewiss ist aber, wie viele Feldhasen und Schmetterlinge sich damit anlocken lassen.

1975 verlief entlang der Glattallinie noch ein breiter Streifen mit wild wachsenden Pflanzen. In den 80er-Jahren wurde links eine Strasse gebaut, die Lebensräume von Pflanzen und Tieren wurden eingeengt. Das Rümlanger Vernetzungsprojekt will die Artenvielfalt wieder fördern.

1975 verlief entlang der Glattallinie noch ein breiter Streifen mit wild wachsenden Pflanzen. In den 80er-Jahren wurde links eine Strasse gebaut, die Lebensräume von Pflanzen und Tieren wurden eingeengt. Das Rümlanger Vernetzungsprojekt will die Artenvielfalt wieder fördern. Bild: pd

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Noch bis in die 70er-Jahre verlief entlang der Glattallinie ein breiter Streifen mit wild wachsenden Pflanzen – ein geeigneter Lebensraum für Dorngrasmücken und andere Vögel, Ringelnattern und Blindschleichen. Schon Mitte der 80er-Jahre war nur noch ein schmaler, gemähter Abschnitt zwischen dem verbreiterten Feldweg und den Gleisen vorhanden. Dies ist nur eines von diversen Beispielen, die Martin Weggler am Dienstagabend an der Generalversammlung des Vereins Natur und Umwelt Rümlang präsentierte.

Anhand von alten Fotos zeigte der Biologe auf, wie Bautätig- keiten und die Landwirtschaft schleichend die Lebensräume von Pflanzen und Tieren einengen. Auch die häufig verwendeten Vliese, mit denen man Kulturen abdeckt, damit sie schneller reifen, sind für Feldlerchen ungünstig. Sie benötigen offene Acker-flächen, um nach Insekten und Würmern zu suchen.

Um seltenen Arten wieder eine Chance zu geben, wurde in Rümlang – wie in vielen anderen Gemeinden – ein lokales Vernetzungsprojekt aufgegleist. Wobei: Eigentlich könne der Begriff nicht halten, was er verspreche, erläuterte Weggler vom beauftragten Büro Orniplan. «Zusammenhängende Ökoflächen sind in diesem dicht besiedelten Gebiet eine Illusion.» Zu stark sei die Agglomerationsgemeinde von Strassen zerschnitten. Das Ziel sei es, in möglichst grossen, intakten Räumen die Artenvielfalt zu fördern. Von 28 Bauern, die in Rümlang Land besitzen, konnten 20 für das Mitmachen gewonnen werden.

Eine Aufgabe der Landwirte sei es sowieso, die Biodiversität zu fördern, betonte Weggler. Um finanzielle Beiträge vom Bund zu erhalten, müssen sie mindestens 7 Prozent ihrer Fläche dafür zur Verfügung stellen; bei den Gemüsebauern sind es 3,5 Prozent. Dazu zählen etwas Hochstammbäume und extensiv genutzte Wiesen. Doch Letztere würden häufig an schattigen, nassen oder steilen Standorten angelegt, die für den Ackerbau wenig taugten, erklärte Weggler. «Diese sind nicht geeignet, um das Ziel zu erreichen.»

Wenn ein Bauer zudem die Pflege eines Naturschutzgebiets übernimmt, wird ihm diese Fläche angerechnet. Das sei im Unterland mit verschiedenen grossen Flächen wie dem Neer- acherried häufig der Fall, weiss Weggler. «Dies bringt keine biologische Aufwertung der tatsächlich landwirtschaftlich genutzten Flächen.»

Im Rahmen des Vernetzungsprojekts hat er deshalb zusätzliche Massnahmen mit den Landwirten vereinbart. Zum Beispiel, was das Mähen der Wiesen und die Pflege von Obstgärten betrifft. Der Schachbrettfalter etwa lebt von blühenden Skabiosen und braucht alte Pflanzenstängel, um seine Eier abzulegen. Fledermäuse und in Höhlen brütende Vögel sind auf alte Bäume mit Nisthilfen angewiesen. Zauneidechsen gedeihen in extensiv bewirtschafteten Wiesen.

Vorgaben sind kompliziert

Für all diese Bemühungen werden die Landwirte entschädigt. Insgesamt wird ein hoher vierstelliger Betrag ausbezahlt werden, von dem der Bund 90 Prozent übernimmt und die Gemeinde 10 Prozent.

Für Laien seien die ökologisch wertvollen Elemente in der Landschaft kaum zu erkennen, erklärte der Biologe. Während andere Kantone genaue Karten im Internet zugänglich machen, sind sie im Kanton Zürich noch nicht öffentlich. Stichproben bleiben kantonalen Prüfern vorbehalten.

Ganz einfach seien die Vorgaben nicht, erläuterte Weggler. «Manchmal rufen mich die Bauern vom Acker aus an und fragen, was sie nun mähen dürfen und was nicht.» Ausserdem könne man nur die Einhaltung der Vereinbarung teilweise überprüfen, nicht aber den Erfolg. Denn eine Zählung der bedrohten Arten vor Projektstart und nach einigen Jahren wäre viel zu aufwendig. «Wir hoffen nun einfach, dass Gartenrotschwänze, Feldhasen und Flockenblumen genauso gut mitmachen wie die lokalen Bauern.» ()

Erstellt: 16.03.2016, 20:52 Uhr

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