Im Tschad

Beinahe wäre die Station abgebrannt

Noch immer ist das Leben im Tschad für die 19-jährige Salome Zollinger aus Niederhasli voller Überraschungen. Auf der Missionsstation macht sie täglich neue Erfahrungen in einem Umfeld, das sich in allem von den Verhältnissen in der Schweiz unterscheidet.

Salome Zollinger arbeitet im Tschad auch in der Bibliothek. Nur wenige Meter von dort entfernt drohte ein Feuer das ganze Gebäude zu zerstören.

Salome Zollinger arbeitet im Tschad auch in der Bibliothek. Nur wenige Meter von dort entfernt drohte ein Feuer das ganze Gebäude zu zerstören. Bild: pd

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ich kann nicht behaupten, dass das Leben hier eintönig ist. Jeden Tag geschieht etwas Unerwartetes: Mitarbeiter anderer Organisationen kommen zu Besuch, ich muss spontan als Lehrerin einspringen, oder unsere Station wäre um ein Haar niedergebrannt. Brandrodung ist hier eine weitverbreitete Methode, um Schlangen und andere ungewollte Tiere auf dem Feld zu vertreiben. Normalerweise haben die Bauern das Feuer unter Kontrolle, sie wissen, woher der Wind kommt und wie sie reagieren müssen.

Sei es mit Absicht oder aus Unwissenheit geschehen, das Rodungsfeuer unseres Nachbarn griff auf unser Grundstück über, direkt an der Ecke, wo unser Haus und die Scheune aus Stroh stehen. Es ist nur dem Einsatz mit vereinten Kräften der Mitarbeiter und Wächter zu verdanken, dass es nicht zu einem Inferno gekommen ist. Hätten die Flammen wenig höher gelodert, die Scheune wäre nicht mehr zu retten gewesen. Keines der rund ein Dutzend Kinder ist verletzt worden. Ich selber war nichts ahnend in der Bibliothek 20 Meter entfernt beschäftigt gewesen, und erst nachdem das Feuer gestoppt war, wurde ich informiert. Ich dachte zuerst, es sei ein Witz.

Bisweilen habe ich noch ziemlich Mühe, das Französisch der Tschader zu verstehen. Manchmal weiss ich nicht, ob es wirklich Französisch war oder eben doch Gambai, eine der vielen Sprachen von hier. Das führte schon öfter zu peinlichen Situationen, aber ich nehme es mit Humor. Ich komme immerhin mit den Jungen ins Gespräch, und sie grinsen einfach nur, wenn ich etwas nach dem dritten Mal immer noch nicht verstanden habe. Aber in ihren Augen bin ich die mit dem unverständlichen Akzent.

Eines Abends machten die andere Kurzzeiterin und ich uns auf, ein belgisches Mitarbeiterpaar in der Hauptstadt N’Djaména zu besuchen, das uns eingeladen hatte. Es war uns bekannt, dass es auf den Strassen unzählige Kontrollen gibt. Besonders gegen Ende Jahr, wenn die Staatskasse leer ist, wird auf diese Weise noch Geld eingetrieben. Mit einem mulmigen Gefühl und den Anweisungen im Kopf, wie man sich in einer solchen Situation verhalten muss, fuhren wir Richtung Stadt. Alles ging gut.

Das Paar erzählte uns Schauergeschichten, was die beiden in dieser Hinsicht schon alles erlebt hatten. Das Auto und alles Geld waren ihnen weggenommen worden, und sie haben mehr als einmal die Nacht auf dem Polizeirevier verbracht. Mit noch grösserem Bammel fuhren wir im Dunkeln zurück, die Autotüren verschlossen, das Geld gut versteckt, die Pässe griffbereit. Prompt kamen wir in eine Kontrolle und wurden angehalten. Ein Soldat winkte uns zur Seite. Wir schlossen alle Fenster bis auf eines, das einen kleinen Spalt offenblieb. Aufs Schlimmste gefasst, zeigten wir unsere Pässe und – nichts geschah. Nachdem wir erklärt hatten, von wo wir sind, konnten wir weiterfahren. (zuonline.ch)

Erstellt: 09.12.2015, 14:35 Uhr

Eine Unterländerin im Tschad

Eine Unterländerin im Tschad

Anfang August haben wir die 18-jährige Salome Zollinger aus Niederhasli vorgestellt, die neun Monate im Tschad verbringt, um für ein Hilfsprojekt zu arbeiten. Im Dossier «Eine Unterländerin im Tschad» erzählt sie von ihren Erfahrungen aus diesem Land.

Artikel zum Thema

Heiratsanträge sind an der Tagesordnung

Teil 2 Salome Zollinger aus Niederhasli ist seit anderthalb Monaten im Tschad und beteiligt sich an einem Hilfsprojekt. Immer wieder wird sie mit kulturellen Unterschieden konfrontiert. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!