Dielsdorf

Das Gold aus dem Teppich geholt

25 Jahre alte Spannteppiche werden üblicherweise weggeworfen. Nicht so in der Dielsdorfer Goldschmitte. Denn da wird aus Müll pures Gold.

Mindestens eine Stunde dauert die Einäscherung des in Stücke geschnittenen Teppichs.

Mindestens eine Stunde dauert die Einäscherung des in Stücke geschnittenen Teppichs.

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Nach 25 Jahren erneuerte die Inhaberin der Dielsdorfer Goldschmitte, Silvia Fischer, den Teppich in ihrem Schmuck- und Uhrengeschäft. Nicht Spektakuläres, würde man meinen – wären da nicht die Edelmetallrückstände, die sich über die Jahre darin gesammelt haben.

«In unserer Goldschmiedewerkstatt wird gesägt, gehämmert und gefeilt, und dabei entsteht Edelmetallstaub», erklärt Fischer. «Der Boden hat zwar einen Hartbelag und es wird regelmässig Staub gesaugt oder die Oberflächen werden mit Tüchern abgewischt.»

«Das sind unsere Heiligtümer und gehören nie in den Kehricht»Silvia Fischer über Staubsaugerbeutel und Putztücher

Trotzdem gelange der Feinstaub aus der Schmuckverarbeitung durch die Luft und über die Schuhe in die Verkaufsräumlichkeiten. Solche Verarbeitungsreste haben sich nach 25 Jahren auch im Teppich der Goldschmitte festgesetzt.

Dieser Umstand hat Silvia Fischer dazu veranlasst, den alten Teppich einer auf Edelmetall-Recycling spezialisierten Firma zur Rückgewinnung zu übergeben, damit daraus möglichst pures Gold gewonnen werden kann.

Solche Materialien, welche noch kleine Edelmetallreste beinhalten, bezeichnet man als Gekrätze. Darunter fallen auch Staubsaugerbeutel, Schmirgelpapier oder Putztücher. «Das sind unsere Heiligtümer und gehören nie in den Kehricht», sagt Fischer lachend.

Aus Asche wird Gold

Was aber passiert bei dieser Edelmetallrückgewinnung? Der knapp 117 Kilogramm schwere Teppich der Goldschmitte wurde luftdicht in zwölf grosse Fässer und ein kleines Fass verpackt und in die Schmelzerei gefahren. Dort wurde zuerst das Eingangsgewicht mit dem Abgangsgewicht des Versenders verglichen und alles nochmals gewogen, denn hier zählt jedes Gramm.

Danach wurde das Material mitsamt den Fässern in grossen Metallschalen ausgelegt und in einer mit einem Krematorium vergleichbaren Verbrennungsanlage bei rund 760 Grad über mindestens eine Stunde eingeäschert. Dadurch verringerte sich das Volumen deutlich und alle brennbaren und organischen Stoffe wurden zerstört. Übrig blieben Asche, Staub und metallische Rückstände.

Anschliessend galt es, alles in grossen Kugelmühlen zu feinem Pulver zu vermahlen. Die metallischen Rückstände, auch «Gröben» genannt, wurden in einem nächsten Schritt ausgesiebt. Das beim Mahlen entstandene Pulver wurde in einem sogenannten Rhönradmischer über mehrere Stunden gemischt.

Durch die daraus entstehende Homogenisierung konnte der Gehalt an Gold und Silber bestimmt werden. Schliesslich wurde aus diesem Pulver in einem langwierigen chemischen Prozess mittels Säurebad das Edelmetall extrahiert.

Methode aus der Bibel

Die separat ausgeschiedenen Gröben wurden geschmolzen, sämtliche unedlen Stoffe entfernt, der Rest zu einem Barren geformt. Vom diesem wurde eine Probe entnommen und durch einen Edelmetallprüfer mittels Dokimasie, einer bereits im Alten Testament erwähnten Methode, eine labortechnische Gold- und Silbergehaltsbestimmung vorgenommen.

Die unzähligen Mikropartikel, welche sich über die Jahre im Teppich der Dielsdorfer Goldschmitte angesammelt haben, ergaben eine nennenswerte Menge an Feingold und Feinsilber, welche der Goldschmiede auf ihrem Metallkonto bei der Recyclingfirma gutgeschrieben wurde.

Die Barren mit den verschiedenen Feinmetallen wurden letztlich mit weiteren Barren in der Edelmetall-Recycling-Firma mittels Raffination «gereinigt» und zu Feinmetall verarbeitet. Dieses Feinmetall gilt als Grunrunlage für neue Werkstoffe, welche unter der Qualitätsmarke «Ökogold» den Schweizer Goldschmieden angeboten wird – unter anderem auch der Dielsdorfer Goldschmitte, die ausschliesslich mit Ökogold arbeitet.

Erstellt: 20.08.2019, 13:03 Uhr

Bei rund 760 Grad verbrennt der Teppich. Übrig bleiben Asche und Metallreste.

Wettbewerb

Gold zu gewinnen

Silvia Fischer macht aus der Frage, wie viel Gold sich wohl im Teppich angesammelt hat, einen Schätz-Wettbewerb. Zu gewinnen gibt es 10 Gramm echtes Gold. Goldschätzungen können bis am 31. August an info@goldschmitte-dielsdorf.ch geschickt werden.

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