Otelfingen

Das Höfli läuft bald unter neuer Regie

Seit 1929 war das Schicksal der Familie Haag verknüpft mit dem Gasthof Höfli. Ab neuem Jahr geht das Wirteehepaar Jacqueline und Ernst Haag in den Ruhestand und verpachtet sein Bijou.

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Die Tische sind gedeckt und in der Küche schaut der Chef persönlich, dass Fleisch in der Pfanne brutzelt. Nichts deutet darauf hin, dass die Tage dieses Restaurants, so wie man es seit Jahrzehnten kennt, gezählt sind. Und doch werden Herr und Frau Höfli, wie Jacqueline und Ernst Haag oft genannt werden, bald ihr Ein und Alles verlassen.

Ende Jahr ist Schluss, weil die Nachfolge nicht geregelt ist. «Unsere Töchter haben das Wirten nicht im Blut. Wir akzeptieren das. Die Hauptsache ist, dass sie glücklich sind», sagt die 59-jährige Wirtin. Die ältere Tochter Tamara führt einen Reitstall in Dielsdorf und strebt den Master in Wirtschaft an. Ihre Schwester organisiert internationale Kongresse für die Pharmabranche. Und weil man laut Jacqueline Haag nur dann erfolgreich wirten kann, wenn man es aus freien Stücken und mit ganzem Herzen macht, ist jetzt Feierabend. Sie sagt: «Wir sind nicht enttäuscht, weil wir nie etwas erwartet haben. Es ist doch normal, dass man mit dem Leben und mit den Menschen so umgeht.»

Gute Luft in Otelfingen

An der Verbindungsstrasse von Zürich nach Baden war das Höfli eine wichtige Postkutschenstation. Jacqueline Haag zeigt so eine Szene auf einem Foto aus dem Jahre 1904, bevor sie den Bogen ins Jahr 1919 spannt. Damals wütete in der Schweiz die Spanische Grippe. «Die Grosseltern meines Mannes verloren zwei ihrer Kinder und der Familien­vater erkrankte schwer», erzählt Jacqueline Haag. Gesundheitlich angeschlagen, zügelte die Familie 1922 nach Wettingen. Dort eröffnete der gelernte Bäcker-Konditor im Kloster Fahr eine Bäckerei.

Doch das feuchte Klima an der Limmat behagte ihm nicht. «Zur Genesung brauchte er eine Luftveränderung und kam so nach Otelfingen», erzählt sie. 1929 stand nämlich der Gasthof Höfli zum Verkauf. Mit einem Kredit der Mühle Wehrli erwarb die Familie Haag das Gebäude. Mit jedem Mehlsack, den der Bäcker von der Mühle bezog, tilgte er einen Bruchteil der Schuld, bis alles abbezahlt war. «Die einzige Bäckerei weit und breit. Mit einem Citroën 2CV lieferte man aus. Es war eines der ersten Autos in Otelfingen», erzählt Jacqueline Haag.

1956 wurde die Gaststube renoviert und der Kachelofen verschwand. Zu dieser Zeit widmete sich der Vater von Ernst Haag primär der Bäckerei und der Herstellung seiner berühmten Schwarzwäldertorte. Die Mutter, Rosa Haag, war treibende Kraft im Restaurant.

Von Geburt bis Todesfall

An einer Tankstelle neben dem Haus floss Benzin, mittags genossen die Gäste Schweizer Hausmannskost mit Plattenservice und abends traf man sich am Stammtisch. Beim zweiten Umbau im Jahre 1982 wurde aus der Wirtewohnung ein Saal. Jacqueline und Ernst Haag übernahmen vor ungefähr 40 Jahren. Die beiden lernten sich auf der Hotelfachschule kennen. In den folgenden Jahren teilten sich die zwei Generationen die Arbeit fliessend auf. «Von einer Geburt bis hin zu einem Todesfall. Es gibt nichts, was ich im Höfli nicht schon erlebt habe», berichtet Jacqueline Haag.

Schon vor gut einem Jahr wusste die Familie Haag, dass sich eine Änderung anbahnt. «Es hat sich schnell herumgesprochen, dass wir einen Nachfolger suchen, und schon bald meldete sich eine Familie, die das Höfli gerne weiterführen möchte», sagt sie. Am 31. Dezember wird das alte Team zum letzten Mal die Gäste verwöhnen. Ab 1. Februar laufen das Höfli und die Bar unter neuer Regie.

Jacqueline und Ernst Haag werden sich in ihrem Tessiner Häuschen zur Ruhe setzen. Auf die nun folgende, vorher noch nie in diesem Ausmass genossene Freizeit angesprochen, sagt Jacqueline Haag: «Wir haben im Moment weder Pläne noch Ideen. Wir schauen einfach, was das Leben bringt, und meistens kommt es ja sowieso anders als geplant.»

Erstellt: 27.12.2018, 16:34 Uhr

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