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Das Niederglatt der Stadler

Stadel heisst Stadel. Auch nach der möglichen Fusion mit Bachs. Das ist ganz offiziell der Name der Gemeinde; ausser man ist die Schweizer Post. Dort heisst das Dorf «Stadel bei Niederglatt». Ganz offiziell. Und eine Änderung würde 20 000 Franken kosten.

Eine Ferienpostkarte kommt in Stadel zwar an, wenn man die Postleitzahl 8174 angibt. Doch wirklich postamtlich korrekt ist die Adressierung nur mit der eindeutigen Bezeichnung der Ortschaft, also mit «8174 Stadel bei Niederglatt» – ausser die Karte muss nach Windlach, Raat oder Schüpfheim.
Eine Ferienpostkarte kommt in Stadel zwar an, wenn man die Postleitzahl 8174 angibt. Doch wirklich postamtlich korrekt ist die Adressierung nur mit der eindeutigen Bezeichnung der Ortschaft, also mit «8174 Stadel bei Niederglatt» – ausser die Karte muss nach Windlach, Raat oder Schüpfheim.
Leo Wyden

Wie heisst eigentlich die ländliche Gemeinde, die so friedlich zwischen Neerach und Weiach liegt? «Stadel», sagt der Stadler Gemeindeschreiber ValentinoTikal, «wir heissen ganz offiziell nur Stadel. Und der Gemeinderat oder die Verwaltung verwenden auch nichts anderes.» Dass das überhaupt eine Frage sein kann, hat mit Folgendem zu tun: Sucht man Tikal im Personenregister der Webseite, steht bei seiner Adresse «8174, Stadel b. Niederglatt». Und auch wer die Gemeinde auf Wikipedia sucht, trifft auf diesen Zusatz, der insofern etwas irritiert, als dass Stadel noch nicht einmal an Niederglatt grenzt.Tatsächlich ist das «bei Niederglatt» ein Anhängsel, das die Schweizerische Post dem Dorf angedichtet hat; und zwar noch vor der Einführung der Postleitzahlen 1964, um die Gemeinde eindeutig zu identifizieren. Denn nicht nur gab es zwei Stadel in der Schweiz, sondern beide lagen im Kanton Zürich, sodass auch der blosse Zusatz «ZH» nicht ausreichte. Dass Niederglatt und nicht etwa Weiach zur genaueren Definition herangezogen wurde, hat einen simplen Grund: Niederglatt war (und ist) der nächstgelegene Bahnhof für Brief und Paket.

Post und Anrufe für Niederglatt

1922 verschwand das andere Stadel, als es zusammen mit Oberwinterthur nach Winterthur eingemeindet wurde. 15 Jahre zuvor war auch das Unterländer Stadel gewachsen, durch Eingemeindung von Windlach und Raat-Schüpfheim. Und was war der offizielle Name dieses Dorfes? Das ist seit diesem Zeitpunkt abhängig davon, wen man fragt: Während die Politische Gemeinde von Bund und Kanton offiziell einfach als Stadel geführt wird, benutzt die Post weiterhin (ebenso offiziell) den Zusatz «bei Niederglatt». Das tut sie bis heute – und bis heute führt genau das zu Missverständnissen. «Ja, es kommen bei uns auf der Verwaltung immer wieder Briefe an, die eigentlich nach Niederglatt müssten», sagt Valentino Tikal. Grad täglich komme das zwar nicht vor, aber doch in regelmässigen Abständen.

Bis vor kurzem hätten sogar öfters mal Niederglatter beim Stadler Steueramt angerufen. «Dann stellte sich erst im Verlauf des Gesprächs heraus, dass der Anrufer gar nicht hier wohnt.» Der Grund für den Fehler war einfach: Wer im elektronischen Telefonbuch Tel.search nach dem Stichwort «Gemeinde» in der Ortschaft «Niederglatt» suchte, erhielt als obersten Listeneintrag die Nummer der Stadler Gemeindeverwaltung. «Wir haben dann die Sache mit dem Anbieter geklärt und seither hat das gebessert.»

Zumindest seit es Postleitzahlen gibt, so könnte man meinen, ist der Namenszusatz obsolet und gehörte eigentlich gekippt. Genau das, so erinnert sich Alt-Gemeindeschreiber Richard Kälin, habe man auch probiert. «Vor etwa 15 Jahren gab es eine Phase, wo sich die falsch adressierten Briefe bei uns gehäuft haben.» Man habe sich an die Postdirektion gewandt und nachgefragt, ob man den alten Zopf nicht endlich abhauen könne, zumal er mehr Verwirrung als Klärung schaffe. «Die Post teilte uns dann mit, dass das schon gehen würde, dass es aber mit erheblichem Aufwand verbunden wäre und die Gemeinde etwa 20 000 Franken kosten würde.» Letztlich liess man es bleiben.

Die Post ist nicht politisch

Tatsächlich sei die Postleitzahl eng mit der spezifischen Orts­bezeichnung verknüpft, sagt Jacqueline Bühlmann, Mediensprecherin der Post. Auch heute seien Änderungen von Gemeindenamen möglich. «Wir würden eine Anfrage sicher prüfen. Letztlich ist immer eine Einigung zwischen der Post und dem Kanton nötig.» Und dann weist Bühlmann auf einen Aspekt hin, der die unterschiedlichen Standpunkte klärt: «Die Post berücksichtigt eben die Postleitzahlgebiete und nicht die politischen Gemeindegrenzen.»

Anders gesagt: Das politisch amtliche «Stadel» und das postamtliche «Stadel bei Niederglatt» sind nicht deckungsgleich; zumal der Ortsteil Windlach mit 8175 eine eigene Postleitzahl führt, zu dem auch die Ortsteile Raat und Schüpfheim gehören – wobei das südliche Schüpfheim westlich der Kaiserstuhlstrasse bereits zu Stadel bei Niederglatt gehört, genauso wie die gesamte Schulanlage östlich der Kaiserstuhlstrasse, und entsprechend 8174 trägt. Vor dem Abstimmungssonntag zur Gemeindefusion sei an dieser Stelle festgehalten, dass Bachs sein 8164 auch nach der Eingemeindung behalten würde.

Es geht also am Ende um zwei verschiedene Datenbanken. Politisch existiert «Stadel bei Niederglatt» nicht, weshalb der Name weder beim Bund noch beim Kanton, noch bei der Gemeindeverwaltung auftaucht. Er existiert aber in der Datenbank der Post und bezeichnet dort den Ortsteil Stadel (8174) innerhalb der Politischen Gemeinde Stadel, während Windlach (mitsamt Raat und Schüpfheim) den anderen Ortsteil (8175) bezeichnet. Die elektronische Landkarte von Google ist da übrigens insofern konsequent, als dass sie gleich «Schüpfheim bei Windlach» und «Raat bei Windlach» hinschreibt.

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