Rümlang

Der Bio-Trend erfasst die Rümlanger Höfe

Moritz Sauter und Werner Gugolz bewirtschaften einen Hof im Bärenbohl und befinden sich in der Umstellung zum Biobetrieb. Nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell versprechen sie sich Vorteile. Damit sind sie nicht allein.

Dank der Zusammenarbeit mit Moritz Sauter (links) kann Hofbesitzer Werner Gugolz seinen «Traum von Bio» nach 30 Jahren konventioneller Landwirtschaft endlich verwirklichen.

Dank der Zusammenarbeit mit Moritz Sauter (links) kann Hofbesitzer Werner Gugolz seinen «Traum von Bio» nach 30 Jahren konventioneller Landwirtschaft endlich verwirklichen. Bild: Balz Murer

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Rümlang. «Im Alleingang und mit dem Hof lediglich im Nebenerwerb hatte ich nicht den Mut, die Umstellung auf Bio anzugehen», erzählt Werner Gugolz. Den elterlichen Betrieb im Bärenbohl bewirtschaftet der Rümlanger schon seit 30 Jahren – und Bio sei für ihn eigentlich «immer ein Thema gewesen». Doch erst als er auf den jungen Moritz Sauter gestossen ist, hat er sich der Sache angenommen.

Seit letztem Jahr bilden die beiden eine Betriebsleitergemeinschaft, bewirtschaften 17 Hektaren gemeinsam – und befinden sich mitten im Umstellungsprozess auf Biolandwirtschaft. Auf Gugolz’ Hof betreiben die beiden Rümlanger vor allem Ackerbau: verschiedene Weizensorten, Gerste, Ackerbohnen, dazu ein wenig Gemüse und Mostäpfel. Abgesehen von sechs Pensionspferden gibt es keine Tiere auf dem Betrieb.

Das hat den Vorteil, dass keine baulichen Anpassungen nötig waren für die Umstellung auf biologischen Landbau – bei Viehhaltung wäre das anders gewesen: «Wir hätten einen neuen Stall bauen müssen», sagt Sauter. Da sie kein eigenes Vieh halten, müssen die beiden Ackerbauern jedoch Hofdünger in Form von Biogasgülle und Rindergülle von auswärts zukaufen. «Den tollen Kreislauf, den man sich bei einem Biohof vorstellt, findet man bei uns so nicht», sagt Gugolz.

Bevor sich ein Hof «Bio» nennen darf und das Knospe-Label verliehen bekommt, muss der gesamte Betrieb eine zweijährige Umstellungsphase hinter sich bringen. Sauter und Gugolz befinden sich jetzt im zweiten Jahr. «Während dieser Zeit gelten bereits alle Auflagen, aber man hat noch nicht die vollen Einnahmen», erklärt Sauter. Sprich: Für Weizen, Gerste oder Ackerbohnen bekommen die Bauern noch nicht den Preis, den sie für Bioware lösen könnten: «Die Preise bewegen sich irgendwo zwischen konventionell und Bio», sagt Sauter.

Aber wenn die Anfangsphase durchgestanden ist, so sind Sauter und Gugolz überzeugt, lohnt sich die Biolandwirtschaft auch finanziell. «Für einen Ackerbaubetrieb ist das aktuell die wirtschaftlich sinnvollste Betriebsform», sagt Sauter. «Die Marktsituation ist gut und man bekommt gute Preise.»

Düngen, Jätenund Handarbeit

Zum Vergleich: für 100 Kilogramm konventionell angebauten Brotweizen erhält der Produzent rund 50 Franken, für dieselbe Menge Bioweizen gibt es gut 100 Franken – also das Doppelte. «Allerdings erreicht man im Biolandbau auch nicht dieselben Erträge», relativiert Sauter. Und der Aufwand in der Produktion ist deutlich höher als beim konventionellen Anbau.

Eine der grossen Herausforderungen für die Biobauern ist etwa die Nährstoffversorgung der Pflanzen: «Früher, in der konventionellen Landwirtschaft, konnte ich gezielt jene Nährstoffe aus dem Sack nehmen, die ich gerade brauchte», erinnert sich Gugolz. Im Biolandbau hingegen wird der Boden gesamthaft verbessert, etwa durch Mist und Gülle: «Da ist alles drin, aber man kann damit nicht so gezielt düngen».

Aufwändiger ist auch das Jäten: Wo andere dem Unkraut mit Pestiziden ein Ende bereiten, greift der Biobauer auf mechanische Methoden zurück, und das braucht viel Zeit. «Man verbringt rasch einen halben Tag auf dem Traktor, indem man mit dem Hackstriegel durch die Kulturen fährt», weiss Sauter. Gewisse Unkräuter werden sogar von Hand, etwa mit dem Bla- ckeneisen (siehe Bild), entfernt. «Früher genügten ein paar Tropfen Glyphosat», sagt Gugolz.

Und schliesslich wären da noch die Schädlinge, gegen die der Biolandwirt bisweilen ohnmächtig ist. «Es braucht auch eine Portion Vertrauen», fasst Gugolz zusammen. Trotzdem sind der Jungbauer und sein Seniorpartner von ihrem Vorhaben überzeugt: «Wir machen ökologisch etwas Gutes, die Produkte sind gefragt und es bereitet uns Freude», sagt Sauter.

Als fundamentalistisch möchten die beiden Landwirte dabei nicht verstanden werden. Sie kennen die Anwendung synthetischer Gifte und Dünger durchaus und wissen auch um deren Vorteile. Sauter, der nicht nur Bauer sondern auch gelernter Agrotechniker ist, hat früher für eine Chemiefirma gearbeitet und Forschung mit Pestiziden betrieben. «So haben wir uns kennengelernt, über Pflanzenschutzversuche auf meinem Land», sagt Gugolz.

«Aber dann begann ich mich für Bio zu interessieren», ergänzt Sauter. Heute arbeitet er Teilzeit beim FiBL (Forschunginstitut für biologischen Landbau). Und auch Werner Gugolz arbeitet zusätzlich in Teilzeit auswärts – beim Amt für Landschaft und Natur des Kantons. Nachdem er drei Jahrzehnte lang Landwirtschaft nach konventioneller Methode betrieben hat, ist er froh, auf herkömmlichen Pflanzenschutz verzichten zu können. «Die ganzen Gifte, das hat einfach etwas Ungemütliches», sagt er.

Weitere Bauernsetzen auf Bio

Mit diesem Gedanken steht Gugolz nicht alleine da: Matthias Keller vom Rümlanger Chätschhof befindet sich im ersten Jahr der Umstellung auf Bio. Er betreibt Ackerbau und unterhält eine Pferdepension – und er hatte ebenfalls genug: «Ich studiere lieber den Boden statt den Spritzmittel-Katalog», sagt er. Nebst dem ökologischen Gedanken war auch für ihn der finanzielle Vorteil ausschlaggebend: «Wirtschaftlich rechnet sich Bio», ist er überzeugt.

Mit Obstbauer Martin Meier im Tempelhof gibt es noch einen weiteren Rümlanger, der das Knospe-Label anstrebt. Auch er befindet sich in der Umstellung und wartet darauf, seine Produkte unter dem Bio-Label anbieten zu können.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.08.2017, 14:17 Uhr

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