Dielsdorf

Der Konfettiregen bleibt dieses Jahr aus

Die Fasnacht in Dielsdorf zählte zu den grossen in der Region. Doch nun hat es sich ausgeguggt und -gefestet. Der Verein wirft den Bettel hin. Gründe sind sinkende Umsatzzahlen und Besucherschwund.

Die Dielsdorfer Fasnacht war für den grossen Guggenumzug bekannt. Doch diesen wird es in Zukunft in dieser Form nicht mehr geben.

Die Dielsdorfer Fasnacht war für den grossen Guggenumzug bekannt. Doch diesen wird es in Zukunft in dieser Form nicht mehr geben. Bild: Archiv / Madeleine Schoder

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Es war jeweils der fulminante Auftakt zur fünften Jahreszeit im Unterland: die Fasnacht in Dielsdorf. Rund 25 Gruppen mit Maskierten, Geschminkten und Narren nahmen jeweils am Umzug teil, zur Blütezeit waren es sogar 33 Gruppen. «Mit Bassersdorf konnte man uns nicht vergleichen, dafür konnten wir grossen Erfolg mit der Guggenmusik feiern», erklärt Raymond König, Präsident des Vereins Äntli Fasnacht, der den Anlass während vieler Jahre organisierte. Rund 15 Guggen spielten jeweils mit, dar­unter solche aus der halben Deutschschweiz und einige gar aus Deutschland. Selbst aus der Karnevalshochburg Köln kamen schon Musikanten.

Doch dieses Jahr bleiben am 28. und 29. Januar die Konfetti in den Säcken und die Kostüme im Schrank. Der Verein habe sich «schweren Herzens» entschieden, die Fasnacht abzusagen. «Dieser Schritt tut uns als bisherige Veranstalter sehr weh», wie König mitteilt. Hauptgrund seien die seit Jahren sinkenden Umsatzzahlen. In den letzten beiden Jahren habe der Verein gar ein Minus von rund 1600 bis 2600 Franken geschrieben.

Schwieriges Terrain

Zum einen habe sich die Anzahl Besucher in der Festhalle dramatisch verringert. Zum anderen habe sich das Konsumverhalten geändert. Auch Eintrittsplaketten hätten viele Besucher nicht kaufen wollen. Gleichzeitig sei der Aufwand gestiegen, unter ande­rem aufgrund verschärfter Auflagen. «Für uns war es ein grosser Frust.»

Während man mit dem Gewinn aus der Fasnacht jeweils die Gewänder der Guggenmusik Dielifäger bezahlt habe, musste die Fasnacht in den letzten beiden Jahren mit den Beiträgen der Vereinsmitglieder finanziert werden. Über die Gründe für den grossen Besucherschwund könne er nur spekulieren. Ohnehin sei Zürich ein schwieriges Ter­rain für Fasnächtler, da die Tradition fehle.

Die Dielsdorfer Fasnacht ist nicht nur eine der grössten in der Region. Sie blickt auch auf eine längere Geschichte zurück. Seit Jahrzehnten bereits erfüllen das närrische Treiben und die schrägen Töne der Guggen die Strassen des Bezirkshauptortes. Dauerte die Fasnacht früher von Freitag bis Montag an, so beschränkte sich das Fest in den letzten Jahren jeweils auf die beiden Wochenendtage.

Programm für Gross und Klein

Am Samstagabend kündigten die Guggen jeweils mit viel Lärm und Getöse den Fasnachtsauftakt an. Danach stieg in der Früebli­halle die grosse Party. Der Sonntagsumzug war für die kleinen Narren reserviert. Für sie gab es im Anschluss an den Umzug in der Turn­halle einen Kindermaskenball mit Clown- und Kostümprämierung.

Die Umzüge seien besondern bei Familien sehr beliebt gewesen. Aus diesem Grund habe man sie retten wollen. Letztes Jahr verzichtete der Verein daher auf die grosse Party in der Früebli­halle. Trotz der Konzeptanpassung habe man die Fasnacht jedoch nicht mehr auf eine finanzielle Erfolgsschiene bringen können.

Hoffnung auf Nachfolge

Aufgrund der enttäuschenden Zahlen habe vielen Mitgliedern zuletzt die Motivation gefehlt, um die nötigen Arbeiten zu machen, führt König aus. Daher habe man sich nun entschieden, den Anlass abzusagen. Bereits habe man die Gemeinde und die Helfer informiert. «Viele zeigen sich ­betroffen und finden es schade.»

Der Vereinspräsident hofft nun darauf, dass bald jemand ­an­deres in die Bresche springt und die Durchführung der Fasnacht im nächsten Jahr übernimmt. «Vielleicht stellt jemand einen kleinen Umzug auf die Beine oder eine Kinderfasnacht», sagt König und verspricht: «Wir würden sicher mit Material, Wissen und Kontakten helfen.»

Erstellt: 13.01.2017, 12:06 Uhr

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