Rümlang

Der Modernisierer unter den Bauern

Jakob Guyer, genannt Kleinjogg, war einer der berühmtesten Bauern Europas. Er revolutionierte die Landwirtschaft in Rümlang auf dem Katzenrütihof, wo unter anderen Goethe ihn besuchte. Heute wäre Guyer 300 Jahre alt geworden.

Eine Gedenktafel?am Katzenrütihof in Rümlang erinnerte daran, dass hier der «Musterbauer» Jakob Guyer gewirkt hatte.

Eine Gedenktafel?am Katzenrütihof in Rümlang erinnerte daran, dass hier der «Musterbauer» Jakob Guyer gewirkt hatte. Bild: Sibylle Meier

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In Wermatswil (gehört heute zu Uster) wurde am 9. August 1716 ein Bub geboren, der als Reformator und Modellbauer noch zu Lebzeiten Ruhm und Bekanntheit über die Landesgrenze hinaus erreichen sollte. Jakob Guyer, später Kleinjogg genannt, wuchs als fünftes von sieben Kindern auf dem väterlichen Gutshof auf. Gemeinsam mit seinem Bruder Felix übernahm er 1736 den Bauernhof, den er allmählich entschuldete.Bekannt wurde er dank des Zürcher Stadtarztes Hans Caspar Hirzel. Dieser publizierte 1761, acht Jahre bevor Guyer sich in Rümlang niederliess, ein Buch mit dem Titel «Die Wirtschaft eines philosophischen Bauers». Darin widmete Hirzel sich ­Gu­yers landwirtschaftlichen Methoden. Das Werk erschien auch in französischer Übersetzung und wurde zu einem Grosserfolg. Sechs Neuauflagen kamen nach der ersten Veröffentlichung dazu, zudem Übersetzungen ins Italienische, Englische und Spanische. Wie der Rümlanger Dorfchronik von Hans Peter Treichler zudem zu entnehmen ist, erweiterte Hirzel sein Werk ausserdem mit ­jeder Neuauflage um etwa hundert Seiten – das Buch fasste schliesslich über 500 Seiten.

Dichter und Adlige gaben sich Klinke in die Hand

1769 übernahm Guyer den verwahrlosten städtischen Katzen­rüti­hof. Zusammen mit seinem Bruder brachte er den Hof innert weniger Jahre wieder auf Vordermann. Kleinjogg wandte dabei die Methoden an, die ihn dank Hirzels Werk zu einer Berühmtheit gemacht hatten: Er rationa­lisierte die Landwirtschaft und setzte auf höchste Bodenqualität. Das Vieh zum Beispiel behielt er im Stall, wo dicke Streuschichten aus Stroh, Laub und Tannen­nadeln eine hohe Menge gut durchmischten Dünger für die Felder ergaben. Auf dem Acker achtete Guyer darauf, «leichte» Böden nur nahe der Oberfläche zu pflügen, im Gegensatz zu «schweren» Böden, die möglichst umfassend umgewälzt wurden.

Guyers Methoden, die er vor ­allem durch Ausprobieren erarbeitete, machten ihn mit vielen bekannten Personen seiner Zeit bekannt. Goethe besuchte seinen Hof in Rümlang zweimal, ­Adlige wie Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach setzten sich zu ihm an den Tisch, Philosophen wie Jean-Jaques Rous­seau schrieben über ihn. ­Berühmt wurde er weiter durch die Bauerngespräche, die Guyer zusammen mit Hirzel ins Leben rief. Dabei diskutierten Städter mit Bauern über soziale Grenzen hinweg.

Guyer verstarb 1785 in Kat­zen­rüti. Bis heute wurde über keinen ehemaligen Rümlanger mehr geschrie­ben als über ihn. Und der Katzenrütihof, in welchem er bis zu seinem Lebens­ende gewirkt hat, blieb ein frucht­barer Ort für neue Ideen. Hier nämlich frittierte Hans Meier, der Onkel zweiten Grades des Chips-Unternehmers Hansheinrich Zweifel, Anfang der 1950er-Jahre die ­ersten Kartoffelchips. Mehr noch: Sowohl Hansheinrich Zwei­fel wie auch Hans Meier sind mit Kleinjogg verwandt. Conrad Zwei­fel (1841–1895), der Urgrossvater von Zweifel-Gründer ­Hansheinrich Zweifel, hei­ra­tete nämlich in zweiter Ehe Bar­bara ­Guyer, die Enkelin von Jakob ­Guyer. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.08.2016, 21:32 Uhr

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