Bachs

Der Neuhof Bachs wird wieder zur Dorfbeiz

Der Neuhof war in Bachs eine Institution. Doch seit das Kulturlokal vor zwei Jahren schloss, hatte das Dorf keine Beiz mehr. Nun wagen andere Gastrounternehmer Neues.

In der Gaststube des Neuhofs Bachs wollen drei innovative Köpfe für frischen Wind sorgen: Gastrounternehmer Christoph Hager sowie das Ehepaar Rebekka und Lucas Costa (v.l.n.r.)

In der Gaststube des Neuhofs Bachs wollen drei innovative Köpfe für frischen Wind sorgen: Gastrounternehmer Christoph Hager sowie das Ehepaar Rebekka und Lucas Costa (v.l.n.r.) Bild: Renato Cecchet

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Während zweier Jahre gab es in Bachs keinen Ort mehr, wo man auswärts etwas essen oder trinken konnte. Das einzige Restaurant, der Neuhof, schloss Ende 2016 seine Türen. Seit bald drei Jahren suchte der Verein axis Bildung, dem das ehemalige Bauernhaus gehörte, einen Käufer.

Nun haben sich endlich neue Betreiber mit frischen Ideen gefunden: Der Unterländer Gastrounternehmer Christoph Hager hat den Neuhof Mitte Dezember zusammen mit Lucas Costa übernommen.

Hager ist Inhaber des Restaurants Bienengarten in Dielsdorf, wo auch seine Firma CHa Gourmet Catering ihre Gerichte zubereitet. Ihm gehört zudem das unterdessen verpachtete Restaurant Schmitte in Schöfflisdorf. Dort hatte Costa vor zehn Jahren von Hager das Handwerk gelernt. Danach führte er das Restaurant Boinabrasa in Dielsdorf und zuletzt das Treichli im appenzellischen Wienacht-Tobel. Das Heimweh trieb Lucas Costa und seine Frau Rebekka zurück ins Unterland.

«Wir wollen auch hier eine regionale Küche mit Tradition, aber auch etwas Raffinesse anbieten», sagt der 29-Jährige. Auf der Speisekarte wird man Schmorbraten oder Poulet im Chörbli antreffen, aber auch Ausgefalleneres wie gedörrte Bohnen mit Ingwer oder Quittenbrot mit Ziegenkäse.

Gemütliche Stube

In der Gaststube sieht es nun ein wenig aus wie im Wohnzimmer der Grossmutter: Leicht abgetretene Perserteppiche, eine Sitzecke mit altmodischem Lampenschirm, Kissen und eine gebrauchte Kommode sorgen für nostalgischen Charme.

«Für Elise» hat Rebekka Costa das neue Konzept im Restaurant Neuhof Bachs genannt. Ab Anfang März wollen die neuen Betreiber der traditionellen Kuturbeiz hier alle drei Monate ein anderes Thema lancieren – ganz nach dem populären Popup-Ansatz. «Wir wollen ausprobieren, was am besten funktioniert», sagt Costa.

Wieder Musik und Theater

Ab März wollen die neuen Betreiber hier wieder gutes Essen sowie Theater, Konzerte und Lesungen anbieten. Auch die legendären Blues Nights sollen wieder aufleben. Vorerst soll der Gasthof am Donnerstag- und Freitagabend sowie am Wochenende ganztags geöffnet haben.

Der Neuhof Bachs ist eine Institution. In den 80er-Jahren als alternative Genossenschaftsbeiz geführt, gehörte er zuletzt dem Verein axis Bildung, der Lehrstellen für Jugendliche mit schwierigen Bedingungen anbietet. Doch Ende letzten Jahres sind die letzten fünf Lernenden der Bäckerei weggezogen. Das Gebäude war seit drei Jahren zum Verkauf ausgeschrieben.

Interessenten habe es etliche gegeben, sagt Geschäftsführer Marco Styner. Die meisten davon hätten aber nur Wohnungen realisieren wollen. «Doch wir wünschten uns jemanden, der die Gastronomie und Kultur wieder aufleben lässt», sagt Styner. Und da der Verein nicht unter Zugzwang stand, habe man lieber zugewartet. Die Geduld habe sich ausgezahlt, findet Styner: «Wir haben innovative Leute gefunden. Ich bin überzeugt, das gibt eine gute Sache.»

Mehr Wohnungen

Zurzeit wird im Neuhof noch umgebaut. Die drei Wohnungen werden saniert, eine davon wird das Ehepaar Costa beziehen. Der Erwerb des Gebäudes und die Renovation kommen auf rund 2,5 Millionen Franken zu stehen.

Später planen die neuen Inhaber, in der angebauten Scheune vier bis sieben kleinere Wohnungen einzubauen und wollen dafür weitere rund 1,5 Millionen Franken investieren. Eine Nachfrage nach Wohnraum sei vorhanden, ist Christoph Hager überzeugt. Auch seinen Catering-Betriebs will er nach Bachs verlegen. Wenn der 50-Jährige demnächst etwas kürzer treten wird, soll der 20 Jahre jüngere Costa in seine Fussstapfen treten. Die beiden sind sich freundschaftlich verbunden geblieben, seit Costa bei Hager das Kochen lernte.

Als das junge Paar, das zuletzt im appenzellischen Wienacht-Tobel ein Restaurant führte, sich nach dem Unterland zurücksehnte, war Hager gerne bereit zu helfen. Die gelernte Floristin Rebekka Costa ist in Weiach aufgewachsen und stammt aus der Gemüseanbau-Familie Müller. «Ich habe eine Riesenverwandtschaft im Unterland und wollte wieder in der Nähe sein», sagt die 32-Jährige mit viel gestalterischem Flair. Sie malt zudem Bilder, die sie im Gasthof ausstellen wird.

Derweil reizt es Lucas Costa, die traditionelle Kulturbeiz wieder zum Leben zu erwecken, obwohl er sie nur vom Hörensagen kennt. «Ich finde die Geschichte des Neuhofs extrem spannend», sagt der neue Mitinhaber. «Und in Bachs fühlen wir uns bereits sehr wohl.» Einen ersten Eindruck erhalten Gwundrige bereits am 26. Januar bei einem Treberwurstessen. Ab März wird der Neuhof wieder regelmässig öffnen und sich immer wieder anders präsentieren.

Wegen schwindender Nachfrage nach Lehrtellen im Gastgewerbe hat das Restaurant die Ausbildung 2015 eingestellt. Nur die Bäckerei mit aktuell drei Lernenden befand sich bis Ende 2018 im Neuhof. Nun ist sie in das besser erreichbare Schlieren gezogen, wo sie am 9. Februar einen eigenen Laden eröffnet. Doch den geschichtsträchtigen Namen hat der Betrieb mitgenommen: Er heisst weiterhin Bäckerei Neuhof.

Erstellt: 14.01.2019, 21:09 Uhr

20 Jahre Lehrstellen im geschützten Arbeitsmarkt

Vor gut 20 Jahren begann Patrick Honauer, damals Wirt im Bachser Restaurant Neuhof, Jugendliche ohne Lehrstelle zu integrieren. Sie arbeiteten im Gastgewerbe, der Landwirtschaft und betätigten sich künstlerisch. Daraus entstand der Verein axis Bildung, der heute rund 150 Lehrstellen in diversen Berufen für Jugendliche mit erschwerten Bedingungen anbietet. Viele der Verbundbetriebe, in denen die Lernenden sozialpädagogisch betreut werden, befinden sich auch heute noch im Unterland. Derweil hat die Geschäftsstelle ihren Sitz unterdessen nach Zürich verlegt. Axis Bildung betreibt zudem die Bioläden Bachsermärt mit fünf Lokalen in Bachs, Eglisau und Zürich.

Wegen schwindender Nachfrage nach Lehrtellen im Gastgewerbe hat das Restaurant die Ausbildung 2015 eingestellt. Nur die Bäckerei mit aktuell drei Lernenden befand sich bis Ende 2018 im Neuhof. Nun ist sie in das besser erreichbare Schlieren gezogen, wo sie am 9. Februar einen eigenen Laden eröffnet. Doch den geschichtsträchtigen Namen hat der Betrieb mitgenommen: Er heisst weiterhin Bäckerei Neuhof. (asö)

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